Kulmbach
Burggeflüster

Flunkern für den sozialen Frieden

Wir lügen uns durchs Leben. Sie und ich, alle - ohne Ausnahme! Das glauben Sie nicht? Tun Sie's ruhig. Sie dürfen sich dabei aber mit dem Gedanken beruhigen, dass die meisten Flunkereien, Wahrheits-Dehnungen und und geschönten Darstellungen mehr Positives als Negatives bewirken.
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Große Lügen, kleine Lügen - wir flunkern häufiger als uns bewusst ist. Symbolbild: dpa
Große Lügen, kleine Lügen - wir flunkern häufiger als uns bewusst ist. Symbolbild: dpa
"Ehrlich währt am längsten." Mit diesem tugendhaften Sprichwort bin ich aufgewachsen. Immer die Wahrheit sagen, nichts beschönigen.

Hmmm. Ist das wirklich sinnvoll? Wollen wir das wirklich, dass wir selbst und unsere Mitmenschen in allen Lebenslagen einander ganz ehrlich sagen, was wir gerade im Kopf haben?

Wir grüßen Menschen, die wir nicht mögen, machen Komplimente, die wir nicht ernst meinen, freuen uns über Geschenke, die uns nicht gefallen, loben Kunst, die keine ist, essen Speisen, die uns nicht schmecken, laden Leute ein, die uns nerven, übernehmen Aufgaben, für die wir eigentlich keine Zeit haben, und lachen manchmal sogar über Sachen, die wir nicht witzig finden.

Dabei lügen wir nicht (nur) aus Feigheit, Boshaftigkeit oder weil wir uns besser machen wollen als wir sind, sondern oft aus Liebe, Höflichkeit, Respekt oder weil wir einfach nett sein und andere nicht enttäuschen oder
kränken wollen. Nicht immer die (volle) Wahrheit zu sagen, ist oft charmanter und intelligenter als gnadenlose Ehrlichkeit.

Kleine Lügen als Schmiermittel, damit der Alltag rund läuft? Wenn's hilft - flunkern Sie ruhig ab und zu ein bisschen - im Dienst der Harmonie in der Familie und am Arbeitsplatz.
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