Rothwind
Jubiläum

Gruselige Einsätze und eine ungewöhnliche Freundschaft

Die Feuerwehr Rothwind- Fassoldshof feiert ihr 140-jähriges Bestehen. Wir erinnern an gruselige Einsätze und eine ungewöhnliche Freundschaft.
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Zwei Atemschutzgeräteträger bei einer Übung. Das Wasser ihres Strahlrohrs soll die Feuerwehrleute im Ernstfall beim Vorgehen und während des Rettens in einem brennenden Gebäude sichern. Foto: Stephan Stöckel.
Zwei Atemschutzgeräteträger bei einer Übung. Das Wasser ihres Strahlrohrs soll die Feuerwehrleute im Ernstfall beim Vorgehen und während des Rettens in einem brennenden Gebäude sichern. Foto: Stephan Stöckel.
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Es war ein lauer Sommerabend im Jahre 2009. Einer, der Feuerwehrmann Stefan Friedrich für immer in Erinnerung bleiben wird. "Sogar die Uhrzeit der Alarmierung hat sich in mein Gehirn eingebrannt: 22.17 Uhr. Ich saß gerade auf dem Balkon, als ich zum Einsatz gerufen wurde", erinnert sich der Vorsitzende der Feuerwehr Rothwind-Fassoldshof. Einem nicht alltäglichen.


Selbstmord auf den Gleisen


Am Bahnübergang bei der Rothwinder Mühle hatte sich ein junger Mann auf die Bahngleise gestellt. "Der anbrausende Regionalzug schleifte den Selbstmörder 200 bis 300 Meter mit. Der Körper war regelrecht zerfetzt", denkt Kommandant Jochen Schneider mit Grausen zurück.

Und erzählt weiter: "Wir mussten damals gemeinsam mit dem THW den Ort des Geschehens ausleuchten und Leichenteile suchen und markieren, die dann vom Leichenbestatter eingesammelt wurden." Eine Arbeit, die ihm an
die Nieren gegangen sei und sich tief in sein Gedächtnis eingegraben habe. "Wenn ich heute einen Zug laut hupen höre, muss ich immer an diesen Einsatz denken."

Das Leben eines Feuerwehrkameraden besteht aber nicht nur aus traurigen, sondern auch aus freudigen Ereignissen. Ein solches steht am 13. und 14. August bevor: Ein Wochenende lang feiert die Feuerwehr Rothwind-Fassoldshof ihr 140-jähriges Bestehen.


Großes Aufgabengebiet


Das Aufgabengebiet der Floriansjünger ist groß. Es reicht vom Brandschutz über die technische Hilfeleistung bei Unfällen und dem Beseitigen von Ölspuren bis hin zum Hochwasserschutz und der Verkehrsabsicherung. Es stellt die Frauen und Männer einer Wehr vor nicht immer leichten und mitunter auch gefährlichen Situationen. Was treibt die beiden Feuerwehrmänner an, die das gute Klima und die Kameradschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr Rothwind-Fassoldshof schätzen, sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen? "Ich möchte Menschenleben retten", bringt es Friedrich (51) auf den Punkt. "Das ist das Helfersyndrom, das in uns wohnt", pflichtet ihm sein Freund Schneider (45) zu.

Jeder Einsatz verläuft anders und stellt die Aktiven einer Wehr vor immer neue Herausforderungen. "Man weiß nie zu welcher Uhrzeit etwas passiert, was uns erwartet und ob wir gesund wieder nach Hause kommen", sagt Friedrich. Ein Brand, der den Feuerwehrleuten alles abverlangte, ereignete sich am 24. Juli 2001. Eine Scheune und der Dachstuhl eines Stalls neben dem Feuerwehrgerätehaus hatten um die Mittagszeit herum Feuer gefangen. "Die gewaltige Feuerdruckwelle ließ an den Nachbarhäusern Fenster zerspringen und brachte Rollos zum Schmelzen. Es herrschte eine Riesenhitze", schildert Friedrich das Schreckensszenario. Durch einen gezielten Löschangriff, der sich bis weit in die Nacht hinein gezogen hatte, konnte ein Überspringen des Feuers auf andere Häuser verhindert werden.


Autos vom Chemiegiganten Bayer


Neben einer guten Mannschaft, braucht eine Feuerwehr auch eine gute Ausrüstung. Dafür sorgte einst - man glaubt es kaum - der Chemiegigant Bayer aus Leverkusen, der für seine Kopfschmerztabletten Aspirin weltberühmt ist. Insgesamt zwei Feuerwehrfahrzeuge spendierte die Firma den oberfränkischen Floriansjüngern.

Wie es zu der ungewöhnlichen Freundschaft kam, verrät ein Blick in die Chronik des Vereins: "Am 16., 17. und 18. Juni 1978 war die Feuerwehr zu einem Reiterfest nach Leverkusen eingeladen, dessen Gastgeber die Jagdpächter waren. 21 Wehrmänner folgten der Einladung und halfen, das Leverkusener Reiterfest auszugestalten. Bei der Gelegenheit konnten die Feuerwehreinrichtungen des Bayer Werks besichtigt werden."

Daraus entstand eine jahrzehntelang Freundschaft, die erst nach dem überraschenden Tod von Manfred Brachtendorf, dem Chef der Werksfeuerwehr von Bayer, vor ein paar Jahren endete. Fotos von Brachtendorf und von Professor Eberhard Weise, dem ehemaligen Werksleiter der Firma Bayer, an der Wand des Feuerwehrgerätehauses in Rothwind zeugen von der Nord-Süd-Verbindung. Welche Eindrücke hat Schneider von seinen Besuchen in Leverkusen mitgenommen? "Bei der Werksfeuerwehr eines großen Chemieunternehmens herrschen ganz andere Dimensionen wie bei einer Dorffeuerwehr. Die Förderleistung einer Pumpe bei Bayer beträgt 3200 Liter in der Minute, bei uns sind 1600 Liter normal."


Digitalfunk statt Horn


Die Zeiten, als noch ein Floriansjünger mit einem Horn auf seinem Fahrrad zum Alarm geblasen hatte, sind längst vorbei. Heute wird in Rothwind und Fassoldshof per Digitalfunk alarmiert. Doch was nützt die beste Alarmierung, wenn an einem Werktag die Feuerwehrleute auswärts arbeiten? "Das ist für viele Wehren ein Problem", gibt Schneider unumwunden zu. "In Rothwind und Fassoldshof ist es noch nicht so akut, da wir in unseren Reihen viele Landwirte, selbständige Handwerker und Schichtarbeiter haben." Die Bildung von Alarmierungseinheiten, wie sie im Nachbarlandkreis Lichtenfels praktiziert wird, begrüßt er: "Ein Fahrzeug mit Leuten aus unterschiedlichen Orten zu bestücken, ist ein Weg, um schlagkräftig ausrücken zu können."

Aber noch viel wichtiger ist ihm die Nachwuchsgewinnung: "Nachwuchs kann man nie genug haben." Derzeit ist nur ein Jugendlicher bei der Freiwilligen Feuerwehr Rothwind-Fassoldshof. Angst und bange um die Zukunft der Wehr ist den Floriansjüngern aus dem Mainleuser Land nicht. Gerätewart Tobias Kraus spricht allen aus der Seele, als er feststellt: "Solange wir, was den Mannschaftsstand anbetrifft, so gut aufgestellt sind wie jetzt, mache ich mir keine Gedanken um die Zukunft. Außerdem hoffe ich, dass uns das Neubaugebiet mit seinen jungen Familien junge Floriansjünger beschert."



Aus den Anfangstagen der Wehr


Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rothwind-Fassoldshof erfolgte im Jahre 1876. Aus dieser Zeit sind noch Rechnungsbelege vorhanden. Eine spätere Eintragung im Protokollbuch weist auf das Gründungsjahr hin. 1882 gehörten der Vorstandschaft folgende elf Mitglieder an: Vorsitzender Christof Schirmer, Hauptmann Johann Müller, Adjudant Adam Hacker, Kassier Johann Herbst, Zeugwart Karl Gattermeier, Spritzenführer Johann Opel, Obersteiger Johann Hahn, und Rottenführer Peter Oswald sowie die Ausschussmitglieder Christof Angermann, Johann Stößlein und ein gewisser Schmidt, dessen Vorname in der Chronik nicht erwähnt ist. Christof Schirmer war bis 1911 Vorstand.

Der Vorstand im Jubiläumsjahr: Vorsitzender Stefan Friedrich, Stellvertreter Klaus Ramming, Kommandant Jochen Schneider, Stellvertreter Guido Piskol, Kassier Thomas Aumüller, Schriftführer Klaus Ramming, Gerätewart Tobias Kraus. Gruppenführer sind Guido Piskol und Dieter Wagner.


So wird gefeiert


Am Samstag, 13. August, beginnen die Jubiläumsfeierlichkeiten um 18 Uhr mit einem Festzug in Rothwind. Teffpunkt ist am Festplatz beim Kindergarten. Anschließend steigt der Festkommers im Feuerwehrgerätehaus am Rohrbach 6 in Rothwind sowie in zwei Festzelten am Feuerwehrgerätehaus. Für die musikalische Unterhaltung sorgt der Musikverein Mainroth. Tags darauf findet für die kleinen Besucher ein Kindernachmittag mit Schminken, Hüpfburg, Feuerwehrautofahren und dem Spielmobil des Landkreises Kulmbach statt.

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