Laden...
Himmelkron
Aktion

Gewerkschaft macht gegen Werkverträge mobil

Am Mittwoch, 7. Oktober, ist internationaler Tag gegen prekäre Beschäftigung. Auch im Landkreis Kulmbach machte die IG Metall auf das Thema aufmerksam - bei den Firmen Mann + Hummel in Himmelkron und Glen Dimplex in Kulmbach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Betriebsratsvorsitzender Peter Föttinger (Zweiter von links) und dessen Stellvertreter Stephan Zeitler (links) von der Firma Mann und Hummel in Himmelkron verteilten gestern Informations-Broschüren zum Thema Werkverträge. Foto: Jürgen Gärtner
Betriebsratsvorsitzender Peter Föttinger (Zweiter von links) und dessen Stellvertreter Stephan Zeitler (links) von der Firma Mann und Hummel in Himmelkron verteilten gestern Informations-Broschüren zum Thema Werkverträge. Foto: Jürgen Gärtner
+3 Bilder
340 Beschäftigte zählt der Filter-Hersteller Mann + Hummel in Himmelkron. Davon ist etwa jeder Fünfte ein Leiharbeiter, sagt Betriebsratsvorsitzender Peter Föttinger. Am Mittwoch, dem internationalen Tag gegen prekäre Beschäftigung, sprach er mit der Presse über dieses Thema und informierte die Mitarbeiter mit einer Faltblatt-Aktion über den zunehmenden Missbrauch von Werkverträgen.

"Der Betriebsrat setzt sich stark dafür ein, Leiharbeiter auch zu übernehmen", erklärte Föttinger. Mit Erfolg. "Heuer ist das schon bei 24 Personen geglückt." Der Gewerkschaftler hofft, dass diese Zahl bis Jahresende noch auf 30 steigen wird.


Fachkräfte schwer zu finden

"In unserer Branche ist Leiharbeit üblich", so Föttinger. Das liege mit daran, dass es inzwischen schwer sei, qualifiziertes Personal zu bekommen.
Werkverträge, mit denen ganze Aufgabengebiete ausgelagert werden, seien dagegen bei Mann und Hummel kein Thema.

Das unterstreicht der Pressesprecher der Unternehmensgruppe, Patrick Löffel: "Ein Missbrauch von Werkverträgen, der dazu dient, Tarifverträge zu unterlaufen, ist nicht akzeptabel. Das gibt es bei Mann und Hummel nicht, Werkverträge spielen bei uns keine Rolle.

Unsere Mitarbeiter haben seit der Wirtschafts- und Finanzkrise von kräftigen Tariferhöhungen und entsprechenden Sonderprämien profitiert."


Freiwilliges Aufstockungsmodell

Die Leiharbeitsquote bei Mann und Hummel liege im weltweiten Durchschnitt bei etwa acht Prozent. Bei den Mitarbeitern in Deutschland sei sie deutlich niedriger. "Wir bieten Leiharbeitern ein freiwilliges Aufstockungsmodell, das ihren Bruttolohn deutlich verbessert. Damit wollen wir qualifizierte Leiharbeiter gewinnen, die für eine spätere Festanstellung in Frage kommen", betont Löffel.

"Wir erklären uns solidarisch und haben deshalb die Flyer der Gewerkschaft zu den Werkverträgen in unserer Belegschaft verteilt", erklärt der Betriebsratsvorsitzende von Glen Dimplex Deutschland, Michael Müller. So soll auf die prekären Verhältnisse der Menschen aufmerksam gemacht werden, die über Werkverträge beschäftigt werden. Bei Glen Dimplex sei das allerdings kein heißes Eisen. "Bei uns werden Werkverträge oder Leiharbeiter nur bei Produktionsspitzen genutzt."

Von der Geschäftsführung bestätigt Personalleiter Carsten Kück, dass die Werkvertrags-Thematik bei Glen Dimplx keine große Rolle spielt. "Das betrifft eher die Großen."

Die IG Metall beklagt einen zunehmenden Missbrauch von Werkverträgen und macht deshalb Druck auf Politik und Arbeitgeber. Ziel ist es nach den Worten des Bevollmächtigten der IG Metall Ostoberfranken, Volker Seidel, "dass die Politik aufwacht und die Thematik aufgereift". Denn inzwischen würden mehr als zwei Drittel der Unternehmen im Zuständigkeitsbereich der IG Metall Aufgaben per Werkvertrag auslagern.

"Faire Arbeit für alle und mehr Mitbestimmung" will die Gewerkschaft erreichen. IG-Metall-Vertrauensleute und Betriebsräte informierten in einer Vielzahl von Betrieben in Ostoberfranken auf die zunehmende Spaltung von Beschäftigtengruppen. Mit Flugblattaktionen in den Morgenstunden sei auf die prekäre Situation der Beschäftigen hingewiesen worden.

Die Gewerkschaft befürchtet einen Wettbewerb auf Kosten der Arbeitsbedingungen, denn die Beschäftigten in den Werkvertragsfirmen müssten meist zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiten. So würden Werkverträge zu einem Angriff auf faire Bezahlung - und auf die Mitbestimmung der Betriebsräte. Denn bei Werkverträge habe der Betriebsrat praktisch keinen Einfluss mehr.

Volker Seidel betont, dass es sich bei den Aktionen nicht um einen Warnstreik handelt, sondern lediglich um Informations-Veranstaltungen für die Mitarbeiter.

Verteilaktionen in der Region fanden laut Gewerkschaft statt bei: ABM Marktredwitz, Frankenwälder Münchberg, Glen Dimplex Deutschland, Kulmbach, Kennametal Mistelgau, KSB Pegnitz, Klubert+Schmidt, Pottenstein, M+H Himmelkron, SDW Röslau, Wilo Hof und ZF Bayreuth.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren