Pölz
Wirtschaft

Freche Frühstückbrettchen made in Pölz

Freche, individuell gestaltete Frühstückbrettchen stellt die im Mainleuses Ortsteil Pölz beheimatete Firma Ricolor her.
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Das Schutzengel-Design ist kunterbunt, frech und witzig: Noch ist es nicht im Handel zu finden, aber bald, verrät der Frühstücksbrettchen-Produzent Thomas Mayr-Kiessling. Foto: Sonja Adam
Das Schutzengel-Design ist kunterbunt, frech und witzig: Noch ist es nicht im Handel zu finden, aber bald, verrät der Frühstücksbrettchen-Produzent Thomas Mayr-Kiessling. Foto: Sonja Adam
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Wenn sich Thomas Mayr-Kiessling eine frische Scheibe Brot mit Butter bestreichen will, dann legt er sie nicht auf einen Teller, sondern auf ein Frühstücksbrettchen. Und zwar auf ein ganz besonderes, eines, das in seinem Betrieb produziert worden ist. Mayr-Kiessling führt mit seiner Frau Claudia seit 1998 die Firma Ricolor MK-Haushaltswaren in Pölz, die sich auf die Herstellung eben dieser Frühstücksbrettchen spezialisiert hat. "Unsere Produkte erkennt man an der typischen Leinenstruktur auf der Rückseite", sagt er.


Aufstieg in Geschenkeläden geschafft


Diese Brettla sind heute längst nicht mehr nur in den Haushaltswarenabteilungen zu finden, sondern haben den Aufstieg in die Geschenkeläden und Buchhandlungen geschafft. Sie werden in Tourismusbüros und Souvenirgeschäften verkauft. Eigentlich überall.
Die flachen Teile sind nicht mehr nur mit Blumen oder Gemüse verziert, sondern mit coolen Sprüchen, frechen Designs. "Die Frühstücksbrettchen sind Werbung oder Mitbringsel. Sie sind ein echter Fun-Artikel", freut sich Mayr-Kiessling über den Trend.

Dass solche Brettchen in Pölz hergestellt werden, geht auf Eugen Ritter, einem Ingenieur der Junkers-Flugzeugwerke in Dessau zurück. Ritter führte erst Teller und Schalen in Holzmosaikoptik. Schon ein Jahr nach der Firmeneröffnung in Pölz weitete er die Produktpalette aus - sogar Skier wurden in Mainleus gefertigt. Und 1951 hat Ritter dann die Kunststoffverbundplatten entwickelt.


Von Mitarbeitern inspiriert


"Auf die Idee, aus diesen Platten Frühstücks- oder Brotzeitbrettchen zu machen, kam Eugen Ritter, als er die Arbeiter seiner Fabrik beobachtet hat", erzählt Mayr-Kiessling. Denn die nutzten die "Kunststoff-Abfälle", um ihre mitgebrachten Brote darauf zu verzehren.

Inzwischen wurden die beiden Produktionssparten Kunststoffplatten und Haushaltswaren getrennt. Derzeit steht das Mainleuser Unternehmen vor der größten Umstrukturierung seit Firmengründung. Denn Mayr-Kiessling verlagert die Produktion aus dem historischen Gebäude und baut die Halle nebenan komplett neu aus. Aktuell hat die Firma rund 20 Mitarbeiter. Und die fertigen Frühstücksbrettchen am laufenden Band. Zu Tausenden und Abertausenden. Einige Millionen Brettchen pro Jahr finden so den Weg in die ganze Welt.


Der Digitaldruck macht's möglich


"Bei der Produktion hat sich viel geändert. Der Digitaldruck macht das möglich", erklärt der Sohn des Geschäftsführer-Ehepaars, Florian Titze (36). Denn der Digitaldruck macht auch Mini-Auflagen möglich. Früher wurden die Brettchen im Offset-Verfahren bedruckt. Das hatte zur Folge, dass eine Mindestabnahmemenge von 24 000 Stück garantiert werden musste. Und das war für Werbezwecke natürlich zu teuer - zumindest für kleine Betriebe. "Inzwischen können wir aber sogar Einzelstücke herstellen", erklärt Mayr-Kiessling.

Seine Frau Claudia öffnet das Portal www.mein-brettchen.net. "Schaut mal, was sich da wieder jemand hat einfallen lassen", lacht sie über einen sehr provokativen Spruch. Viele lassen sich ihre Urlaubsbilder, Babyfotos oder Tierbilder auf die Brettchen bannen.

"90 Prozent unserer Brettchen haben die Standardgröße 23,5 mal 14,5 Zentimeter, aber es gibt auch größere oder kleinere Formate", erklärt der Firmenchef. Und die Motive sind ebenso vielfältig wie originell. Sogar Star Trek, Dschungelbuch und Comicfiguren sind dabei.

Manche Brettchen schauen aus wie Käse, manche werden als Werbeplattform genutzt. "Soein Brettchen schmeißt man nicht weg. Das ist dauerhaft in Gebrauch, oft jahrezehntelang", so Mayr-Kiessling.


Nur lebensmittelechte Farben im Einsatz


Die Drucke werden übrigens einfach mit einem Lötkolben auf harzbeschichteten Untergrund aufgebracht. Dann wird alles in Fremdproduktion zu einer sogenannten HPL-Schichtstoffplatte verpresst. Schließlich werden die riesigen Kunststoffplatten akkurat ausgesägt. Nach einer genauen Vorlage fräst eine Maschine die Ecken rund. Fertig sind die Frühstücksbrettchen.

Gearbeitet wird in Pölz nur mit lebensmittelechten Farben und Melaminharz. Natürlich sind die Produkte auch spülmaschinenfest. "Da werden große Testreihen gemacht - und die Brettchen werden bei 75 Grad zwei Stunden in der Spülmaschine getestet. Das halten die aus", so Mayr-Kiessling.

Die Brettchen aus Mainleus haben allerdings noch ein Geheimnis: " Sie sind gar nicht ganz flach", zeigt Mayr-Kiessling. Denn wenn dies der Fall wäre, würden sie sich beim Schneiden ständig drehen. Tun sie aber nicht, denn eine Seite ist leicht gewölbt.

Durch die Optimierung der Produktionsstätte möchte Mayr-Kiessling die Weichen für die Zukunft stellen. Er will noch mehr auf Digitaldruck und auf individuelle Fertigung auch in Kleinauflagen setzen. Und noch einen Traum haben die Mayr-Kiesslings: Irgend wann einmal Brettchen auch in anderen Formen zu fertigen - als Herz oder Kleeblatt. Im Juli jedenfalls soll die neue Produktionsstätte in Betrieb genommen werden.

Ein Blick in die Firmengeschichte


1947: Gründung der Firma "Gesellschaft für Werkstoff-Formung" durch den ehemaligen Produktionsleiter der Junkers-Flugzeugwerke in Dessau, Ingenieur Eugen Ritter. Einführung des Markennamens Ricolor. Erste Produkte sind Teller und Schalen in Holzmosaik und lackierte Schalen aus Edelholzfurnierabfällen.

1948: Ausdehnung der Produktionspalette: neben Backschüsseln werden auch Uhrengehäuse, Fußbodenplatten, Vielschichtenskier, Formholzbette, Autobussitze und Hausbauwandplatten hergestellt.

1951: Entwicklung der Ricolor-Kunststoffverbundplatte.

1954: Die ersten Frühstücksbrettchen, Untersetzer und Tabletts werden produziert.

1958: Tod des Firmengründers Eugen Ritter, seine Frau Ilse führt den Betrieb weiter.

1963: Schwiegersohn Manfred Mayr-Kiessling wird Geschäftsführer. Die Kunststoffplattenproduktion wird ausgeweitet. Vor allem die Büromöbelindustrie gehört zu den Großkunden. Die Haushaltsartikel sprechen einen großen Kundenkreis an und werden in die Niederlande, nach Belgien, in die Schweiz, nach Italien, Österreich, Japan und in die USA exportiert.

1970: Neubau und Errichtung einer 1700-Tonnen-Zehn-Etagen-Hydraulikpresse mit kompletter Wärme- und Kühlanlage.

1982: Aufteilung der Produktion in die Firmen Holztechnik GmbH für die Industrie und die Maco GmbH für die Haushaltsartikel.

1988: Erweiterung des Produktionsstandortes Pölz 14: Anbau der Firmenhalle mit Errichtung einer neuen Doppelkanten-Anleimmaschine und einer Postforming-Anlage.

1998: Thomas und Claudia Mayr-Kiessling übernehmen die Haushaltsproduktion.

2004: Erweiterung des Maschinenparkes um eine neue Mayer-Säge, Prozess-Optimierung zur Produktionssteigerung.

2006: Verdoppelung des Umsatzes als Europas führender Hersteller von melaminbeschichteten Frühstücksbrettchen.

2010: Erweiterung der Produktionsräume, Aufstockung des Personals und Anschaffung neuer Schrumpftunnel. Monatlich werden mehr als 500.000 Frühstücksbrettchen verschickt.

2015: Auch individuelle Frühstücksbrettchen sind möglich - ab einer Auflage von einem Stück: Einrichtung eines personalisierten Frühstücksbrettchen-Webshops: www.mein-brettchen.net.

2016: größte Umstrukturierung in der Firmengeschichte: Verlagerung der Produktion aus dem historischen Gebäude in die neue Firmenhalle in Pölz. Investitionen 1,5 Millionen Euro.
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