Laden...
Hegnabrunn
Hochwasser

Hegnabrunner Flut-Opfer fordern Geld vom Freistaat

Betroffene und Vertreter der Gemeinde diskutierten am Montagabend, was zu tun ist, um künftig für solche Ereignisse gewappnet zu sein. Aber ein Patentrezept hat keiner.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Raum Kulmbach blieb vom Unwetter am 2. August weitgehend verschont. Mit einer Ausnahme: Der Neuenmarkter Ortsteil Hegnabrunn verwandelte sich binnen Minuten in eine Seenlandschaft. Straßen waren durch Sturzbäche unpassierbar, Keller wurden überflutet.  Foto: Lechaos Krtek
Der Raum Kulmbach blieb vom Unwetter am 2. August weitgehend verschont. Mit einer Ausnahme: Der Neuenmarkter Ortsteil Hegnabrunn verwandelte sich binnen Minuten in eine Seenlandschaft. Straßen waren durch Sturzbäche unpassierbar, Keller wurden überflutet. Foto: Lechaos Krtek
+1 Bild
"Es muss eine kommunale Überflutungsvorsorge her." Das war die zentrale Aussage von Werkleiter Karl Pöhlmann bei der Informationsveranstaltung, zur der Unternehmer Heinz Wanderer am Montagabend Betroffene und Geschädigte des Hochwassers vom 2. August in die Gaststätte "Zum Unteren Wirt" eingeladen hatte. Der Dialog wurde weitgehend sachlich geführt, und der Adrenalinspiegel der vergangenen Tage hatte sich auch bei den meisten Betroffen gesenkt.

Sondersitzung angekündigt

Sowohl Bürgermeister Siegfried Decker (NG) als auch Werkleiter Pöhlmann (SPD) machten deutlich, dass kein Kanalsystem derartige Starkregenereignisse bewältigen kann. Decker kündigte eine Sondersitzung des Gemeinderates an.
Es gehe darum, gehe es darum, mit welchem wirtschaftlich vernünftigem Aufwand Maßnahmen ergriffen werden können, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen oder die Folgen zumindest abgeschwächt werden. Pöhlmann betonte, dass man keine Patentlösung habe. Auf dem Weg zur kommunalen Überflutungsvorsorge müssten viele Teilziele verwirklicht werden, um künftig derartige Ereignisse zu verhindern oder zumindest zu lindern.

Über 60 Bürger waren der Einladung gefolgt und machten ihrem Unmut über die Geschehnisse Luft, zumal es bei dem einen oder anderen schon zum wiederholten Male zu derartigen Überschwemmungen im Keller gekommen war. Nach Wetteraufzeichnungen fielen in dieser Nacht zwischen 70 und 80 Liter auf den Quadratmeter.

Ein Meter Flutwelle

Wanderer betonte, dass er mit dem Gedankenaustausch ein Stück dazu beitragen will, wie es weitergehen soll: "Das Hochwasser war unwahrscheinlich heftig, und so was wird man nie verhindern können. Was mich aber am meisten frustriert hat: Bei uns fließt kein Main und kein Rhein, aber wir hatten eine Flutwelle von einem Meter." Er dankte allen Hilfskräften, die in dieser Nacht bis an ihre Grenzen gegangen sind und Unglaubliches geleistet haben, und kündigte ein Helferfest an.

Weiter verwies Wanderer darauf, dass er mit seinem Unternehmen seit 22 Jahren in Hegnabrunn zu Hause ist: "Ich fühle mich hier unwahrscheinlich wohl. Was die Gemeinde für uns alle in den letzten Jahren getan hat und wie sie dasteht, ist bemerkenswert, aber jetzt muss sich die Gemeinde einmal mit allen Beteiligten zusammensetzen, um zu klären, was getan werden kann. Wir sind auf die Zusammenarbeit angewiesen und müssen schauen, dass wir eine ähnliche Katastrophe verhindern können."

240 000 Euro Schaden

Nach seiner Ansicht wird es kurzfristig keine Lösung geben: "Ich glaube, dass man viel zu lange gewartet hat, um den neuralgischen Punkt zwischen dem Schulweg und der Königsberger Straße in den Griff zu bekommen. Vielleicht hat man gehofft, von derartigen Naturkatastrophen verschont zu bleiben. Ich habe so was jetzt dreimal mitgemacht, und diesmal war's der Höhepunkt. Ich will nimmer und kann mir keine vierte Hochwasserkatastrophe mehr leisten, weil ich dann nicht mehr in der Versicherung aufgenommen werde. Mein Schaden beträgt bis jetzt ungefähr 240 000 Euro."

Für die Zukunft forderte Wanderer, dass weitere Vorsorge getroffen werden muss, um ähnliche Schadensfälle zu vermeiden: "Ich wünsche mir, dass die Gemeinde auch wirklich nach Lösungen sucht und die bayerische Staatsregierung für uns Gelder bereitstellt, um ein Regenrückhaltebecken zu bauen oder irgendwelche Verbesserungen und Instandsetzungen am Kanalnetz vorzunehmen. Es geht aber nicht, dass die Gemeinde das aussitzt, sondern mit uns den Dialog führt."

Der Bürgermeister ging auf die Aufgabe der Gemeinde ein: "Es ist ein funktionsfähiges Kanalsystem zur Verfügung zu stellen, das regelmäßig geprüft und gewartet wird, das vor allem auch ausreichend dimensioniert ist. Dafür ist die Gemeinde verantwortlich und, wenn es zu Schäden kommt, auch haftbar. Sie ist aber nicht verantwortlich für Unwetterschäden, Elementarereignisse und höhere Gewalt." Auf der anderen Seite habe jeder Grundstückseigentümer die Aufgabe, sich selbst vor Rückstau und Überschwemmungsgefahr zu schützen.

Kein Schnellschuss

Laut Werkleiter Pöhlmann ("So einen Starkregen, der auf uns niederprasselte, gab's in Hegnabrunn noch nie") ist im Wirtschaftsplan der Gemeindewerke die Auswechslung des Oberflä chenwasserkanals zwischen Schul weg und Königsberger Straße vorgesehen. Man werde aber kei nen Schnellschuss machen, sondern mit dem Ingenieur-Büro nach der besten Lösung suchen.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren