Keine Frage: Hoderlein hatte deutlich weniger Anhänger als Seehofer zu gleichen Zeit, aber immerhin pilgerten rund 60 Franken mit schwenkenden Fahnen hinauf zur Plassenburg. Am Tor zur Burg machte man kurz Halt und Bezirksrat Wolfgang Hoderlein hieß dort alle Sympathisanten von Franken herzlich willkommen: "Ich freue mich, dass ihr zu der Wanderung gekommen seid und diese schwierige Bergetappe auch geschafft habt. Das ist eine Handlung mit großer Symbolik." Der "Tag der Franken" hätte es aber nach Hoderleins Ansicht verdient, die Plassenburg neben dem heute gültigen Symbol der bayerischen Staatsflagge auch die Frankenfahne zu hissen."

Dass die Polizei irgendwann in rot-weißen Uniformen ihren Dienst versehen, war freilich nur ein frommer Wunsch eines überzeugten Franken. Bezirksrat Wolfgang Hoderlein wies darauf hin, dass man sich zum "Tag der Franken" entschied, eine Bergwanderung mit leichtem Gepäck und mit einer phantasievollen Ausstattung zu machen. Diese Ausschreibung haben alle verstanden, weil wir der Meinung sind, dass dieses Gemäuer hier, dass seit ungefähr 900 Jahren in dieser oder jener Form hier an diesem Platz steht, und 700 Jahre rumstand, bevor irgendein Freistaat oder ein Königreich Bayern gesagt hat, es gehört zu ihm. Und weil diese 700 Jahre nicht bayerische Geschichte sowie die 200 Jahre bayerische Geschichte, beides ist wahr, irgendwo repräsentiert werden müsste, haben wir gesagt, wenn die Obrigkeit die Frankenfahne nicht hierher bringt herbringen lässt, dann bringen sie freie und phantasievolle Franken im Rahmen einer Wanderung daher und die Plassenburg freut sich, wenn diese Frankenfahne durch dieses Tor getragen wird."

Bezüglich des Verbotes, die Frankenfahne auf der Plassenburg zu hissen, warf Hoderlein einen Blick auf die Werbefahnen der Kulmbacher Brauerei gegenüber der Burkschänke und stellte fest: "Das sind auch keine Hoheitsfahnen genauso wenig wie die Frankenfahne. Da kann sich jetzt jeder seine eigenen Gedanken dazu machen." Oben auf der Burg wurde natürlich das Frankenlied angestimmt, freilich in abgewandelter Form: "O heil`ger Veit von Staffelstein, beschütze deine Franken und jag` die Bayern au s dem Land! Wir wollen`s ewig danken. Wir wollen freie Franken sein und nicht der Bayern Knechte. O heil`ger Veit von Staffelstein, wir fordern uns`re Rechte." Und der Schlussvers lautete: "Wir woll`n nicht mehr geduldig sein, denn nach zweihundert Jahren, woll`n wir - es muss doch möglich sein - durch`s freie Franken fahren!" Und zwischendrin rief einer die "Fränkische Versammlung" aus und voller Stolz wurden die mitgebrachten Fahnen am Rondell der Burg hinunter in Richtung Marktplatz geschwenkt.

Als die Moderatorin des Bayerischen Fernsehen, Julia Hoffmann, Bezirksrat Wolfgang Hoderlein, die Frage stellte, ob er mit der Resonanz zufrieden sei, sagte dieser mit einem breiten fränkischen Brustton: "Also wenn selbst Franken begeistert sind, dann weiß ich nicht mehr, was man noch bieten soll. Ich bin begeistert, wir sind begeistert und das soll erst einmal in Franken schaffen." Zur Frage, dass die Aktion eine lange Geschichte hat und was letztlich der Sinn war, antwortete Hoderlein: "Einfach weil ich über Jahre versucht habe, etwas Vernünftiges zu tun, was gut begründet ist, nämlich am Tag der Franken zum Beschluss des Bayerischen Landtags zu bekennen, diesen Tag zu feiern und dazu gehören auch viele Symbole und dazu gehört auch, dass man eben eine Flagge hisst. Was liegt da näher, wir hissen diese Flagge an bayerischen Staatsgebäuden in Franken. Das tut aber die Bayerische Staatsregierung nicht und wenn sie sowas Unvernünftiges tut, dann kann das nur durch vernünftige Bürgerinnen und Bürger korrigiert werden und die sind heute da!"

Mit dem Blick auf das rot-weiße Fahnenmeer in der Innenstadt Kulmbachs am Hoderlein zu dem Ergebnis: "Die Fahenfabriken hatten in den letzten Tagen Lieferengpässe und diese Sache hat sich, wie man sieht, verselbständigt und das ist nicht jedem recht." Der Wirsberger Dieter Ludwig, auch ein bekennender Franke, wollte auf der Bühne am Marktplatz die "Fränkische Versammlung" ausrufen, aber dazu wurde ihm ein klares Verbot vom Bezirkstagspräsidenten Dr. Günther Denzler ausgesprochen. Ludwig: "Auch OB Schramm und Landrat Söllner waren informiert, dass ich nicht reden darf."

Nach einer knappen Stunde wurde die friedliche Bergwanderung mit den Frankenfahnen dann wieder aufgelöst.