Trebgast
Kabarett

Haare geflochten, Mundwerk lose

"Gscheid gfreid" heißt das aktuelle Bühnenprogramm von Martina Schwarzmann, mit dem sie am Samstag auf der ausverkauftem Naturbühne begeisterte.
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Martina Schwarzmann gilt als ein Phänomen in der Kabarettszene und karikierte am Samstagabend Alltagsszenen am laufenden Band. Foto: Reißaus
Martina Schwarzmann gilt als ein Phänomen in der Kabarettszene und karikierte am Samstagabend Alltagsszenen am laufenden Band. Foto: Reißaus
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Martina Schwarzmann spürt peinlich exakt die absurden und verrückten Seiten des Alltags auf und entlarvti diese mit ihrem oberbayerischen Akzent geradeaus, mitunter brutal ehrlich und dennoch höchst vergnüglich und herzerfrischend. Auf der Naturbühne erzählte sie im lockeren Plauderton und besang ihre Geschichten aus dem ganz normalen "Wahnsinn", dem Alltag. Sie berichtete auch aus ihrem Familienalltag - freilich ganz bewusst etwas überzogen - und ihre Geschichten vom Essen, Trinken oder Technik, sind amüsant, weil sie dafür immer einen besonderen Blickwinkel hat. Hintersinnig und "schwarzhumorig" kommt ihr zweistündiges Bühnenprogramm daher, aber nie altklug, sondern immer sympathisch so wie ihr Bühnen-Outfit, das sie nach eigener Aussage auf dem Flohmarkt ergattert hat, ganz ohne "Schnickschnack".

Es ist einfach verrückt, was Martina Schwarzmann so alles einfällt. Sie sieht sich nicht als Hausfrau, sondern bezeichnet sich als Haushaltsopfer und ihre urkomischen Geschichten schöpft sie mit ihrer ländlichen Herkunft aus dem Vollen, egal, ob es die "depperte" Verwandtschaft ist, die schon da ist, als sie geboren wird, oder die eigenen drei Kinder oder auch der "Super-Typ" - ihr Ehemann nämlich - , von dem sie vorher nicht gedacht hatte, dass sie mal seine Dreckswäsche wäscht. Es gibt nichts, was Martina Schwarzmann nicht inspiriert. Und so ist es auch kein Wunder, dass ihre Fantasie nicht selten mit ihr "durchgeht".

Bissig, aber nie bösartig nimmt sie ihre geliebte bajuwarische Heimat und deren Bewohner aufs Korn. Die Haare geflochten, das Mundwerk lose, ihr Publikum liebt sie dafür, auch außerhalb der bayerischen Landesgrenzen. Eine große Show braucht sie dafür nicht: Einen Barhocker und ihre Gitarre reichen ihr, um ihr Publikum von Minute eins an für sich einzunehmen.

Es ist schon verrückt, was Martina Schwarzmann so alles einfällt, und auch mit "Gscheid gfreid", ihrem mittlerweile fünften Programm, verlässt sie die ausgetrampelten Pfade des Humors und geht sicheren Schrittes querfeldein. Die mit zahlreichen Kabarettpreisen ausgezeichnete Oberbayerin wirft unmögliche Fragen auf, wie zum Beispiel: Findet man eine Chamäleonwurst im Kühlschrank wieder? Oder leben dünne Menschen länger, weil sie bei einer Schießerei nicht so leicht getroffen werden? Oder erzählt von ihren Kindern, dem Ehemann, der eine Landwirtschaft betreibt und der Schwiegermutter, die mit 90 Jahren nochmals den Hausarzt wechseln muss.
Es war ein wunderbarer Abend voller kluger Gedanken, schräger Geschichten und bisher ungesungener Lieder und so war es auch kein Wunder, dass die Besucher beim Heimgehen ehrlich zum Ergebnis kamen: "Heit hammer uns ober g'scheid g'freid!"


Interview

Martina Schwarzmann (38) wuchs in einem landwirtschaftlichen Betrieb im oberbayerischen Dorf Überacker im Landkreis Fürstenfeldbruck auf. Nach dem Hauptschulabschluss begann sie im Alter von 15 Jahren eine Ausbildung zur Köchin im Bayerischen Hof in München. Danach arbeitete sie 1997 ein halbes Jahr in einem Schweizer Hotel. Ihren Beruf übte sie acht Jahre lang aus, bevor sie sich ganz der Bühnentätigkeit widmete.

Bayerische Rundschau: Frau Schwarzmann, in welchem Alter haben Sie sich für die Kabarettbühne entschieden?
Martina Schwarzmann: Meinen ersten offiziellen Auftritt hatte ich mit 19 Jahren, aber ich bin vorher auch schon bei verschiedenen Anlässen und Feiern aufgetreten. Ich habe als Kind mit fünf Jahren schon gemerkt, dass mir sowas liegt.

Wann gelang dann der Durchbruch?
Bis ich 23 Jahre alt war habe ich als Köchin gearbeitet, aber dann hatte ich so viele Auftritte, dass mein Jahresurlaub nicht mehr gereicht hat und seit diesem Zeitpunkt mache ich das Kabarett hauptberuflich.

Der Erfolg war gleich da?
Ja, ich hatte nach den Aufritten immer eine gute Reaktion, obwohl es für mich am Anfang eine Überwindung war, auf die Bühne zu gehen, denn ich bin nicht von Grund auf der Typ, der sich gerne vorne hinstellt.

Wie ist der Titel "Gscheid gfreid" entstanden?
Es ist eine Geschichte, die ich erst in 30 Jahren erzählen kann. Es war jedenfalls ein unfassbarer Auftritt mit sämtlichen Katastrophen. Darüber kann ich erst sprechen, wenn alle Betroffenen und Beteiligten verstorben sind.

Sie sind nicht nur in Bayern unterwegs, oder?
Meine Auftritte reichen bis Hamburg, Österreich und in die Schweiz. Im Schnitt habe ich in einer Woche zwei Auftritte.

Wie finden Sie die Ideen für Ihr Programm?
Die Inspiration ist immer das Leben selbst. Die Politik interessiert mich dabei überhaupt nicht. Ich habe keine Lust, mich mit Politikern zu beschäftigen. Dafür habe ich auch keine Zeit, denn man muss drei Zeitungen lesen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben.

Ist eine eigene Fernsehshow denkbar?
Nein, denn man muss das Programm mit vielen Leuten absprechen und ich bin gern mein eigener Chef.

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