Seubersdorf
Scheunenfestival

Frauenpower zum Jubiläum

Der Weismainer Ortsteil Seubersdorf ist immer eine Reise wert. Das sagen sich die Fans härterer Klänge seit 20 Jahren.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auf Du und Du mit den Fans: Lucija Ivšic von der kroatischen Band "Puncke" schreit sich die Seele aus dem Leib, während ein Besucher alle Fünfe gerade sein lässt.  Fotos: Stephan Stöckel
Auf Du und Du mit den Fans: Lucija Ivšic von der kroatischen Band "Puncke" schreit sich die Seele aus dem Leib, während ein Besucher alle Fünfe gerade sein lässt. Fotos: Stephan Stöckel
+1 Bild
Die Veranstalter - die Dorfgemeinschaft und Brandy Schäck aus Peesten - boten Frauenpower zum Jubiläum: Das kroatische Frauentrio "Punčke" und das Kronach-Lichtenfelser Quartett "Dear Mr. Singing Club", bei dem auch zwei Damen mitmischen, zeigten ihren männlichen Szenekollegen mit bärenstarker Frauenpower und Gripps im Hirn, was eine Harke ist. Aber auch der Sound des starken Geschlechts ist nicht von schlechten Eltern - den "Fastbeat Superchargers" aus Bamberg und den "Rambles" aus Schweinfurt sei Dank!
Weit über 200 Fans aus Nah und Fern waren wieder aus dem Häuschen und ließen einen Abend lang auf Weismains Jurahöhen alle Fünfe gerade sein. Viele von ihnen halten bereits seit Jahrzehnten die Stellung in dem urigen Feuerwehrstadel, in dem immer eine Woche nach der Kerwa der Punk abgeht.
Zu den Stammfans zählt der Seubersdorfer Günther Einer, der von Anfang an mit dabei war. Seine Gedanken schweiften zurück zum ersten Festival: "Damals war ich noch jung und kräftig. Beim Aufbau und beim Ausschank habe ich selbst mit Herz und Hand angepackt." Inzwischen tritt der heute 63-jährige etwas kürzer. Als Fan verfolgt er das Geschehen auf der Bühne. "Auch wenn meine Ohren nicht mehr so mitspielen, liebe ich noch immer die unbändige Energie der Gruppen, die hier auftreten." Für den Rockfan im reiferen Alter ist Seubersdorf eine Art Klein-Wacken. "Auch bei dem weltberühmten norddeutschen Festival steht das ganze Dorf hinter dem Festival", begründet er seine Sicht der Dinge.
"Hier geht es bodenständig, familiär und gemütlich zu, herrscht immer eine ausgelassene Stimmung", klinkt sich die jüngere Generation ein. Andreas Kolb aus dem Nachbarort Azendorf im Landkreis Kulmbach ist seit 15 Jahren mit von der Partie. Was er an Scheunafestival schätzt? "Es müssen nicht immer die großen Kapellen aus der Hard'n'Heavy-Ecke sein. Hier kann man kleine Bands erleben, die schon für so manche Überraschung sorgten."
So zart wie Samt und Seide und so fröhlich wie der Morgenwind! Die Rede ist von der Gruppe "Dear Mr. Singing Club", deren Mitglieder aus den Landkreisen Lichtenfels und Kronach stammen. Mit ihrem wohltuend erfrischenden Pop-Punk sangen und spielten sich Steffi (Bass und Gesang), Veronika (Gitarre und Gesang), Robert (Gitarre) und Volker (Schlagzeug) in die Herzen vieler Besucher.
Die zweite Überraschung des Abends folgte auf dem Fuße. Die Mitglieder der kroatischen Band "Punčke" schrien und spielten sich die Seele aus dem Leib, um im nächsten Moment einem verqueren und verkopften Sound aus der Hand zu fressen, der den Besuchern geistige Erbauung schenkt. Mit ihrem eindringlichen, energiegeladenen und gegen den Strich gebürsteten Undergroundrock sorgten Lucija Ivšić (Gitarre und Gesang), Ena Baćanović (Schlagzeug) und Anja Tkalec (Bass) dafür, dass die Sprachbarriere des Kroatischen im Nu durchbrochen war.
Als nächstes tischten die "Fastbeat Superchargers" aus Bamberg ein Festmahl für all jene Fans auf, die es etwas traditioneller mögen. Sie labten sich an kernig-knackigen und ausladenden Metal-Hymnen. Den Schlusspunkt des Abends setzten die "Rambles" aus Schweinfurt, die mit ihrem rasanten, eingängigen und exzellenten Garagenrock für die Besucher die Hallo-Wacht-Pille zur Geisterstunde waren. Die Erlöse aus dem Jubiläumsfestival kommen dem Bau eines Kinderspielplatzes in Seubersdorf zu Gute.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren