Stadtsteinach
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Hegeschau: "Trophäenkult war früher"

Mancher hält sie für überflüssig - aber laut Gesetz müssen die Jäger den Kopfschmuck der geschossenen Tiere vorlegen.
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Mehr als tausend Rehgehörne waren bei der Hegeschau im Schützenhaus Stadtsteinach ausgestellt. Fotos: Adriane Lochner
Mehr als tausend Rehgehörne waren bei der Hegeschau im Schützenhaus Stadtsteinach ausgestellt. Fotos: Adriane Lochner
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Insgesamt sind mehr als tausend Rehgehörne auf den Tischen ausgebreitet, alle sehen unterschiedlich aus. Neben den ganz normalen "Sechsern", "Gablern" und "Spießern" gibt es auch exotische Varianten: Bei manchen Böcken sind die Stangen U-förmig verbogen oder der Kopfschmuck ähnelt dem einer afrikanischen Antilope.
"Gerade diese Vielfalt ist spannend", sagt Peter Müller, Vorsitzender des Kulmbacher Jagdschutz- und Jägervereins. Wie viele seiner Kameraden geht er interessiert durch die Reihen und betrachtet die Trophäen bei der alljährlichen Hegeschau, die im Stadtsteinacher Schützenhaus stattfand.
Hier und da wird geschimpft. Denn so mancher Revierpächter hält die Hegeschau für überflüssig, gar für Zeitverschwendung. Aber sie ist Pflicht, per Gesetz angeordnet. Versäumt ein Pächter den Kopfschmuck des männlichen Wilds vorzulegen, kann das Landratsamt eine Geldstrafe verhängen.
"Trophäenkult war früher", sagt Müller, vorrangig wolle man Gesundheit und Alter des erlegten Wilds begutachten. Daneben gibt es andere wichtige Gründe, die Revierpächter einmal pro Jahr zu versammeln. Heinrich Rauh von der Unteren Jagdbehörde erklärt: "Es geht darum, alle zu erreichen und Informationen zu verbreiten, etwa in Sachen Verbraucherschutz."


Belastete Wildschweine

Da zieht zum Beispiel Ute Hechelmann, amtliche Tierärztin im Kulmbacher Schlachthof, ein Resümee des vergangenen Jahres: 344 Wildschweine hat sie auf Radioaktivität untersucht, bei 23 davon war der Grenzwert von 500 Becquerel überschritten. Hechelmann zufolge ist eine Strahlenbelastung dem Tier äußerlich nicht anzusehen und kann innerhalb eines Reviers stark variieren. Die Tierärztin rät den Jägern, die freiwillige Untersuchung durchführen zu lassen, denn: Wer belastetes Wildbret in Umlauf bringt, macht sich strafbar.


Sicherheit geht vor

Die Jäger sollen auch über ihre eigene Sicherheit nachdenken. Gerhard Gruber, technischer Serviceleiter des Munitionsherstellers Ruag, hielt einen Vortrag, der die Kinnladen nach unten klappen ließ. Wissenschaftliche Experimente hatten gezeigt, dass Kugeln sogar auf weichem Erdboden oder Wasser abprallen können. Vor allem bleifreie Munition fliegt nach dem ersten Auftreffen noch weite Strecken. Wie eine Billardkugel prallt das Geschoss an mehreren Bäumen ab, um so den Weg ins Herz eines Schützen zu finden - ein trauriges Beispiel aus der Vergangenheit. "Mehr als die Hälfte aller Unfälle passieren bei Gesellschaftsjagden", sagt Gruber, die Jäger sollten sich unbedingt im Vorfeld über die Eigenschaften der verwendeten Munition informieren.


Revier-übergreifende Drückjagd

Kreisjagdberater Clemens Ulbrich zufolge wird die Revierübergreifende Drückjagd zur Jagdform schlechthin, um Schwarzwild zu reduzieren. Im vergangenen Jahr waren die hiesigen Jäger fleißig. Im Landkreis Kulmbach wurden 1432 Wildschweine erlegt, 35 Prozent mehr als im Jahr davor. Wenn auch die Schwarzwildbejagung "ein hochbrisantes Thema" sei, dürfe man das Rehwild nicht vergessen, so Ulbrich.
Für das vergangene Jahr wurden dem Kulmbacher Landratsamt 3478 erlegte Rehe gemeldet - damit sind die Abschusspläne zu 99 Prozent erfüllt. Allerdings haben die Förster die Verbissschäden in den meisten Revieren als "zu hoch" eingestuft. In 37 von 127 Jagdrevieren soll die Abschussvorgabe nun erhöht werden.
Michael Schneider vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kritisierte das mangelnde Interesse an den angebotenen Revierbegängen, lediglich 21 fanden im vergangenen Jahr statt. "Die Quote ist sicher noch steigerungsfähig", ermunterte Schneider die Anwesenden. Der Revierbegang ist eine vom Förster begleitete Waldbesichtigung, bei der Jäger und Jagdgenossen besseres Verständnis für gegenseitige Anliegen entwickeln sollen. Unter anderem geht es dabei um die Schwerpunktbejagung von Rehen an Waldverjüngungen. Vor allem Laubbäume liegen dem Förster am Herzen. Schneider zufolge würde das Wild langfristig von Laubwaldbiotopen profitieren, da sie bessere Deckung und Nahrung bieten als Fichtenbestände.
Neben der guten Zusammenarbeit zwischen den Vertretern von Jagd und Forst lobte Landrat Klaus Peter Söllner auch die Einstellung der Bevölkerung. Denn Jagd habe in Oberfranken einen großen Stellenwert, der enorme Mittel- und Zeitaufwand der Jäger würde geschätzt - in anderen Regionen sei das leider nicht mehr der Fall. Söllner: "Die Jagd ist eine Notwendigkeit, wenn wir unseren natürlichen Lebensraum so erhalten wollen, wie wir ihn kennen und schätzen. Die Jagd beutet natürliche Ressourcen nicht aus, sondern nutzt sie nachhaltig."
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