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Wonsees
Gedächtnistraining

Gedächtnistraining: Sie rasten und sie rosten nicht

Christa Preisberg leitet in Wonsees eine Seniorengruppe, die sich um ihre geistige Fitness kümmert. Das Gedächtnistraining ist anstrengend, oft aber auch lustig. Luise Wagner (75) findet, dass allein die Gemeinschaft ein Gewinn ist. Dass sie manchmal belächelt werden, stört die Teilnehmer nicht.
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Wo normalerweise der Gemeinderat Entscheidungen für die Gemeinde Wonsees trifft, findet das wöchentliche Gedächtnistraining unter der Leitung von Christa Preisberg (am Tischende rechts) statt. Foto: Werner Reißaus
Wo normalerweise der Gemeinderat Entscheidungen für die Gemeinde Wonsees trifft, findet das wöchentliche Gedächtnistraining unter der Leitung von Christa Preisberg (am Tischende rechts) statt. Foto: Werner Reißaus
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Sie sind ein lustiges Völkchen, die Mitglieder der Gedächtnistrainingsgruppe um Christa Preisberg, die sich bereits 200 Mal getroffen hat. Dieses Jubiläum wurde nun im Sitzungssaal des Rathauses mit Kaffee und Torte auch gebührend gefeiert.

Ähnlich wie man die Muskeln fit hält, kann man auch das Gehirn trainieren. Verbessert wird insbesondere das Arbeitsgedächtnis, das in direktem Zusammenhang mit der Intelligenz steht. Kopfrechnen, logische Kombinationsaufgaben und Merkfähigkeit lauten die Stichworte.

Auch Bewegung ist wichtig

Die Forscher wissen heute, dass auch Bewegung ein wichtiger Faktor ist, der zur geistigen Fitness beiträgt. Wer also regelmäßig aktiv ist, zum Beispiel Laufen oder Walken geht, kann das Risiko einer Demenz verringern. Denn Studien zeigen, dass körperlich fitte und geistig aktive Menschen seltener daran erkranken. Bewegung ist also Gehirnjogging im wahrsten Sinne des Wortes.

Wichtig bei allen Aktivitäten ist die Freude daran, und die spürt man bei der Gruppe um Christa Preisberg deutlich. Es ist aber kein Kaffee-Klatsch, der da regelmäßig im Rathauses stattfindet, doch die soziale Kommunikation ist gerade für Senioren wichtig. Christa Preisberg: "Sie freuen sich einfach, dass sie sich mal darüber unterhalten können, was es Neues im Dorf gibt."

Auslöser für das Gedächtnistraining in Wonsees war eine Aufforderung des Landrats: Klaus Peter Söllner hatte angeregt, mit Blick auf den demografischen Wandel für die ältere Generation in der Marktgemeinde etwas zu tun. Christa Preisberg: "Ich habe mir damals gesagt, alle reden und reden und nichts passiert. Warum soll man das nicht einfach in die Tat umsetzen."

Gesagt, getan, und nachdem Christa Preisberg von Haus auf ein geselliger Mensch ist, war die Gruppe schnell ins Leben gerufen - nicht zuletzt dank der Mithilfe des damaligen Bürgermeisters Günther Pfändner: "Das fand ich toll, dass sich die Gemeinde für uns stark gemacht hat. Wir fingen mit fünf, sechs Frauen an, inzwischen waren wir sogar 15. Ich freue mich über jede Woche, die wir hier sein können", so Christa Preisberg.
Jetzt wirft sie ein Doppelhauptwort in die Runde, und der jeweils Nächste muss dann alle vorher gehörte Wörter wiederholen. Für die letzte Teilnehmerin geht es dann um nicht weniger als 27 Wörter.

Ganz schön anstrengend, und immer klappt das natürlich nicht. Doch dann helfen alle zusammen. Das erste Doppelwort beim Besuch der BR war die "Amtsstube". Es mussten dann nach dem Alphabet weitere Begriffe folgen: "Amtsstube, Bürgermeister", "Amtsstube, Bürgermeister, Colaflasche", Amtsstube, Bürgermeiser, Colaflasche, Dammwild".

Auch Andreas Pöhner war gefragt. Der jüngste Bürgermeister im Landkreis entledigte sich seiner Aufgabe aber mit Bravour. Die Begriffe kamen wie aus dem Maschinengewehr: "Amtsstube, Bürgermeister, Colaflasche, Dammwild, Ententeich, Fensterbank, Gartenzaun, Haustür, Ingwer, Johannisbeergelee, Kartoffelsack, Lampenfieber, Mandelbaum, Nadelbaum, Ofenbank, Puderzucker, Quellwasser, Rosenblüte, Sahnepudding, Tischdecke, Unterrock."

Christa Preisberg überraschte ihre Damen dann mit einer Geburtstagstorte: "Danke, dass ihr 200 Mal durchgehalten habt." Ein Kompliment galt auch Bürgermeister Pöhner ("Er unterstützt uns, wo er kann. Er hat immer ein offenes Ohr für uns") und dessen Vorgänger Günther Pfändner.
Auch das Gemeindeoberhaupt freute sich, dass in Wonsees eine Seniorengruppe so aktiv ist: "Wer rastet, der rostet."

Manchmal werden die Frauen, die das Gedächtnistraining regelmäßig besuchen, etwas belächelt. Aber sie lassen sich davon nicht abhalten. Luise Wagner (75) bringt es auf den Punkt: "Ich habe lange gebraucht, bis ich endlich den Mut hatte, zur Gruppe zu gehen. Ich freue mich immer auf den Montag. Allein die Gemeinschaft ist was wert."

Maria Röhrlein (80) ist noch nicht lange dabei: "Meine Nachbarin hat mich mitgenommen und nachdem ich nicht aus Wonsees raus komme, bin ich dadurch auch ein wenig in die Gemeinschaft integriert. Wir haben sehr viel Spaß, aber wir tun auch was dafür."

Und Gabriele Meindel (74) ist seit einem Jahr dabei: "Ich habe gemerkt, dass das Gedächtnistraining einen fordert und deshalb bin ich dabei geblieben."

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