Stadtsteinach
Beleuchtung

Flammen in der Schule, LED im Heim

Gehören echte Kerzen auf den Adventskranz und an den Weihnachtsbaum oder können auch Licht-emittierende Dioden stimmungsvoll sein? An dieser Frage scheiden sich die Geister. In den öffentlichen Einrichtungen gibt es Unterschiede. Die Bayerische Rundschau hat sich in Stadtsteinach umgesehen.
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Der Stadtsteinacher Schulleiter Michael Pfitzner will den Schülern den "Duft" der Weihnacht, zu dem auch echte Kerzen gehören, nicht vorenthalten: Tim Beckmann (9) zündet den Adventskranz an, Julia Straubinger (6) und Leni Witzgall (7) stehen andächtig daneben. Fotos: Sonja Adam
Der Stadtsteinacher Schulleiter Michael Pfitzner will den Schülern den "Duft" der Weihnacht, zu dem auch echte Kerzen gehören, nicht vorenthalten: Tim Beckmann (9) zündet den Adventskranz an, Julia Straubinger (6) und Leni Witzgall (7) stehen andächtig daneben. Fotos: Sonja Adam
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Versonnen sitzt Therese Schilcher in ihrem Lieblingsstuhl in ihrem Zimmer im Seniorenheim St. Marien in Stadtsteinach. Auf dem Tisch steht ein beleuchteter Weihnachtsbaum aus Holz. Das Bäumchen ist mit elektrischen Lichtern illuminiert und erhellt die kleinen Krippenfiguren, die Therese Schilcher von der Kirche bekommen hat. "Ein Lichtlein gehört zu Weihnachten", sagt die Frau, die in wenigen Tagen 95 Jahre alt wird. Schon morgens beim Frühstück erhellt die Seniorin ihr Zimmer. "Aber Kerzen zünde ich nicht an", sagt sie selbst.


Offenes Feuer verboten

Tatsächlich sind Kerzen mit offener Flamme im Seniorenheim verboten, bestätigt Pflegedienstleiterin Martina Klemm. "Die Senioren, die zu uns kommen, werden immer pflegebedürftiger. Viele leiden an Demenz. Es ist einfach zu gefährlich, wenn wir Kerzen erlauben würden", erklärt Klemm.
Außerdem könne das Pflegepersonal nicht in allen Zimmern gleichzeitig nach dem Rechten sehen. "Wir haben auch die Angehörigen gebeten, keine Kerzen mitzubringen, sondern höchstens LED-Kerzen. Es gibt ja auch Echtwachs-Kerzen mit LED und flackerndem Licht. Über die freuen sich die Senioren genauso", sagt Klemm.

Nur bei der großen Adventsfeier im Gemeinschaftsraum des Seniorenheims wird eine Ausnahme gemacht. Bei der Gemeinschaftsfeier wurden echte Kerzen angezündet. "Aber da waren wir ja immer vor Ort, der Adventskranz war nie unbeaufsichtigt", versichert die Pflegedienstleiterin. "Bei uns geht einfach die Sicherheit vor. Wir wollen jede Gefahr ausschließen. Wenn in einem Seniorenheim ein Brand ausbricht, wäre das eine Katastrophe", bittet Klemm um Verständnis.

Mit den Angehörigen habe es wegen des Kerzenverbots noch keine Diskussionen gegeben. "Die meisten sehen ein, dass die Sicherheit am wichtigsten ist."

Trotzdem sind die Weihnachtstage im Heim nicht einfach, erzählt Seniorin Therese Schilcher. Denn an Heiligabend, wenn die Gemeinschaftsfeier vorüber und der Besuch wieder abgereist ist, kommen Gefühle hoch. "Ich bleibe dann immer in meinem Zimmer", sagt Therese Schilcher. Und der beleuchtete Weihnachtsbaum sorgt dann für das nötige Licht.


Schüler stehen auf "echtes" Licht

Ganz anders handhabt die Schule Stadtsteinach den Umgang mit Kerzen. "Ja, wir haben noch einen Adventskranz mit echten Kerzen. Jeden Montag von 8 bis 8.15 Uhr werden die Kerzen angezündet, und dann feiern wir alle gemeinsam Advent", sagt Schulleiter Michael Pfitzner. Auch die jüngsten Schüler freuen sich, dass echte Kerzen am Adventskranz brennen und nicht nur LED-Lichter. Tim Beckmann darf sogar die Kerzen anzünden - er hat keine Angst, dass er sich dabei verbrennen könnte. Natürlich ist der Neunjährige vorsichtig, ebenso wie seine Klassenkameraden.

"Kerzen gehören doch zum Duft der Weihnacht dazu", sagt Schulleiter Michael Pfitzner. Und da die Kerzen ja nicht unbeaufsichtigt brennen, halte sich die Gefahr auch in Grenzen.


"Durch nichts zu ersetzen"

In diesem Jahr erzählen bei den Adventsfeiern Kinder aus Syrien, welches bei ihnen die wichtigsten Feste sind und wie diese gefeiert werden. "Ich finde, so ein echter Adventskranz mit echten Kerzen und mit dem Geruch nach ausgeblasenen Kerzen ist einfach durch nichts zu ersetzen", sagt der Leiter der Stadtsteinacher Schule. "Die Atmosphäre mit echten Kerzen ist einfach schöner", findet er.

Auch Echtwachs-Kerzen mit Flackerlicht sind kein vollwertiger Ersatz. "Außerdem haben die Schüler immer Kerzen dabei und entzünden ihre eigenen Kerzen dann an dem großen Adventskranz. Sie tragen dann die Kerzen in ihr Klassenzimmer", erzählt Pfitzner.

Und während die Lichter in die Klassenzimmer getragen werden, singen die Kinder "Tragt in die Welt ein Licht". Auch diese schöne Tradition könnte man sicherlich nicht mit LED-Kerzen durchführen. Zumindest wäre die "Prozession" dann nicht so stimmungsvoll.
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