Kulmbach
Aufführung

Hamlet als Weltraum-Rock-Oper kommt super an

Hamlet als Weltraum-Rock-Oper: Die Neuinterpretation des Klassikers begeisterte in der Kulmbacher Stadthalle. Leider kamen nur rund 50 Zuschauer.
Artikel drucken Artikel einbetten
Hamlet (Martin Constantin) versinkt nach dem Tod seines Vaters in Depression. Doch dann erscheint ihm sein Vater im Traum und verrät ihm, dass er ermordet worden ist: vom Onkel. Das tragische Stück nimmt seinen Verlauf - auch in der Weltraum-Rock-Oper. Fotos: Sonny Adam
Hamlet (Martin Constantin) versinkt nach dem Tod seines Vaters in Depression. Doch dann erscheint ihm sein Vater im Traum und verrät ihm, dass er ermordet worden ist: vom Onkel. Das tragische Stück nimmt seinen Verlauf - auch in der Weltraum-Rock-Oper. Fotos: Sonny Adam
+9 Bilder
Shakespeares Bühnenstück "Hamlet" ist 400 Jahre alt. Das Drama am dänischen Königshof ist normalerweise alles andere als leichte Kost. Denn erst lässt der Onkel Claudius Hamlets Vater töten, dann heiratet er Hamlets Mutter Gertrude, um selbst auf den Thron zu steigen. Hamlet verzweifelt, versinkt in tiefe Depressionen. Und dann erscheint ihm sein Vater in einer riesigen Projektion im Traum und verrät ihm, dass er ermordet worden ist. Hamlet ersinnt einen Plan, mimt den Verrückten.

Es kommt zu tragischen Verwechslungen, Hamlet erdolcht versehentlich den Vater von Ophelia, die ertrinkt, ihr Bruder Laertes lässt sich vom bösen Onkel anheuern, um an Prinz Hamlet Rache zu nehmen. Wieder geht alles schief - am Ende sind alle tot. Nur Horatio, Hamlets einziger Vertrauter, überlebt - und berichtet der Nachwelt die tragische Geschichte...

Doch während Hamlet in der Originalversion vor allem Klassikfans vorbehalten ist, hat die Version der Manthey Event das Werk in eine intergalaktische Raumgleiter-Welt versetzt. Statt historischer Kostüme tragen die Helden Raumanzüge oder Rocker-Outfits; statt langatmiger Dialoge gibt's mitreißende Songs. Und im Hintergrund flimmerten Bilder im Star-Wars-Stil über die gigantische Leinwand.


Texte als rockige Songs

Verzerrt wird der Shakespeare-Klassiker durch die Neuinterpretation übrigens kein bisschen. Die Originalpassagen wie die Frage aller Fragen "Sein oder Nicht sein? werden in Häppchen zerlegt: Auf der Bühne spielen die Schauspieler in deutscher Sprache, dazwischen werden Shakespeares Texte als Rocksongs eingeflochten. Songs, die unter die Haut gingen und auch Nicht-Rockern gefielen.

Herausragend singen und agieren Prinz Hamlet (Martin Constantin, ein ausgebildeter Opernsänger) und der böse Onkel (Falko Illing). Während Hamlet ergreifende, geradezu anrührende Rockballaden zum Besten gibt, begeistert Falko Illing mit bösen-rockigen, leicht aggressiven Songs. Als Band sorgen Manfred Hecht, Felix Bodneer, Lucas Schneider und Daniel Tuschek im Hintergrund für die passende Stimmung. Höhepunkt ist König Claudius "Make haste" und "We should do".

Für tolle Effekte sind vor allem die ausgefeilte Bühnentechnik verantwortlich. Licht- und Nebeleffekte sorgen für Überraschungsmomente. Die Rockoper schafft es, Shakespeare auch für Nicht-Klassikfans zu einem unterhaltsamen, kurzweiligen und spannenden Bühnengeschehen zu machen. Und sicherlich hätten auch Jugendliche und echte Rocker Spaß an dieser Hamlet-Version gehabt.

Leider kamen nicht einmal 50 Zuschauer in die Dr.-Stammberger-Halle, um dem äußerst sehenswerten Hamlet-Spektakel beizuwohnen. Doch die, die Hamlet live erlebten, waren begeistert.

Ophelia, die von Diana Maria Krieger gespielt wird, ist gerade einmal 18 Jahre alt - und zuckersüß. Sie spielt noch mit einem kleinen Roboter. Immer wieder sorgen solche liebevollen Details für ein Schmunzeln und für die nötige Kurzweil in dem Theaterspektakel. Tolle Einlagen liefert auch die Schauspieltruppe, die Prinz Hamlet schließlich engagiert hat: Denn die fahrenden Schauspieler schlagen Salti, zeigen tolle Schleuderbrett-Vorführungen. Außerdem setzen Tänzerinnen in hautengen Catsuits optisch ansprechende Akzente.

Die Rockoper Hamlet hat es geschafft, Shakespeares Original zu bewahren und auch Nicht-Shakespeare-Fans zugänglich zu machen. Die Inszenierung erfolgte mit Respekt und Hochachtung vor dem Klassiker.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren