Kulmbach
Gericht

Fahrfehler mit fatalen Folgen: Opfer bleibt Pflegefall

Ein Führerscheinneuling hat 2015 einen Unfall verursacht, der einen Motorradfahrer zum Pflegefall machte. Er wurde zu 1500 Euro Geldstrafe verurteilt.
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Das Motorrad des Unfallopfers, das seit jenem Tag im Juli 2015 ein Pflegefall ist. Fotos: Archiv/Jürgen Gärtner
Das Motorrad des Unfallopfers, das seit jenem Tag im Juli 2015 ein Pflegefall ist. Fotos: Archiv/Jürgen Gärtner
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Es war ein eklatanter Fahrfehler mit schwerwiegenden Folgen, die einen 20-Jährigen aus dem östlichen Landkreis Kulmbach vermutlich sein ganzes Leben lang begleiten werden. Ganz zu schweigen vom 37-jährigen Unfallopfer, denn der Motorradfahrer wird aller Voraussicht nach ein Pflegefall bleiben. Vor diesem Hintergrund war die Verhandlung vor dem Jugendrichter Christoph Berner für alle Beteiligten mitunter sehr bewegend.


Bei Welschenkahl

Der verunglückte Motorradfahrer konnte aufgrund seiner schweren Verletzungen nicht vor Gericht aussagen. Doch anhand der Aussagen des Angeklagten, von Zeugen und eines Sachverständigen konnte folgendes Unfallgeschehen rekonstruiert werden: Der heute 20-Jährige fuhr am 21. Juli 2015 gegen 19.30 Uhr mit seinem BMW auf der Staatsstraße 2190 in Richtung Azendorf. Beim Abbiegen nach links auf die Staatsstraße 2189 wollte der Beschuldigte die vor ihm fahrende und sich auf die Linksabbiegespur einordnende Fahrerin überholen und links von der Verkehrsinsel auf der Gegenbahn in die Staatsstraße 2189 einbiegen. Dabei missachtete er den entgegenkommenden Motorradfahrer. Es kam zum Zusammenstoß von BMW und Yamaha.


Schweres Schädel-Hirn-Trauma

Der Motorradfahrer erlitt dabei ein Polytrauma mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma sowie zahlreiche Frakturen. Die Beifahrerin des Verursachers erlitt Schnittwunden im Gesicht und am Körper. Sie sah allerdings von einer Anzeige ab.


Sonne war nicht die Ursache

Der Angeklagte räumte seinen Fahrfehler unumwunden ein, hatte aber dafür keine plausible Erklärung. Der schreckliche Unfall geschah an einem heißen Sommerabend, wobei die Sonne nicht die Ursache für den Fahrfehler war. Seine Beifahrerin gab jedenfalls zu Protokoll, dass die Sicht dadurch nicht beeinträchtigt war. Sie hatte jedenfalls den Motorradfahrer kommen sehen. Bei dem Unfall waren weder Alkohol noch Drogen im Spiel. Der Beschuldigte gab zu, dass ihn dieser Unfall und vor allem die Folgen daraus sehr belasten. Ein Versuch, sich beim Unfallopfer zu entschuldigen, scheiterte aber bislang.


Ein riesiger Knall

Jugendrichter Christoph Berner verlas auch die Aussage der Zeugin, die sich vor dem Angeschuldigten auf der Linksabbiegespur eingeordnet hatte. Die 52-jährige Erzieherin hatte bemerkt, dass das Auto hinter ihr auch nach links aufblinkte, aber in dem Moment passierte der Kradfahrer auf der Gegenfahrbahn ihr Fahrzeug und sie hörte nur noch einen riesigen Knall, bei dem sogar ihr Fahrzeug wackelte. Auch die Zeugin gab zu Protokoll, dass sie an jenem Abend nicht von der Sonne geblendet wurde. Die im Unfallfahrzeug befindliche Zeugin konnte sich noch daran erinnern, dass das Fahrzeug zunächst an der Linksabbiegespur anhielt, dann aber weiterfuhr und den folgenschweren Unfall verursachte. Der Beschuldigte sei davor ganz normal gefahren, wie die Zeugin ebenfalls zu Protokoll gab.


Unfall war vermeidbar

Der Kfz-Sachverständige rekonstruierte noch einmal den Unfall und machte deutlich, dass der Unfall hätte vermieden werden können, zumal auch die Beifahrerin im Unfallfahrzeug den Kradfahrer gesehen hatte. Aus dem Bundeszentralregister gab Jugendrichter Christoph Berner bekannt, dass weder beim Angeschuldigten noch beim Geschädigten ein Eintrag vorliegt.


Keine Genesung zu erwarten

Aus den Krankheitsakten und ärztlichen Gutachten sowie einem Bericht des Pflege- und Altenheimes Schönwald wurde deutlich, dass der nunmehr 37-jährige Mann, der vor dem Unfall im Begriff war eine Umschulung zu machen, kein normales Leben mehr führen kann, sondern im hohen Maße pflegebedürftig bleiben wird. Er musste sogar künstlich ernährt werden. Derzeit befindet er sich in der höchsten Pflegestufe und eine vollständige Genesung ist nicht zu erwarten. Die mit anwesende Mutter pflichtete den Aussagen der Ärzte mit schwerer Stimme bei: "Ich bin nicht optimistisch, was die Genesung angeht."
In seinem letzten Wort entschuldigte sich der junge Mann bei der Mutter des Geschädigten: "Ich kann meinen Fehler leider nicht mehr rückgängig machen."
Christoph Berner verhängte eine Geldstrafe von 1500 Euro zu Gunsten der Kreisverkehrswacht. Der Angeschuldigte hat auch die nicht unerheblichen Kosten des Verfahrens und die Kosten der Nebenklage zu tragen. Berner abschließend: "Lassen Sie sich das eine Lehre sein für die Ewigkeit."
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