Trebgast
Musik

Großartige Kombination zur Trebgaster Kirchweih

Matthias Schluhbeck und Isabel Moretón begeisterten mit Panflöte und Harfe bei ihrem Kirchweihkonzert im Trebgaster Gotteshaus.
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Ein außergewöhnliches Team: Harfenistin Isabel Moretón und Pan-Flötist Matthias Schlubeck begeisterten beim Kirchweihkonzert in der St. Johannes-Kirche. Foto: Dieter Hübner
Ein außergewöhnliches Team: Harfenistin Isabel Moretón und Pan-Flötist Matthias Schlubeck begeisterten beim Kirchweihkonzert in der St. Johannes-Kirche. Foto: Dieter Hübner
In eine ganz andere Konzertwelt entführten Matthias Schluhbeck und Isabel Moretón die Besucher des Kirchweihkonzerts in der St.-Johannes-Kirche. Beide nahmen das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise, die im Barock begann und in der Neuzeit endete. "Wir hatten bei den Kirchweihkonzerten ja schon immer besondere Instrumente, seien es Alphörner oder Dudelsäcke, zu Gast. Heute sind es die Panflöte und die Harfe, eines der ältesten Musikinstrumente überhaupt", sagte Pfarrer Peter Ahrens in seiner Begrüßung.

Es war ein Konzert mit einer besonderen Note. Musik mit natürlichen Instrumenten, die zur Entschleunigung und Harmonisierung beitrugen. Momente der Ruhe - wünschen wir uns die nicht alle? Da fällt es auch ohne einen bequemeren Wohnzimmersessel ganz leicht, sich zurückzulehnen, echter Musik mit richtigen Instrumenten zu lauschen.
Das klingt wie tausend zu eins im Vergleich zu den vielen Melodien vom Band oder Computer. Musik für die Seele und für das Ohr.


Meditativ und feurig


Die beiden Künstler boten ein anspruchsvolles Programm mit teils bekannten Stücken vom 16. bis zum 20.Jahrhundert der Musikgeschichte. Ruhige, meditative Melodien wie zu Beginn "Flow My Tears" von John Dawland waren ebenso zu hören wie das ungarisch-feurige "Csárdás", die vermutlich bekannteste Komposition des Italieners Vittorio Monti.

Dazwischen fröhliche, virtuose Stücke, wie der dritte Satz aus der "Sonate in F-Dur" von Georg Philipp Telemann. Und Gesangsstücke wie der berühmte Ohrwurm "Lascia ch'io pianga" aus der Oper "Rinaldo" von Georg Friedrich Händel. "Après un rêve", das als Gabriel Faurés populärstes Lied gilt, schildert das Erwachen nach einem tiefen Schlaf und verliebten Träumen. Eine wundervolle, melancholische kleine Elegie.

"Bei berühmten Stücken ist es ja oft so, dass man nie den ganzen Titel nennen muss", kündigte Matthias Schlubeck das Air aus der Suite Nr. 3 D-Dur von Johann Sebastian Bach (BWV 1068) an, das zu den bekanntesten Einzelsätzen der klassischen Musik gehört. Das Harfensolo "Chanson dans la Nuit" von Carlos Salzedo passte wunderbar zur aktuellen Wetterlage. Es beschreibt die Atmosphäre eines heißen Sommerabends am Meer, das Wasser plätschert, Menschen tanzen um ein Lagerfeuer.


Kraftvolle Töne


Zum Schluss die "Méditation aus "Thaïs", einer Oper von Jules Massenet, eine wunderschöne, sentimentale Melodie, die sich einen festen Platz im Konzertleben erobert hat. Mit der Zugabe "Rêverie d'espérance" von Jean-Claude Mara demonstrierte Schlubeck nicht nur den Unterschied der südamerikanischen zur rumänischen Panflöte, sondern erfrischend kraftvolle Töne, die das gesamte Kirchenschiff erfüllten.

Originalstücke für diese Besetzung fehlen im Programm. Matthias Schlubeck begründet das damit, dass die Komponisten der damaligen Zeit die Panflöte entweder gar nicht kannten oder sie als ein primitives Instrument einstuften, das aus fünf bis sieben Röhren bestand, an Querstreben zusammengebunden. Sie konnten sich nicht vorstellen, dafür anspruchsvolle Musik zu komponieren. Mit einer Ausnahme: Wolfgang Amadeus Mozart muss die Panflöte gekannt haben. Und er hat ein äußerst virtuoses Stück komponiert: Den Papageno in der "Zauberflöte". "Diese Passage wird heute in den Orchestern leider ganz oft mit der Querflöte ersetzt. Deswegen drehen wir das heute mal um", kündigte Schlubeck das "Andante in C" an.


Die größte Flöte überhaupt


Durch seine Virtuosität werden die von Matthias Schlubeck benutzte Alt- und die Tenor-Panflöte, früher eher folkloristisch eingesetzt, zu herrlichen klassischen Konzertinstrumenten. Das ist umso bewundernswerter, als der Künstler ohne Unterarme, Hände und Füße zur Welt gekommen ist. Einmal ließ der Meisterschüler von Gheorghe Zamfir sogar eine Kontrabass-Panflöte erklingen. "Das ist die größte Flöte, auf der man noch einigermaßen vernünftige Musik machen kann."

Zwischen den einzelnen Vorträgen erfuhren die Zuhörer immer wieder Wissenswertes über die beiden Instrumente. Zum Beispiel, dass die Panflöte in Westeuropa eigentlich erst in den Siebzigerjahren durch Gheorghe Zamfir mit dem Werk "Einsamer Hirte" bekannt geworden ist, das James Last für sein 1977 veröffentlichtes Album "Russland Erinnerungen" komponierte.


Enorme Fingerfertigkeit


Oder, wie man beim Spielen durch das Abdecken der Röhrenöffnung mit der Unterlippe die fehlenden Halbtöne ergänzt. Jede der standardmäßig 22 bis 27 seitlich angeschliffenen und miteinander verleimten Röhren ist so stufenlos nach unten regelbar.

Isabel Moretón setzte ihre große, elegante Konzert-, oder Doppelpedal-Harfe aus Fichtenholz mit Perfektion in Szene. Diese Pedalmechanik in ihrer heutigen Form wird seit 1810 eingesetzt. Jede der 46 oder 47 Saiten erzeugt mit dem Einsatz der Pedale einen anderen Ton. Mit den Händen der Künstlerin ergibt das ein warmes, samtiges, feines Klangbild.

Dieses außergewöhnliche Konzert hätte mehr Besucher verdient gehabt. Klassik-Fans, die nicht da waren, haben wirklich etwas versäumt.
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