Kulmbach
Naturschutz

High-Tech soll Rehkitze retten

Mit elektrischen Wildscheuchen will die Forstverwaltung Jarosch verhindern, dass Rehkitze Opfer der riesigen Mähmaschinen werden.
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Wenn ein Rehkitz entdeckt wird, darf es keinesfalls mit bloßen Händen angefasst werden, sonst wird es von seiner Mutter verstoßen. Harald Höhn nimmt Gras zur Hilfe, um es aus dem zu mähenden Feld zu tragen. Fotos: Sonny Adam
Wenn ein Rehkitz entdeckt wird, darf es keinesfalls mit bloßen Händen angefasst werden, sonst wird es von seiner Mutter verstoßen. Harald Höhn nimmt Gras zur Hilfe, um es aus dem zu mähenden Feld zu tragen. Fotos: Sonny Adam
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Die frühlingshaften letzten Tage täuschen, in diesem Jahr verzögert die Kälte die Entwicklung in Wald und Flur. Lediglich Kleegras ist schon sehr weit. "Wir befürchten, dass es in diesem Jahr ein unglückliches Zusammentreffen geben wird. Wenn die Wiesen gemäht werden und gleichzeitig Silage gemacht wird, findet das Wild natürlich noch schwerer Deckung", erklärt Jagdpächter Harald Höhn von der Forstverwaltung Jarosch. Der Jäger befürchtet, dass die Rehkitze in diesem Jahr noch stärker gefährdet sind als sonst. "Wir appellieren an alle Landwirte, uns den Mähtermin bekannt zu geben. Dann können wir Jäger am Abend vorher oder ein paar Tage vorher Vorkehrungen treffen, um die Kitze, die in den Wiesen abgelegt sind, zu retten", erklärt Höhn.
Tatsächlich legen die Rehriken ihre Jungtiere im hohen Gras ab. Auch wenn Gefahr naht, flüchten die Kitze nicht, sondern ducken sich sogar noch tiefer ins hohe Gras. "Wenn wir wissen, wann Wiesen gemäht werden sollen, können wir vorher Scheuchen aufstellen. Dies irritiert die Rehe. Sie können den Nachwuchs dann selbstständig aus den Wiesen führen", so Höhn. Generell ist es immer ein Warnzeichen, wenn regelmäßig Rehe in Wiesen gesehen werden. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie ihren Nachwuchs dort verstecken.


Wild wird verunsichert

Die Forstverwaltung Jarosch setzt in diesem Jahr Wärmebildkameras ein sowie sogenannte Rehkitz-Retter. Dabei handelt es sich um technisch aufgemotzte "Vogel- und Wildscheuchen". Die Rehkitzretter bestehen aus einem Metallstab, der oben mit einer Tüte, die flattert und sich unregelmäßig bewegt, bestückt wird. Zusätzlich hängt ein kleines rundes Gerät - der eigentliche Rehkitzretter - an dem Metallstab. Dieses sendet Töne aus, blinkt unregelmäßig. "So ein Gerät kostet 130 Euro. Es wird mit einem Akku betrieben, der aufladbar ist", erklärt Höhn. Etwas teuerere Varianten imitieren sogar Hundegebell. "Wichtig ist, dass die Signale unregelmäßig ausgesendet werden, das verunsichert das Wild und die Rehe führen ihre Kitze aus den Wiesen", erklärt Höhn. Aufgestellt werden sollen solche Rehkitzretter etwa 50 bis 70 Meter vom Waldrand, am besten in einem Abstand von 200 Metern. "Wir haben auch schon Musik abgespielt - auch das hat gewirkt. Vor allem Radiosender, die zwischen Wortbeiträgen und Musik wechseln, wirken gut", so Höhn.


Drohneneinsatz zu teuer

Der Maschinenring Kulmbach hat in den letzten Jahren Tests mit Drohnen gemacht. "Wenn wir mit einem Octocopter ein Feld abfliegen, dann schaffen wir pro Stunde einen Hektar. Bei einem 40 Hektar großen Feld müssten wir dann 30 Stunden suchen - da ist das Wild längst wieder drin. Zudem würde diese Absuche zu hohe Kosten verursachen", erklärt Werner Friedlein vom Maschinenring. Friedlein gibt zu bedenken, dass der Maschinenring innerhalb von nur einer Woche 8000 Hektar Wiesen mäht. "Wir haben die Vorgabe ausgegeben, dass sich die Landwirte mit den Jagdpächtern in Verbindung setzen sollen. Mehr können wir nicht tun. Wir müssen uns da auf die Landwirte verlassen, außerdem kennen sie ja auch die jeweiligen Jagdpächter", so Friedlein.
Neueste Erkenntnisse besagen, dass auch eine etwas veränderte Mähtechnik Rehkitzen das Leben retten kann. So wünscht sich Harald Höhn, dass Wiesen nicht von außen nach innen gemäht werden sollten. "Wildtiere werden so ganz im Inneren zusammengetrieben, haben keine Chance, zu fliehen", sagt Höhn. Doch in der Praxis werden erst die Grenzen gesucht, dann wird mit den großen Maschinen nach innen gemäht, erklärt Friedlein.
Die Jäger wünschen sich, dass die Mähmaschinen nach innen fahren, dann von innen nach außen mähen. Besonders große Parzellen könnten in einzelne Abschnitte aufgeteilt werden, dann ebenfalls von innen nach außen gemäht werden, schlägt Höhn vor. "Das mit der Aufteilung wird schon so gemacht", sagt Werner Friedlein vom Maschinenring, gibt aber zu bedenken, dass das Mähen von innen nach außen nicht praktikabel ist, weil bei jeder Tour auf die Grenzen geachtet werden müsse.
Der Obmann des Bayerischen Bauernverbandes Wilfried Löwinger hat an die Landwirte ein Rundschreiben ausgesendet. "Wie setzen uns dafür ein, dass sich alle Landwirte mit den Jagdpächtern in Verbindung setzen sollen. Denn die Jäger kennen die gefährdeten Flächen am besten", sagt Löwinger. "Das wichtigste ist, dass Landwirte, Jagdpächter und Jäger miteinander im Gespräch bleiben. Denn keiner hat ein Interesse, dass es wieder zu Unfällen mit Rehkitzen kommt", so Löwinger.

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