Kulmbach
Gericht

Gewehrt, aber nicht getreten

Der Täter konnte nicht eindeutig überführt werden. Deshalb wurde das Verfahren um eine Schlägerei bei der Beach-Party in Wartenfels eingestellt.
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Wer hat dem Opfer auf der Beach-Party in Wartenfels gegen den Kopf getreten? Das konnte das Kulmbacher Amtsgericht nicht zweifelsfrei klären. Symbolbild: Archiv/Gärtner
Wer hat dem Opfer auf der Beach-Party in Wartenfels gegen den Kopf getreten? Das konnte das Kulmbacher Amtsgericht nicht zweifelsfrei klären. Symbolbild: Archiv/Gärtner
Manche Straftaten lassen sich einfach nicht mehr aufklären, da kann sich das Gericht noch so viel Mühe geben und noch so viele Zeugen laden. Die Fußtritte auf einen am Boden liegenden Mann bei der Beach-Party in Wartenfels Ende Mai dieses Jahres sind dafür ein gutes Beispiel. Der Angeklagte sagte, er war es nicht, der Geschädigte war sich "ziemlich sicher", dass es der Angeklagte war. Aber eben nur "ziemlich", selbst gesehen hat er es nicht. Also blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als das Verfahren einzustellen.
Die Vorwürfe waren heftig. Auf dem Weg zur Toilette am frühen Morgen gegen 1 Uhr gab es zunächst ein Wortgefecht zwischen dem 20-jährigen Angeklagten aus dem Landkreis Kulmbach und dem 19-jährigen Opfer aus dem Landkreis Hof. Grund dafür war, dass der eine den anderen angerempelt und dessen Cocktail verschüttet hatte. "Ich habe verlangt, dass er sich entschuldigt und einen ausgibt, so wie das üblich ist", sagte der Angeklagte. Doch stattdessen gab ein Wort das andere, bis plötzlich auch die Fäuste ins Spiel kamen, und der 19-Jährige zu Boden ging.
Bis dahin war die Schilderung der beiden Kontrahenten noch relativ ähnlich. Wer mit den Schlägen angefangen hatte, darüber gingen die Meinungen schon auseinander. Doch was war mit den Fußtritten? Laut Anklage soll der Stadtsteinacher den 19-Jährigen so heftig mit den Füßen gegen den Kopf getreten haben, dass der junge Mann sogar kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Eine Gehirnerschütterung, Gesichtsprellungen und erhebliche Schmerzen hatte das Opfer davongetragen, das wurde sogar ärztlich attestiert. Außerdem musste der junge Mann einen Tag im Krankenhaus verbringen. "Die Fußtritte waren durchaus geeignet, lebensgefährliche Verletzungen herbeizuführen", hieß es in der Anklage.
Doch der 20-Jährige aus Stadtsteinach schwor Stein und Bein, dass er es nicht war. "Ich habe ihn nicht getreten", sagte er. "So viel Verstand habe ich schon noch, dass ich nicht auf einen Menschen eintrete, der wehrlos am Boden liegt", so der Angeklagte. Gewehrt habe er sich zwar, aber nicht getreten. Außerdem sei er auch selbst verletzt worden, etwa durch einen Schlag seines Widersachers auf sein Kinn. Sogar Handy-Fotos vom Tattag konnte der Angeklagte dem Gericht zeigen, auf denen seine Verletzungen zu sehen waren.
Ganz anders klang die Aussage des Opfers: "Da hat mich der Angeklagte voll ins Gesicht getreten", sagte der 19-Jährige. Ob er denn auch gesehen habe, wer ihn getreten hat, wollte Richter Christoph Berner wissen. "Nicht genau", antwortete der junge Mann und diese Aussage sollte sich schließlich auch als Riesenproblem erweisen. Er sei sich "ziemlich sicher", dass es der Angeklagte war, "wer soll es denn sonst gewesen sein", sagte der Geschädigte. Nur aus dem Umstand, dass er vom Angeklagten geschubst wurde, hatte der Zeuge den Schluss gezogen, dass der Angeklagte ihn auch getreten hat.
Für eine Verurteilung reicht das natürlich niemals aus, und weil auch die anderen Zeugen, Freundinnen und Freunde der Kontrahenten, nichts Genaueres zum Tatgeschehen beitragen konnten, stellte Richter Berner das Verfahren kurzerhand ein.

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