Bayreuth
Festspielhaus

Festspielhaus Bayreuth: Fünf Jahre Bauzeit, 30 Millionen Euro

Seit fast drei Jahren sind Teile der Fassade des Bayreuther Festspielhauses eingerüstet, geschickt kaschiert durch eine fotorealistische Wiedergabe der Originalfassade. Doch Bauarbeiter hat man bislang noch nicht gesehen. Viele fragen sich: Wann wird endlich gebaut? Jetzt gibt es Antworten.
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Mindestens fünf Jahre Bauzeit sind für die Generalsanierung des Bayreuther Festspielhauses veranschlagt. Fotos: Stephan Herbert Fuchs
Mindestens fünf Jahre Bauzeit sind für die Generalsanierung des Bayreuther Festspielhauses veranschlagt. Fotos: Stephan Herbert Fuchs
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Detlef Stephan von dem auf historische Gebäude spezialisierten Kölner Büro "Stephan Architekten" war jetzt zu Besuch bei den Mitgliedern der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth. Bei einer Veranstaltung in der Reihe "Freunde treffen Freunde" relativierte der Architekt so manche Horrorszenarien, von denen man bisher ausgegangen ist. Das Haus sei in einem guten Zustand, man merke schon, dass es immer gepflegt wurde. Trotzdem komme eben auch ein Festspielhaus in die Jahre. "Wir gehen von einem Gesamtbudget von rund 30 Millionen Euro aus", sagte die Geschäftsführerin der Gesellschaft der Freunde, Ina Besser-Eichler.

Stephans Kölner Büro hat den Auftrag für die Generalsanierung bekommen, die Schäden wurden bereits aufgenommen und dokumentiert, die Planungen laufen. Anfang September gehe es endlich los, sagte der Architekt. Das bisherige Schutzgerüst, das Passanten vor herab stürzenden Mauerwerk schützen sollte, werde abgebaut. Dann fänden Begutachtungen und Bemusterungen mit Spezialisten des Denkmalschutzes und mit der Festspielleitung statt. "Wir wollen möglichst wenig Steine austauschen", sagt Stephan und erklärt, dass ein Teil der originalen Handstrichziegeln bereits in den 1930er und 1950er Jahren durch Industrieziegeln ersetzt wurde.

Auch die Fragen, was mit dem Sandsteinsockel passiert, wie mit dem markanten Fachwerk umgegangen wird und wie der Mörtel zwischen den Ziegeln wieder auf Vordermann gebracht wird, sollen möglichst schnell beantwortet werden.


Sensibilität ist gefragt

"Da müssen wir ganz sensibel rangehen", sagt der Fachmann und gibt das Ziel aus, das gewohnte Bild zu erhalten, gleichzeitig aber der Fassade und den Steinen ihren Schutz wiederzugeben. Während man bei zurückliegenden Sanierungen stets das gemacht habe, was pragmatisch war und damit die Funktionalität aufrechterhalten habe, möchte man diesmal das fachlich Richtige tun, auch aus Sicht des Denkmalschutzes. Mindestens 50 Jahre soll es halten.

Problem ist, dass während der Sanierung Jahr für Jahr die Festspielzeit samt Probezeit acht Wochen davor, von den Arbeiten komplett ausgespart werden muss. Deshalb setzt Stephan die Fertigstellung auch erst für das Jahr 2020 oder 2021 an. Auch 2022 habe schon irgendwo gestanden. Deshalb soll der Winter auch bei den Außenarbeiten komplett genutzt werden.

Konkret sieht der Architekt ein beheizbares Baugerüst mit Plane vor, das selbst bei großem Frost die Fassade in eine konstante Temperatur von plus fünf Grad Celsius hüllt. Ansonsten würden wir vielleicht im September anfangen und müssten im schlimmsten Fall Ende Oktober schon wieder aufhören", so der Architekt.

Bislang habe sein Büro zusammen mit der Universität Bayreuth schon aufwändige Messungen durchgeführt, um Feuchtigkeit und Temperaturen über einen längeren Zeitraum zu ermitteln. Schließlich seien außerhalb der Festspielzeit höchstens 56 Menschen in dem Haus tätig, während der Festspiele steige diese Zahl auf bis zu 860 an. Das alles habe natürlich Auswirkungen auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Auch Pläne seien bereits angefertigt worden in einer Detailgetreue, wie es sie noch nie gab.

Konkret möchte das Kölner Architekturbüro mit der Restaurierung der Südfassade beginnen, dann den West- und den Ostflügel des Theaters herrichten, ehe der Zuschauerraum und die übrigen Innenräume an der Reihe sind.


Europaweite Ausschreibungen

Wenn das alles so lange dauert, dann auch deshalb, weil für die einzelnen Gewerke europaweite Ausschreibungen notwendig sind. Europaweit bedeute auch immer Fristen, Prüfungen und Einspruchszeiten. Trotzdem sei bereits im Herbst 2013 mit dem Geldgeberkonsortium mit Bund und Land an der Spitze eine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet worden, die einen vorgezogenen Baubeginn ab September zulässt.

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