Kulmbach
Naturschutz

Familie Biber zieht nach Burghaig

Die Riesen-Nager haben in einem kleinen Auenwäldchen am Mainufer deutliche Spuren hinterlassen. Die Zahl der Tiere im Landkreis wächst. Das ist gut für die Artenvielfalt, schafft aber manchmal auch Probleme.
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Auf einem Privatgrundstück entlang des Mains bei Burghaig fühlen sich Biber wohl.  Foto: Dagmar Besand
Auf einem Privatgrundstück entlang des Mains bei Burghaig fühlen sich Biber wohl. Foto: Dagmar Besand
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Die Spuren im Schnee sind noch frisch. Erich Schiffelholz sieht auf den ersten Blick, wo der Biber aus dem Main an Land gegangen und zielstrebig zu seinem neuen Lieblingsbaum marschiert ist. Die Rinde ist bereits sorgfältig abgeschält, nur ein Häufchen Späne ist übrig geblieben. Schiffelholz beobachtet als ehrenamtlicher Biberberater seit einigen Jahren eine deutliche Vergrößerung der Biberpopulation im Landkreis Kulmbach. Was den Naturschützer freut, führt gelegentlich zu Konflikten mit den Grundstücksbesitzern. Landwirte und Teichbesitzer sind nicht glücklich, wenn Baumeister Biber das Gelände nach seinen Wünschen umgestaltet.


Im Winter schmeckt auch Rinde


Ein Biber, möglicherweise mit Familie, erobert sich offensichtlich gerade ein neues Revier am Weißen Main im Bereich der Gemarkungen Burghaig und Metzdorf.
Ein Privatgrundstück entlang des Mainwanderwegs, das mit Bäumen und Sträuchern bewachsen ist, hat es den Nagern angetan. Sie haben nicht nur Weiden- und Haselnusssruten abgezwickt, sondern auch von mehreren stattlichen Bäumen die Rinde abgenagt und an einigen so ehrgeizig geknabbert, dass die Stämme wohl nicht mehr lange aufrecht stehen werden.

Biber sind reine Vegetarier, auf deren Speiseplan alles steht, was grün ist. Grünes ist im Winter allerdings kaum zu finden, und so darf es in diesen Monaten auch Baumrinde sein. Das Holz der Stämme selbst fressen die Nager nicht. Sie fällen sie nur, um an zarte Zweige zu kommen und Baumaterial für ihre Burgen und Dämme zu bekommen.

Die charakteristischen Bissspuren sind im Landkreis Kulmbach immer öfter zu sehen, sagt Erich Schiffelholz, der gemeinsam mit seinen beiden Kollegen Hermann Gerdes und Hans-Joachim Küfner als Biberberater tätig ist. So erkennt man leicht, wo sich Biber angesiedelt haben. Und das sind inzwischen viele Orte entlang des Weißen und Roten Mains. Die Biber sind aktiv im Bereich Lanzendorf, Himmelkron, Schlömen, Ködnitz, Fölschnitz, Trebgast, bei Melkendorf, im Naherholungsgebiet Mainaue, Frankenberg und Mainleus, in Heinersreuth, Neudrossenfeld, Altdrossenfeld, Muckenreuth Richtung Limmersdorfer Forst, Unterobsang, Langenstadt, Lanzenreuth und Oberzettlitz sowie an der Steinach bei Hummendorf und an der Dobrach bei Schwärzhof Richtung Niederndobrach.

"Der Natur tut der Biber gut", betont Erich Schiffelholz. Warum? "Er ist ein genialer Landschaftsarchitekt. Wo man ihm genug Raum geben kann, schafft er vielfältige Lebensräume für Pflanzen und Tiere und fördert dadurch die Artenvielfalt."


Nicht alle mögen den Baukünstler


Doch in unserer Landschaft kann man den Bibern nur selten freien Gestaltungsspielraum gewähren. Land- und Teichwirte und auch manche Gartenbesitzer schätzen den Biber als Nachbarn nicht, weil er durch seine Grabungen, Tunnel und den Bau von Dämmen mitunter beträchtliche Schäden verursacht. Die Biberberater haben Verständnis für diese Probleme und versuchen, Lösungen zu finden, die beiden Seiten gerecht werden. "Die Probleme sind bei uns im Landkreis bislang glücklicherweise nicht groß."

Die Größe des Reviers ist vom Nahrungsangebot abhängig. Weil die Tiere schwer zu unterscheiden sind, kann man sie kaum zählen, so Erich Schiffelholz. In der Regel besteht eine Familie aus bis zu fünf Bibern. Jungtiere bleiben zwei Jahre bei den Eltern und müssen sich dann ein eigenes Revier suchen. "Solange Platz ist, wächst die Population, danach reguliert sie sich von selbst."






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