Wirsberg
Beruf

Frau am Steuer - mit Leidenschaft

Gaby Kramer hat Friseurin gelernt. Als sie ihren Job nicht mehr ausüben konnte, machte sie den Lkw-Führerschein. Seit über 20 Jahren ist die inzwischen 54 Jahre alte Wirsbergerin nun in dieser Männerdomäne tätig. Die Anerkennung musste sie sich allerdings hart erarbeiten.
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Gaby Kramer wartet im Steinbruch, bis Reinhold Miskolsci ihren Lkw beladen hat. Seit über Jahrzehnten ist die 54-Jährige mit schweren Gefährt auf den Baustellen in der Region unterwegs. Foto: Werner Reißaus
Gaby Kramer wartet im Steinbruch, bis Reinhold Miskolsci ihren Lkw beladen hat. Seit über Jahrzehnten ist die 54-Jährige mit schweren Gefährt auf den Baustellen in der Region unterwegs. Foto: Werner Reißaus
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Eine Frau, die täglich einen über 30 Tonnen schweren Vierachser zu den Baustellen in der Region chauffiert? Undenkbar? Weit gefehlt! Die 54-jährige Gaby Kramer hat schon vor über 20 Jahren diese Männerdomäne durchbrochen. Sie hat sogar Stammkunden, die nur sie als Lkw-Fahrerin wollen - eigentlich das größte Lob, das sich die Wirbergerin über all die Jahre verdienen konnte. Komplimente aus dem Mund ihres Ehemannes und Arbeitgebers Werner Kramer erfährt sie allerdings nur "über mehrere Ecken", aber damit kann sie leben, denn beide verstehen sich als echtes Team.

Die BR hat Gaby Kramer auf einer Baustellentour begleitet. Wir treffen sie früh um 6.30 Uhr am Steinbruch der Hartsteinwerke Schicker in Stadtsteinach. Die 54-Jährige hat die Aufgabe, eine Baustelle der Marktleugaster Firma Ruckdäschel in Küps mit mehreren Tonnen Maschinen-Schrotten zu beliefern.
Man kennt sich, und schon bei der Einfahrt ins Steinbruchgelände wird Gaby Kramer per Funk besonders herzlich begrüßt. "Guten Morgen, Spatzl!", ruft ihr Reinhold Miskolci zu, der den großen Radlader fährt. Es dauert keine fünf Minuten, und der Vierachser ist mit dem gewünschten Steinmaterial beladen. Danach geht es auf die Waage, wo Gaby Kramer ihren Lieferschein erhält mit dem Hinweis, wohin die Ladung muss.

Sie fährt an diesem Tag im Auftrag der Hartsteinwerke Schicker. Gaby Kramer: "Auf dem Lieferschein steht nicht nur das Gewicht - es sind 32 800 Kilogramm -, sondern auch die Straße der Baustelle und eine Handy-Nummer drauf. Wenn die Baustelle in irgendwelchen Siedlungen ist, rufe ich kurz vorher an, um zu hören, wie sie anzufahren ist."

In Küps ist die Anlieferung über den engen Erlenweg schon eine Meisterleistung, denn die Siedlungsstraße ist gerade einmal drei Meter breit. Hereinhängendes Buschwerk, ein Mülleimer oder auch die Zaunanlagen der Hausbesitzer verlangen ihr alles ab, aber die 54-Jährige meistert die Aufgabe mit Bravour. Vor allem ohne eine Sachbeschädigung. Oft ist nur eine Hand breit Platz zwischen dem Lkw-Reifen und dem Gartenzaun. Aber die Mitarbeiter der Firma Ruckdäschel Bau kennen "ihre" Gaby und vertrauen darauf, dass sie es schafft.


Gelernte Friseurin

Gaby Kramer ist gelernte Friseurin. Zu ihrem jetzigen Beruf kam sie eher: "Ich habe aus einer Laune heraus 1994 den Lkw-Führerschein gemacht, weil ich meinen erlernten Beruf nicht mehr weiter ausüben konnte. Mein Mann hatte damals schon das Transportunternehmen, und nachdem der Lkw oft daheim stand, weil Werner Baggerarbeiten ausführte, bin ich eines Tages einfach losgefahren. Meine erste Baustelle war in Schönwald. Seit diesem Zeitpunkt sitze ich im Lkw."


Anfang war schwer

Natürlich war auch für Gaby Kramer aller Anfang schwer: "Ich musste erst meine Erfahrungen auf den Baustellen sammeln." Man sieht es der 54-Jährigen an, dass sie ihre Arbeit gern macht. "Am Anfang war es nur insofern schwierig, bis ich überhaupt in den Männerberuf reinfand und anerkannt wurde. Man schickte mich oft auf Baustellen, wo selbst ein Mann nicht reinfuhr. Es hat auch Momente gegeben nach den ersten sechs Wochen, in denen ich mir sagte, ich höre wieder auf", so Gaby Kramer rückblickend. Denn es kam auch vor, dass sie mit dem Lkw auf einer Baustelle versank. Da bekam sie kein Lob zu hören: "Ich soll schauen, dass ich weiter komme heim an meinen Kochtopf", hießt es da.

Doch das ist längst Geschichte. Viel lieber erinnert sich die 54-Jährige an die lustigen Momente: "Einmal war ich in Bayreuth auf einer Baustelle, und als ich einen Mann fragte, wo die Steine hin sollen, antwortete er mir: Ich habe jetzt keine Zeit, aber wo ist denn der Lkw-Fahrer? Als ich ihm erklärte, dass ich das bin, hat er sich auf dem Absatz umgedreht und Marsch gemacht. Am Nachmittag war es dann soweit: Er hat im Steinbruch angerufen und gesagt, er brauche morgen wieder ein Auto. Aber ich will die Frau."

Das kommt seitdem öfter vor. Gaby Kramer ist als tüchtige Lkw-Fahrerin nicht nur beliebt, sie versteht auch ihr Handwerk. Bis auf einen kleinen Auffahrunfall, als ein Bremsventil ausfiel, ist sie über all die Jahre auch unfallfrei geblieben. Schmunzeln muss sie auch, wenn sie an ihren Auftrag im Bamberger Hafen zurückdenkt. Dort musste sie einen großen Granitblock abholen, der nach Wirsberg transportiert werden sollte. "Als ich dann den Würgauer Berg förmlich hochkroch, funkte mir ein Kollege zu: No du, mit deim Kieselstala - host dich aweng unterschätzt?"


Die Männer helfen gern

Was sie an ihren männlichen Kollegen schätzt? "Sie helfen mir - egal, ob es jetzt ein Radwechsel ist oder ich einmal neben reingerutscht bin. Man bekommt immer Hilfe. Da habe ich irgendwie ein Privileg."
Dank des digitalen Tachos weiß Gaby Kramer, dass sie nach viereinhalb Stunden Lenkzeit eine dreiviertel Stunde Pause einlegen muss. Dann geht sie gern zum Bäcker, holt sich etwas Süßes oder eine Tasse Kaffee. Neun Stunden darf sie längstens am Tag fahren.

Nach gut einer Stunde hat Gaby Kramer ihren Vierachser wieder sicher in den Steinbruch gelenkt, um die nächste Fuhre nach Küps zu fahren. Dem Wunsch der Firma Ruckdäschel Bau, noch mehr steiniges Material zu liefern, entgegnet Reinhold Miskolci auf seinem Radlader nur kurz und trocken: "Wir sind doch hier nicht bei Wünsch Dir was!" Kurz und bündig ist auch sein Kompliment für die Frau am Lkw-Steuer: "Gaby ist auf Zack!"

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