Bayreuth
Missbrauch

Fußballtrainer hortet Kinderpornos

Ein 39-Jähriger aus dem Landkreis Bayreuth wurde heute zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt. Der ehemalige Fußballtrainer und Jugendbetreuer hatte nicht nur mehrere hundert kinderpornografische Bilddateien gespeichert, sondern sich auch an Freunde seines Sohnes herangemacht.
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Foto: dpa
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Eigentlich waren es viele 1000 schmuddelige Bilder, die meisten davon im vielzitierten Graubereich. Zwei Terrabyte Speicherkapazität hatte die Festplatte, die der Mann in seinem Nachtkästchen aufbewahrte. "Waren darauf auch einschlägige Bilder?", wollte die Vorsitzende Richterin Andrea Deyerling wissen. "Massig", sagte der Kripobeamte, der vor genau einem Jahr die Hausdurchsuchung geleitet hatte.

Eindeutige Posen

Es sei auch "absolut nervig" gewesen, die selbstgebrannten CDs durchzusehen, die der Angeklagte auf dem Speicher aufbewahrte, so der Beamte. Selbst auf seinem I-Phone seien "ohne Ende" Bilder männlicher Kinder und Jugendlicher gewesen, manchmal spärlich bekleidet, viele nackt, einige in eindeutigen Posen und manchmal sogar mit eindeutigen sexuellen Handlungen. Von den vielen kinderpornographischen Fotos hatte die Polizei knapp 500 ausgewählt, die eindeutig verboten sind und sie zur Anklage gebracht.

Freunde des Sohnes angemacht

Doch damit nicht genug. Schwerer wog der Vorwurf, der Angeklagte habe sich mit Hilfe einschlägiger Chatforen an zwei jeweils zwölfjährige Freunde seines Stiefsohnes herangemacht und sie aufgefordert, ihm Bilder ihrer Geschlechtsorgane zu schicken. Davon machte er es auch abhängig, ob die Jungs seinen Stiefsohn treffen dürfen oder nicht. In vier Fällen war es sogar zu Übernachtungen im Haus des Angeklagten gekommen. Besonders dreist: Weil ihm einer der Jungs keine Bilder schicken wollte, mailte der Angeklagte dem Zwölfjährigen Bilder vom Geschlechtsteil des Freundes. Offenbar wollte er damit sagen: "Da ist doch gar nichts dabei."

Im Großen und Ganzen räumte der Angeklagte den Sachverhalt vor Gericht ein, versuchte zunächst jedoch, sich herauszureden. So will er sich einen James-Bond-Film heruntergeladen haben, und praktisch als Bonus sei ein Datenpaket mit entsprechenden Bildern automatisch mitgeschickt worden. Das gleiche sei mit einem Metallica-Album passiert, er habe es sich angeblich von einer russischen Plattform geladen und kinderpornographisches Material sei automatisch dabei gewesen. "Das ist ungefragt übermitteltes Bonusmaterial, das man nicht löschen kann", so der Angeklagte.

Erst als ihn die Richterin darauf aufmerksam machte, dass ja ein wesentlicher Teil der Bilder auf CDs, externen Festplatten und dem Handy gespeichert wurden und eben nicht auf der Festplatte, gab der Angeklagte klein bei und gestand, dass er zielgerichtet nach den Schmuddelbildern gesucht habe.

Bilder vom Geschlechtsteil

Ähnlich lief seine Verteidigungsstrategie im Hinblick auf die beiden Zwölfjährigen Jungs ab. Man habe sich im Chat über alles Mögliche geschrieben, als ihm einer der Jungs von einer Freundin berichtete, habe der Angeklagte angeblich wissen wollen, ob der Junge überhaupt schon so weit sei, nur deshalb habe er ihn aufgefordert, Bilder von seinem Geschlechtsteil zu machen. Erst nach geraumer Zeit wurde ihm der Unsinn seiner Aussage scheinbar bewusst und er räumte merklich blamiert ein: "Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte. Ich schäme mich in Grund in Boden."

Mit dem Urteil lag die Kammer nur geringfügig unter der Forderung von Staatsanwalt Matthias Burkhardt, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und wegen des Besitzes und der Weitergabe kinderpornographischer Schriften eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monate gefordert hatte. Verteidiger Hilmar Lampert aus Bayreuth plädierte auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Neben der Bewährungsstrafe setzte die Richterin unter anderem eine Geldauflage von 1300 Euro sowie eine therapeutische Begleitung fest. Der Angeklagte darf sich auf Jahre hinaus außerdem nicht mehr dort engagieren, wo Kinder und Jugendliche beteiligt sind. Bei seinem Fußballverein hatte er bereits kurz nach der Hausdurchsuchung alle Ämter niedergelegt.

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