Kulmbach
Ausstellung

Fotoausstellung: Von Aleppo nach Kulmbach

Rawand Darwish ist ein syrischer Flüchtling. Aus seiner Heimat hat der 16-jährige Hobbyfotograf Bilder mitgebracht, die jetzt im Landratsamt zu sehen sind.
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Rawand Darwish ist leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Über die Organisation "Kulmbach ist bunt" hat sich eine Kamera gefunden. Foto: Mona Hain
Rawand Darwish ist leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Über die Organisation "Kulmbach ist bunt" hat sich eine Kamera gefunden. Foto: Mona Hain
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Aleppo ist in unseren Tagen Synonym für den brutalen Krieg in Syrien. Rawand Darwish hat dort gelebt - und mit der Kamera Bilder seiner Heimatstadt festgehalten. Seine Fotos zeigen Aleppo in den Jahren zwischen 2011 und 2014. Aleppo zählte einst zu den bevölkerungsstärksten Städten Syriens, die Bürger lebten in Wohlstand.
In der Ausstellung "Heimat verlassen - Heimat gefunden?", die am Montag im Landratsamt eröffnet wird, sind diese Fotos zu sehen. Der 16-jährige Syrer hat die Stadt, Flüsse, Seen, Parks und auch sein eigenes Wohnhaus fotografiert. Bilder von der vom Krieg zerstörten Stadt sind kaum dabei.

Der Stadtteil, in dem Rawand gewohnt hat, war lange Zeit durch den Krieg kaum bedroht. Doch die Bomben fielen schließlich überall in der Stadt, nirgends war es mehr sicher, erzählt er. Dann entschließt er sich zur Flucht.
Die Anfangszeit ist hart für den jungen Mann.
Er muss seine Familie in Syrien zurücklassen, weil die Flucht für ihn alleine einfacher ist. Er bewältigt die Balkanroute, kommt nach Deutschland. Davor hat er keine große Vorstellung, wie es hier sein würde. Rawand erzählt, er habe nur nach Europa gewollt, dass es am Ende Deutschland geworden sei, verdanke er dem Zufall.


Seit 15 Monaten in Deutschland

Zwei Tage verbringt er in Passau, bevor er nach Kulmbach kommt. Hier kennt er zu Beginn niemanden, auch die Sprache bereitet ihm Probleme. Mittlerweile hat sich Rawand aber eingelebt und spricht bereits gut Deutsch, obwohl er erst seit 15 Monaten hier ist.

In Kulmbach fotografiert er inzwischen auch. Nachdem sich über die Organisation "Kulmbach ist bunt" eine Kamera gefunden hat, kann Rawand nun auch hier seine Umgebung mit dem Foto festhalten. Manfred Ströhlein, der als Helfer bei "Kulmbach ist bunt" tätig ist, lernte Rawand Anfang des Jahres kennen. Dort erfuhr er, dass der junge Mann Hobbyfotograf ist. Als ehemaliger Vorsitzender des Foto-Amateurclubs Mainleus/Kulmbach sprach Ströhlein Landrat Klaus Peter Söllner an - und so kam die Ausstellung im Landratsamt zustande.

Rawand ist in Aleppo in die 10. Klasse gegangen. Inzwischen ist ein Schulalltag dort unmöglich geworden. Viele Schulen wurden durch Bombenangriffe zerstört.


Der junge Syrer hat große Ziele

In Kulmbach hat der 16-Jährige ein Jahr lang eine Übergangsklasse in der Max-Hundt-Schule besucht. Inzwischen geht Rawand in die Integrations-Vorklasse FOS/BOS. Dort will er sein Abitur schaffen, um dann eventuell ein Studium in Bereich IT zu beginnen. An seiner Schule hat er auch schon deutsche Freunde kennengelernt.
Rawand lebt in einem Wohnheim der Arbeiterwohlfahrt. Dort wohnen 13 Jugendliche unterschiedlichster Nationalitäten zusammen. Sie müssen selbst einkaufen und kochen, um so bestmöglich auf ein selbstständiges Leben vorbereitet zu werden. Brauchen die Jugendlichen Hilfe, zum Beispiel beim Ausfüllen wichtiger Unterlagen, stehen ihnen Betreuer zu Seite.

Rawand hat bisher gute Erfahrungen in Deutschland gemacht, obwohl ihm die Umstellung schwer gefallen ist. Zum Beispiel unterscheidet sich das deutsche Essen stark von dem, was er aus Syrien gewohnt ist. Auch das Klima hier ist anders, Schnee hat Rawand zum ersten Mal in Kulmbach gesehen.

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