Neudrossenfeld
Kunst

Geflüchtete lassen tief blicken

Durch die Sprache der Bilder zeigen Flüchtlinge bei einem betreuten Projekt, was sich in ihren Gedanken abspielt.
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Iman Ali hat seine Gedanken auf die Leinwand gemalt. Fotos: Horst Wunner
Iman Ali hat seine Gedanken auf die Leinwand gemalt. Fotos: Horst Wunner
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Sie haben Schlimmes erlebt, waren auf der Flucht, kamen nach vielen Umwegen im Landkreis Kulmbach an, wo sie eine neue Heimat gefunden haben und sich integrieren wollen. Und dazu hatte die Künstlervereinigung "focus europa" mit Sitz in Neudrossenfeld eine Idee: Zusammen mit dem Landkreis Kulmbach hat man ein Kunst- und Sprachprojekt gestartet und fünf Wochen gemeinsam gearbeitet. Das Ergebnis war in der Galerie im Eishaus des Bräuwercks zu sehen.

60 Unikate hatte die Vereinigung ausgestellt: Gemalt, geschnitzt und in Keramik - in den Techniken Acryl, Aquarell und Kalligrafie. Die 42 Flüchtlinge aus Afghanistan, Aserbaidschan, Eritrea, Iran, Irak und Syrien haben unter Anleitung von Profis kleine Kunstwerke geschaffen.

Von Landschaftsbildern und farbenfroher expressionistischer Pracht bis zum einfachsten Ausdruck der Gefühle.
In den Werken kann man alles lesen: Schmerz, Verzweiflung über Verlorenes, Furcht, aber auch Trost, Hoffnung und Freude über das Ziel Deutschland. Alaa Shawaakh drückte das mit dem Zeichenstift so aus: "Deutschland, ein Land des Friedens".

Ein Stück entfernt steht das Bild von Iman Ali mit dem Titel: "Ich bin alleine und vermisse meine Kinder". Der 23-Jährige hat trotz der gelungenen Flucht aus Pakistan bis nach Wirsberg ein Stück Traurigkeit in den Augen, denn er musste die Familie zurücklassen. "Der Kurs hat mir geholfen, die Menschen hier besser zu verstehen, die Sprache besser zu lernen und ein Gefühl von Geborgenheit zu haben", sagte er. Stellvertretend für alle seiner Leidensgenossen sagte er mit einem Lächeln: "Danke für das Mitmachendürfen."


Ein Lächeln versteht jeder

Fremde Landschaften, Städteansichten, der nette Tiger und eine dreisprachige Kalligrafie mit den Worten "Alle Menschen lächeln in der gleichen Sprache" - der Fantasie der Hobbykünstler, von denen manche das erste Mal einen Pinsel in der Hand hielten, waren keine Grenzen gesetzt. Die Versteigerung von 20 Exponaten ließ die vielen Gäste tief in den Geldbeutel greifen. Es kamen 1100 Euro zusammen, die den Flüchtlingen zugute kommen. Die restlichen 40 Arbeiten sind ebenso schnell verkauft worden.

Zufrieden war focus-Vorsitzender Lutz Benno Kracke, der neue Netzwerke aufbauen konnte und durch die Kunst länderübergreifend Verbindungen herstellte: "Es war uns ein Anliegen, federführend mit dem Landratsamt und der Koordinatorin Heike Söllner der Sprache der Kunst ein Gesicht zu geben."

Bürgermeister Harald Hübner zitierte den Bürgerrechtler Martin Luther King: "Wir haben verlernt, wie Brüder zusammenzuleben." Zu seinem gewählten Zitat fügte er an: "In Neudrossenfeld haben wir das mit den Flüchtlingen widerlegt." Die jungen Leute hätten sich während ihrer Tätigkeit im Werkraum der Schule wohlgefühlt. Landrat Klaus Peter Söllner, der ebenfalls einige Bilder ersteigerte, nannte "lingoArt for refugees" ein großartiges Projekt und Kracke einen "unglaublich kreativen Kopf". Er machte deutlich, dass der Landkreis von Anfang an den Weg beschritten habe, den Flüchtlingen ein anständiges Zuhause zu bieten. "Dieses Credo wollen wir beibehalten", sagte Söllner.


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