Kulmbach

Geständnis nach der Bedenkzeit

Auf einem Ratschenschlüssel, mit dem bei einem Einbruch ein Fernseher zerstört wurde, fanden sich die Fingerabdrücke eines 21-Jährigen. Trotz der erdrückenden Beweislast leugnete der Angeklagte - allerdings nur am Anfang.
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Symbolfoto: Christopher Schulz
Symbolfoto: Christopher Schulz
Zwischen dem 2. und 3. August 2013 soll der 21-Jäherige in der Gartenhütte eines ehemaligen Bekannten in Marktschorgast eingebrochen haben. Von dort sollte er vier Gartenstühle und zwei Lautsprecher geklaut und außerdem mit einem Ratschenschlüssel einen Fernseher und zwei Playstation-Controller demoliert haben. Der Entwendungsschaden betrug 200 Euro, der Sachschaden 100 Euro. Angeklagt war der 21-Jährige wegen eines besonders schweren Falles von Diebstahls.
"Ich war's nicht", beteuerte der Angeklagte zunächst vor Gericht. Der 21-Jährige war ohne Anwalt gekommen, wollte sich auf nichts einlassen. Auch von der Tatsache, dass sich auf dem Ratschenschlüssel, mit dem der Fernseher eingeschlagen worden war, eindeutig seine Fingerabdrücke gefunden wurden, ließ sich der junge Mann nicht beeindrucken.

Freundschaft ging in die Brüche

Die Fingerabdrücke seien
schon früher auf den Schlüssel gekommen, behauptete er. Denn schließlich war er mit der Eigentümerfamilie der Gartenhütte befreundet gewesen und habe beim Umbau des Gartenhauses geholfen. "Wir waren eine ganze Clique", erzählte der Angeklagte. Doch dann ging die Freundschaft auseinander. Der Angeklagte erklärte es sich damit, dass er selbst mit Drogen erwischt worden war.
Der Leiter des Amtsgerichts Kulmbach, Christoph Berner, allerdings hielt dem Angeklagten vor, dass der Kläger behauptet, dass der Ratschenschlüssel gar nicht für den Umbau der Hütte verwendet worden war, sondern erst viel später dorthin gebracht worden sei.
Staatsanwalt Matthias Burkhardt erklärte, dass die zeitliche Einordnung nicht stimmen könnte. Denn natürlich kann DNA nicht mehr nach Jahren gefunden werden. Trotzdem blieb der Angeklagte zunächst bei seiner Version. Schließlich überlegte das Gericht, ob möglicherweise ein teueres Gutachten, das eindeutig über das Alter der DNA Aufschluss gibt, angefordert werden müsse.
Nach einer kurzen Beratungspause mit Stefan Fürst, dem Vertreter der Jugendgerichtshilfe, änderte der Angeklagte plötzlich sein Aussageverhalten. "Ich gebe zu, dass ich in die Hütte eingebrochen bin und dass ich den Fernseher eingeschlagen habe. Aber ich habe nichts geklaut. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nichts geklaut", erklärte der Angeklagte. Er gab aber zu, dass er immer noch wütend gewesen sei, weil die Freundschaft zerbrochen ist.

Geldstrafe für Sachbeschädigung

Da der Diebstahl nicht nachweisbar war, stellte das Gericht schließlich das Verfahren wegen Diebstahls ein. Eine Verurteilung gab es für den 21-Jährigen aber trotzdem, und zwar wegen Sachbeschädigung. Dafür kassierte er eine Geldstrafe von 300 Euro zugunsten der sozialen Trainingsmaßnahmen der Caritas. Der Angeklagte wurde nach dem Jugendstrafrecht verurteilt, weil erhebliche Reifeverzögerungen festgestellt wurden. Staatsanwalt Matthias Burkhardt hatte für 50 Arbeitsstunden plädiert.
Jugendrichter Christoph Berner verhängte jedoch eine Geldstrafe, um die Lehre, die der Angeklagte begonnen hat, nicht zu gefährden. Denn der Angeklagte unternimmt bereits den vierten Versuch, einen Beruf zu erlernen.

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