Unter dem Motto "feminomale Retroperspektiven" machen sie deutlich, wie sehr Frauen sich in der Kunst zwischenzeitlich durchgesetzt haben und fest verwurzelt sind. Gleichzeitig feierte man bei der vernissage 25 Jahre Gedok Franken, eine Gemeinschaft von ausschließlich weiblich Schaffenden, wo Männer aber als Kunstförderer willkommen sind.

Alles, was die Phantasie und den Entdeckungsgeist anregt ist hier zu sehen, als Gemälde, als Objektkunst aus Glas, Metall. Paperclay, als Skulptur, analoge Fotografie oder fotografische Serien. Es macht einfach Spass, sich beim Rundgang auf immer wieder neue Entdeckungen einzulassen, Frauenhand kreativ und in Ästhetik zu erleben, genauso jedoch in purer Direktheit. Da ist dieser Akt zweier nackter Frauen in lässiger Pose, das Champagnerglas in der Hand und den Blick nach innen gerichtet, die Brustwarzen steil nach oben ragend und die roten Kopf-und Schamhaare farbdeckungsgleich. Erotik ohne Sexismus von Barbara Graber, unbeteiligt und doch so nah, eben Frauenindentisch. Die Papier-Karton-Collage der Anneliese Kraft mit Acryl und Ölpastellkreide besticht durch ihr ausgewöhnliches Format, Elke Schober gibt den brennenden und kaputten Autos im Bild Öl auf Leinwand etwas typisch Maskulines, eine moderne "Sie", kurz berockt, wendet sich ab vom Chaos, ihr Kopf bleibt verborgen.

Herrlich unkompliziert, jedoch diffizil, das vierteilige in Mischtechnik gefertigte Gemälde BWS (Brustwirbelsäule ?) von Chris Engels, der Operateur bekäme Probleme, sein Skalpell anzusetzen. Und dann noch die frappierende Installation von Wiltrud Kuhfuss aus Zellulose, der Mensch in all seiner Verletzlichkeit, dem Schicksal ausgeliefert. Passend zum Brauereimuseum die Bierflaschenallegorie der Mary Sych, abgedunkelt in der Durstlust oder kurz vor dem Verschreddern. Gefilzt auf Seide wird ein Stück entfernt der Hunger in Afrika mit Fäden quer durch den Kontinent verdeutlicht, bei der Litographie "Tanz der Robben" möchte man sich einreihen in die Schönheit der Elemente, so grazil drückt das Ingeborg Böttger aus.

Spannungen und Harmonie


Blickfang ebenso ein energiegeladenes Gesicht aus Pâte-de-verre, durchflossen von permanten blau gefächerten Stromstößen, man bleibt lange an dieser Ansicht fasziniert hängen. "Wie lange haben wir noch Wasser ?" fragt eine Künstlerin und lässt den letztenTropfen plastisch verharren. Gudrun Schüler aus Bindlach, Mitglied bei Gedok, dem Kulmbacher Kunstvereins und von focus europa ist als Einzige aus der Region mit zwei Reflexionen, in Öl gemalt, dabei. Sie sieht keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Kunst, "es gibt zuweilen Spannungen, aber auch viel Harmonie". Ihr Geschlecht hätte es jedoch durch die Doppelbelastung mit der Familie etwas schwerer, "ich würde den Frauen trotzdem raten, diesen steinigen Weg zu beschreiten, Kunst ist in der heutigen Gesellschaft wichtiger denn je". Ein Tipp: Die Phantasie als Kind muss man ins Erwachsenenalter mit hineintragen, um seine Vorstellungen umzusetzen.

Auch Cornelia Mösch, 2. Vorsitzende des Kunstvereins Kulmbach, der die Ausstellung mitorganisiert hat, ist der Meinung, ein Kunstwerk sei weder weiblich noch männlich einzuordnen, "vielleicht spricht aus uns mehr Emotionalität aus Familie und Beruf heraus". Die Vernissage mit zahlreichem Publikum eröffnete Vorsitzender Karl-Heinz Greim, dem besonders die Anordnung der Stücke gefallen, "wenn Frauen was organisieren hat das mehr Flair". Oberbürgermeister Henry Schramm gab sich sehr jovial, sagte, in die Kunst solle man(n) sich nicht einmischen, überreichte einen Scheck und wünschte viel Zeit, sich alles anzuschauen. Horst-Hermann Hofmann vom Kunstverein Kulmbach sprach in seiner Laudatio von der Stellung der Frau in der Gesellschaft, von der Rollenverteilung und dem Spagat zwischen Familie und Kunst, nannte die künstlerische Selbstverwirklichung oft mit Hürden verbunden. "Wir können aber froh sein, dass es in der Kunst keine Quotenfrauen gibt".

Ein Besuch der Ausstellung ist fast schon Pflicht, so spannend und abwechslungsreich sind die Werke. Bis einschließlich 16. September kann man als Betrachter durch die Räume wandern, sich auch von den Künstlerinnen führen lassen. Geöffnet ist von Dienstag bis Samstag von 10 Uhr bis 17 Uhr und am Sonntag von 13 Uhr bis 17 Uhr. Zur Finissage am Sonntag, den 16. September, gibt es noch eine Lesung in Kooperation mit dem Literaturverein Kulmbach.