Kulmbach
Gericht

Feuer in Mangersreuther Wohnhaus: Kerze oder Fernsehgerät?

Die Ursache des Feuers in einem Mangersreuther Wohnhaus war nicht mehr zu ermitteln. Das Verfahren gegen einen 68-jährigen Rentner, der sich am Amtsgericht Kulmbach wegen Brandstiftung verantworten musste, wurde deshalb eingestellt.
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Eindeutig lässt sich nicht mehr klären, was den Wohnhausbrand im Kulmbacher Stadtteil Mangersreuth auslöste. Foto: Archiv/Katrin Geyer
Eindeutig lässt sich nicht mehr klären, was den Wohnhausbrand im Kulmbacher Stadtteil Mangersreuth auslöste. Foto: Archiv/Katrin Geyer
Der Brand in der Dachgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses im Kulmbacher Stadtteil Mangersreuth sorgte am Morgen des 31. März vergangenen Jahres für großes Aufsehen. Der Schaden wurde auf rund 100 000 Euro geschätzt, noch wochenlang waren die verkohlten Fenster zu sehen. Der damalige 68-jährige Mieter musste sich jetzt nicht nur wegen fahrlässiger Brandstiftung, sondern auch wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht verantworten. Denn: Die Nachbarin des Mannes hatte damals eine Rauchvergiftung erlitten.

Nach nur einer Stunde schickte Richterin Sieglinde Tettmann allerdings sämtliche Zeugen wieder nach Hause. Im Einvernehmen mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung stellte sie das Verfahren kurzerhand wegen geringer Schuld vorläufig ein. Als einzige Auflage muss der Mann 80 Stunden gemeinnützige und unentgeltliche Arbeit leisten. Die Verfahrenskosten trägt die Staatskasse.

Hintergrund der Einstellung war auch, dass die Brandursache nicht mehr festzustellen war. Während die Staatsanwaltschaft davon ausging, dass der Angeklagte eine Kerze unbeaufsichtigt nahe einer Holzwand abbrennen ließ, behauptete Letzterer, dass sein wahrscheinlich defekter Fernseher den Brand ausgelöst haben muss.


Verbrennungen und Vergiftung

Dabei hatte der Angeklagte die Ermittler der Polizei noch selbst auf die Kerze gebracht. Gleich bei seiner ersten Vernehmung auf der Intensivstation des Kulmbacher Klinikums habe er davon berichtet, sagte ein Kommissar der Kriminalpolizei in Bayreuth. Der Mann wurde damals vom Notarzt ins Krankenhaus gebracht, weil er unter anderem Verbrennungen an der Kopfhaut, an den Händen und eine leichte Rauchvergiftung erlitten hatte.

Jetzt versicherte der Mann, beim Anzünden von Kerzen immer peinlich darauf geachtet zu haben, dass ein großer Abstand zu den Holzwänden besteht. Außerdem habe er ausnahmslos Grab- oder Teelichter verwendet, damit ja nichts passieren könne. Diese Lichter habe er dann auch noch auf einen mit Vogelsand gefüllten Messingteller gestellt, eine Kombination, die er so auch zur Verdeutlichung auf dem Richtertisch aufbaute.

Für den Angeklagten stand fest, dass der kleine, zwei Jahre alte Flachbildfernseher die Brandursache gewesen sein muss. Das Gerät habe Tage zuvor immer wieder Aussetzer gehabt und nur mehr verpixelte Bilder gezeigt. Er sei an diesem 31. März gegen sieben Uhr morgens kurz ins Bad, und als er wieder kam, habe der Bereich oberhalb des Fernsehers gebrannt. Nachdem erste Löschversuche mit Wasser fehlgeschlagen waren und die Flammen immer schneller um sich griffen, habe er die Feuerwehr verständigt und die Wohnung verlassen.


"Gesamtes Hab und Gut verloren"

"Können Sie sich vorstellen, was das für ein Schock für mich war?", fragte der Mann. Sein gesamtes Hab und Gut sei verbrannt, er stehe heute vor den Scherben seines Lebens. Als Rentner sei er auf Sozialhilfe angewiesen. Versichert sei er damals nicht gewesen.

Schon bei der Übergabe vor Ort sei er von den Beamten der Polizeiinspektion Kulmbach auf die Kerze hingewiesen worden, sagte der ermittelnde Kommissar der Kriminalpolizei Bayreuth. Das habe ihm der Angeklagte nur drei Stunden danach aus so bestätigt. Hätte der Mann damals nur einen kleinen Hinweis auf den Fernseher gegeben, dann hätte man die Reste des Gerätes in jedem Fall gesichert, auch dann, wenn nur ein geschmolzener Plastikklumpen übrig geblieben wäre.

Wer ihr nun den Schaden bezahle, wollte die Hauseigentümerin wissen, die inzwischen auf den Zuhörerbänken des Amtsgerichts Platz genommen hatte. Das müsse in einem eigenen Zivilprozess geklärt werden, sagte Richterin Sieglinde Tettmann. Hier sei es lediglich um die strafrechtliche Verantwortung gegangen.

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