Bis zum Jahr 1941 diente der Salonwagen dem Reichskanzler und selbst ernannten "Führer" Adolf Hitler als persönlicher Speisewagen, auch Italiens Diktator Benito Mussolini fuhr darin mit. Es gibt kaum ein Eisenbahnfahrzeug, das so eng mit der politischen Geschichte Deutschlands der vergangenen 75 Jahre verbunden ist. Der Zufall wollte es, dass dieser Salonwagen, der lange Zeit auf einem Nebengleis des Güterbahnhofs Münster stand, in das Deutsche Dampflokomotiv Museum nach Neuenmarkt überführt wurde. Im Rahmen einer multimedialen Präsentation, deren Kosten sich auf rund 175.000 Euro belaufen, soll das historische Fahrzeug nun für die Besucher des DDM interessant gemacht werden.

Dem Zweckverband ist es dabei gelungen, eine Förderung von rund 90 Prozent aus EU-Mitteln und der Oberfrankenstiftung zu erhalten - für Landrat und stellvertretenden Zweckverbandsvorsitzenden Klaus Peter Söllner eine "tolle Geschichte". Söllner ist überzeugt davon, mit diesem Projekt "unser Museum zu einem Teil deutscher Geschichte aufwerten zu können".


Nur für die Führunggspitze



Der dunkelgrüne Salonwagen, der zurzeit im neu erbauten Depot auf seine museumspädagogische Aufpolierung wartet, war einer von 26 so genannten Dienstwagen mit Sonderausstattung, deren Bau die damalige deutsche Reichsregierung von 1934 bis 1943 in Auftrag gegeben hatte. Alle Fahrzeuge standen ausschließlich der obersten Führungsspitze des Dritten Reiches zur Verfügung. Den Auftrag für die Innenausstattung der wenigen echten Salonwagen erhielten meist bekannte Werkstätten für Kunst und Handwerk in München. Mit schweren Möbeln, dicken Teppichen und Schiffsleuchten ähnlichen Lichtquellen trafen sie genau den Geschmack der Verantwortlichen im Dritten Reich. Das hohe Eigengewicht des Salonspeisewagens mit 57 Tonnen und die zusätzlich abgefederten Drehgestelle sorgten für eine außergewöhnliche Laufruhe. 1937 stellte die Deutsche Reichsbahn den jetzt in Neuenmarkt stationierten Salonspeisewagen in Berlin erstmals in Dienst.

Nachdem Adolf Hitler 1941 einen neuen, sechsachsigen Speisewagen erhielt, diente sein Vorgänger fortan Reichsaußenminister Ribbentrop. Anfang des Jahres 1945 wurden die meisten der in Berlin stationierten Regierungswagen vor der Roten Armee in Sicherheit gebracht und gemeinsam mit hochwertigen Lokomotiven in Richtung Westen abgefahren. Nach Ende des Krieges war der Speisewagen für den Hochkommissar der britischen Besatzungszone im Einsatz und erhielt 1946 eine geänderte Inneneinrichtung mit Schlafabteil und Badezimmer.

Mehr dazu lesen Sie in der Bayerischen Rundschau.