Ködnitz
Tradition

Für die Ködnitzer Kerwa helfen alle mit

Die "Kengster Kerwa" versetzt den kleinen Ort am Weißen Main immer in den Ausnahmezustand. Alles ist auf den Beinen, Jung und Alt helfen zusammen.
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Im Hof der Familie Mösch binden die Ködnitzer Ortsmadla die Kränze für die Kerwa-Krüge der Ortsburschen. Alle helfen mit. Fotos: Werner Reißaus
Im Hof der Familie Mösch binden die Ködnitzer Ortsmadla die Kränze für die Kerwa-Krüge der Ortsburschen. Alle helfen mit. Fotos: Werner Reißaus
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Ein großer Aufwand ist erforderlich, um die Traditionsveranstaltung wieder zu einem Erfolg werden zu lassen. In diesem Jahr feiern die Ortsburschen und -madla zusammen mit dem TSV Ködnitz sogar ein kleines Jubiläum, denn vor genau 20 Jahren hatte sich der heutige TSV-Vorsitzende und Gemeinderat Holger Göhl mit einem kleinen "Häuflein" Gleichgesinnter entschlossen, eine richtige "Kerwa" auf die Beine zu stellen. Ein Fest, das von Jahr zu Jahr größer wurde.


Ausgraben und beerdigen

Die Kirchweih ist seit dem Mittelalter das jährliche Fest anlässlich der Wiederkehr des Tages, an dem ein Kirchengebäude geweiht wurde. Ködnitz hat gar kein Gotteshaus, aber in Franken ticken die Uhren ein wenig anders, und so wird vor allem in Nordbayern auch in Orten ohne Kirche eine "Kerwa" gefeiert, die in der Regel mehrere Tage dauert.
Je nach Ortschaft haben sich dabei verschiedene Bräuche durchgesetzt. So auch in Ködnitz, wo die "Kerwa" am Mittwochabend ausgegraben und am Montag wieder "beerdigt" wird.

Dazwischen geht es rund. Musik und Tanz sind angesagt, ein Höhepunkt ist dabei immer das Rumspielen der Ortsburschen und -madla, das wie am gestrigen Sonntagabend immer von zahlreichen Schaulustigen verfolgt wird.

Der demografische Wandel hat den Ködnitzer Organisatoren bislang noch keine Probleme bereitet, denn noch immer schaffen sie es, 13 bis 15 Tanzpaare zu gewinnen, die zwischen 14 und 25 Jahre alt sind.

Viele Handgriffe und Arbeiten sind für das Gelingen einer typisch fränkischen "Kerwa" notwendig. So treffen sich die Ortsmadla am Samstag für zwei, drei Stunden, um in liebevoller Kleinarbeit die Kränze für die Krüge ihrer Ortsburschen zu binden. Pünktlich um 10 Uhr machen sie sich im Hof der Familie Mösch ans Werk. Für die eine oder andere war das gar nicht so einfach, denn am Vorabend wurde im Zelt schon kräftig gefeiert. Aber Ausreden zählen nicht, wenn das Binden der Kränze angesagt ist. Da müssen alle ran. Das klappt auch, denn die Ortsmadla freuen sich auf diese Arbeit.

Die 25-jährige Arzthelferin im Klinikum, Lisa Mösch, leitet die Arbeiten. Sie freut sich, dass jedes Jahr Neue hinzukommen - so wie heuer Eva Hollweg. "Die Mädchen kommen aber in der Regel nicht auf uns zu, sondern wir müssen sie ansprechen. Wer konfirmiert hat, darf mitmachen." Lisa Mösch ist mit André Teufel und Christian Hauffe auch in diesem Jahr für die Gesamtorganisation zuständig.

Zwei bis drei Stunden dauert das Binden der Kränze. Bis auf die Spenden der Gärtnerei Nemmert werden Efeu und Buchs aus dem eigenen Garten mitgebracht. Aus dem Rest fertigen die Ortsmadla dann noch eine Deko fürs Kerwa-Zelt.


Mit dem Zeltaufbau geht's los

Die Arbeiten beginnen aber chon am Samstag vor der "Kerwa", nämlich mit dem Zeltaufbau. Lisa Mösch: "Da kümmern wir uns um die Brotzeit für die Helfer und um die Getränke für die Bar, die die Ortsmadla abwechselnd betreiben. Jeder hat irgendeinen Posten."

Eva Hollweg ist heuer das jüngste Orstmadla. Man sieht ihr die Freude an, endlich dabei sein zu dürfen: "Es macht voll Spaß. Ich war schon im letzten Jahr bei den Vorbereitungen dabei." Die 14-Jährige erhält denn auch ein Lob von Lisa Mösch: "Ihr Kranz schaut sehr gut aus."


"Es kommen immer Neue dazu"

Clarissa Wolfrum (21) kam durch ihren Freund, der in Ködnitz wohnt, zu den "Ortsmadla": "Ich bin schon im sechsten Jahr dabei. Es ist keine Verpflichtung für mich, man kann auch einmal aussetzen. Es kommen immer so ein, zwei Neue dazu, die auch wieder frischen Wind reinbringen. Es macht wirklich Spaß."

André Teufel (24) hat sich vor neun Jahren den Ortsburschen angeschlossen: "Das gehört in einer Dorfgemeinschaft einfach zur Tradition. Meine Aufgabe ist es, alles im Vorfeld der Kerwa zu managen und in die richtigen Bahnen zu lenken. Dazu gehören die Verpflichtungen der Musikkapellen, die vielen Bestellungen sowie das Antreiben zur Kerwa. Wir haben ein Team, aber zwei, drei Personen müssen vorausgehen."

Auf die Frage, ob es hin wieder auch "Knatsch" gibt, antwortet Teufel ehrlich: "Genug, aber das gehört doch dazu! Es sind aber nur banale Sachen wie das Aufräumen am Morgen, wenn um 9 Uhr ausgemacht ist und manche erst um 12 Uhr kommen. Wir haben ansonsten eine gute Gemeinschaft, und ich denke, dass es die nur in wenigen Ortschaften gibt. Wir sind das ganze Jahr zusammen und unternehmen auch einen Ausflug."


Die "doppelten" Ortsmadla

Eine Besonderheit gibt es noch bei der "Kengster Kerwa", denn mit Sandra Rohleder (20) und Saskia Eschenbacher (20) hat man zwei "doppelte Ortsmadla". Der Grund: Beide sind nur eine Woche später auch in Fölschnitz in gleicher Mission im Einsatz. Der Grund: Ihre Freunde gehören in dem Ortsteil zu den Kerwa-Burschen. Sandra Rohleder: "Das zieht sich schon über zwei Wochen. Ich habe deswegen auch Urlaub."

Was Saskia Eschenbacher besonders schön findet, ist das Rumspielen am Montag. "Das macht viel Spaß." Katharina Pöhlmann aus Mainleus (22), die gerade ihren Kranz fertiggestellt hat, stimmt zu. "Es ist natürlich auch anstrengend, aber es verbindet. Hier gibt es noch so eine richtige Dorfgemeinschaft."
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