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Kulmbach
Kultur

Großes Theater im Gerichtssaal

Mit "Der Krug is hie" präsentierte "Das Baumann" ein ernstes Thema in eine humorige, fränkische Szenerie verpackt. Gespielt wurde im Sitzungszimmer 17 des Kulmbacher Amtsgerichts.
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Richter Adam versucht, die Zeugin Eve Grill zu beeinflussen. Fotos: Uschi Prawitz
Richter Adam versucht, die Zeugin Eve Grill zu beeinflussen. Fotos: Uschi Prawitz
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Schandtat, Lüge und Rechtsbeugung: im Sitzungssaal 17 des Kulmbacher Amtsgerichts bot sich am Mittwochabend ein ganz anderes Schauspiel. "Der Krug is hie", heißt das neue Theaterstück von Rüdiger Baumann, das er anlässlich der "Woche der Justiz" in sein Repertoire aufgenommen hat.

Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner freut sich, den Sitzungssaal für Strafsachen einmal auf diese Weise genutzt zu sehen: "So geht es aber sonst bei uns nicht zu", scherzt der Amtsleiter, der die Räumlichkeiten zum ersten Mal für eine kulturelle Veranstaltung geöffnet hat. "Die Woche der Justiz ist eine landesweite Veranstaltung, in der wir auch mit einem Tag der Offenen Türe das Verständnis für unsere Arbeit in der Öffentlichkeit fördern wollen."

Rüdiger Baumann fand das bekannte Werk von Heinrich von Kleist ("Der zerbrochene Krug") äußerst passend für diesen Anlass, verlegte es kurzer Hand in
die fränkische Heimat Kulmbach und machte daraus ein humorvolles Mundartstück. Der Krug als Namensgeber des Stücks spielt dabei jedoch nur eine relativ untergeordnete Rolle und dient allenfalls dazu, die Machenschaften des Richters Adam ans Tageslicht zu bringen, der es mit Recht und Ordnung nicht so genau nimmt.

Er sieht sich nämlich plötzlich damit konfrontiert, über seine eigene Schandtat Gericht halten zu müssen und setzt alles daran, die Schuld von sich auf einen anderen abzuwälzen. Doch die Gerichtsprüferin aus Bayreuth macht ihm einen Strich durch die Rechnung und bringt ihn zur Strecke.

Richter Adam, äußerst eindrucksvoll und glaubwürdig von Frank "Frecko" Schott gemimt, steht in diesem Stück für ein ganzes System, in dem es krankt, er steht für die falsche Moral, für Intrigen und Gewalt.

Christian Schidlowsky, den Rüdiger Baumann als Regisseur des Stücks eigens aus Nürnberg importiert hat, ist begeistert von der Leistung der Darsteller. "Die Schauspieler der Gruppe sind unglaublich engagiert und begabt", sagt der Regisseur, der sich selbst gerne von der Kreativität seiner Akteure überraschen lässt. "Ein Schauspieler, der etwas aus seiner Fantasie mit erschafft, hat auf der Bühne eine andere Hingabe", ist Schidlowsky überzeugt.
Vor Jahren haben er und Rüdiger Baumann sich bei einem Theaterworkshop kennen gelernt, aber diese Inszenierung ist ihre erste wirkliche Zusammenarbeit. "Und ich freue mich schon darauf, mit dem Baumann irgendwann wieder etwas zu inszenieren", sagt Christian Schidlowsky.


Weitere Aufführungen

Termine
4. Juli, 20 Uhr, Spielplatz Langenstadt; 5. Juli, 20 Uhr, Dorflinde Peesten; 13. Juli, 17.30 Uhr Schafstall Oberdornlach; 2. August, 19 Uhr, Lindenallee Himmelkron

Karten für alle Aufführungen gibt es unter 09221/93393.
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