Stadtsteinach
Finanzen

Es gibt weniger Geld als erhofft

Die Stadt Stadtsteinach kann für die energetische Sanierung der Schule mit Fördermitteln aus dem Kommunalinvestitionsprogramm rechnen. Allerdings gibt es nur 270 000 Euro. Nötig wäre deutlich mehr.
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Einfachverglasung, keine Dämmung: Der größte Wärmeverlust am Stadtsteinacher Schulgebäude entsteht am Haupteingang des Altbaus. Foto: Dagmar Besand
Einfachverglasung, keine Dämmung: Der größte Wärmeverlust am Stadtsteinacher Schulgebäude entsteht am Haupteingang des Altbaus. Foto: Dagmar Besand
Der Stadtrat traf sich am Montagabend zu einer Sondersitzung im Schulhaus, um über einen vom Bayreuther Architekturbüro Hauck erarbeiteten Projektvorschlag für die energetische Sanierung zu beraten. Die zusätzliche Sitzung war nötig, weil der Bewerbungsschluss für das Kommunalinvestitionsprogramm bereits am 15. Februar ist. Die nächste reguläre Sitzungstermin wäre erst am 22. Februar.

Das Schulhaus ist in die Jahre gekommen. Der älteste Teil des Gebäudekomplexes stammt noch aus den 60er Jahren, der Rest wurde 1974 gebaut. Energetisch entspricht die Schule bei Weitem nicht heutigen Standards. Um das zu ändern, müsste die Stadt schätzungsweise mindestens zwei Millionen Euro investieren.
Doch dieses Geld hat sie nicht.


90 Prozent Förderung


Um trotzdem zumindest einen Teil der nötigen Maßnahmen durchführen zu können, hat der Stadtrat bereits im Oktober vergangenen Jahres beschlossen, sich um Mittel aus dem Investitionsprogramm mit einer Förderquote von 90 Prozent zu bewerben. Hoffnungen auf eine oder gar zwei Millionen Euro kann sich die Stadt allerdings nicht machen, denn die Stadtsteinacher sind nicht die einzigen, die Geld aus diesem Topf haben möchten.Über den Verteilungsschlüssel informierte Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) zu Beginn der Diskussion. Von den bundesweit zur Verfügung stehenden 3,5 Milliarden Euro fließen rund 280 Millionen nach Bayern, die Kommunen im Landkreis bekommen davon insgesamt 8,6 Millionen.

"Damit es einigermaßen gerecht zugeht, wurde im Landkreis ein Gremium gebildet, in dem man sich geeinigt hat, wie das Geld am sinnvollsten auf die antragsberechtigten Kommunen verteilt werden kann", so Wolfrum.


Schule hat Vorrang


Das Ergebnis: eine Million Euro bekommt der Landkreis, um die dringend notwendige Sanierung der Fassaden am Landratsamt durchzuführen. "Diese Sanierung ist nur über diesen Topf förderfähig. Wenn der Landkreis das auf eigene Kosten machen müsste, würde das letztlich wieder die Kommunen belasten. Auf die Stadt Stadtsteinach entfällt ein Budget von 300 000 Euro - 270 000 Euro Zuschuss bei 30 000 Euro Eigenanteil. Das ist nicht so viel wie im Herbst erhofft, aber genug, um erste wichtige Schritte zu gehen.

Einig sind sich die Stadträte darin, dass die Sanierung der Schule Vorrang vor einem behindertengerechten Zugang zum Rathaus hat. Deshalb wurde ausschließlich über Maßnahmen an der Schule beraten. Sanierungsmaßnahmen wären an vielen Stellen erforderlich, so Architekt Bruno Hauck. "Der größte Wärmeverlust entsteht jedoch an der Fassade des Altbaus zur Alten Pressecker Straße hin." Eine Fassadendämmung und der Fensteraustausch an der Ost- und Nordseite würden mit rund 145 000 Euro zu Buche schlagen.

Sanierungsthema Nummer zwei ist die Heizung, weil sich da Synergieeffekte mit dem Turnhallen-Neubau ergeben. Die Turnhalle wird nach neuesten Standards gebaut. Verpflichtend ist dabei, dass 50 Prozent des Energieverbrauchs aus alternativen Quellen gedeckt werden müssen. Damit ergeben sich für die Stadt zwei Möglichkeiten: entweder eine eigene Heizungsanlage für die Turnhalle zu bauen oder eine neue Pelletheizung zu errichten, die Schulgebäude und Turnhalle versorgt und beträchtliche Co 2 -Einsparungen ermöglicht.

Nach Abwägung der Vor- und Nachteile erschien den Räten letztere Lösung als sinnvollste. Ein Heizkessel mit 130 kW könnte den Energiebedarf der Schule im Sommer und in der Übergangszeit komplett decken. Im Winter könnte der zusätzliche Heizbedarf über die noch vorhandene Gasheizung abgedeckt werden. Diese ist zwar bereits 16 Jahre alt, aber noch funktionstüchtig.

Die Pelletheizung hat die beste energetische Bewertung, jedoch den Nachteil, einen großen Vorratsspeicher zu benötigen. Um Kosten zu sparen, möchten die Stadträte jedoch keinen teuren Erdspeicher unter dem Pausenhof und auch kein Silo im Außenbereich. Vielmehr soll möglichst im Heizungskeller der Schule ein Speicherplatz geschaffen werden. Die Pelletheizung mit Speicher würde etwa 190 000 Euro kosten.


Zahlen-Grundlage fehlt noch


Keinen Hehl machten die Räte, allen voran Wolfgang Martin (BL, "Wir zäumen das Pferd von hinten auf") und Lars Leutheußer (CSU), daraus, dass sie vor einer Entscheidung gerne belastbares Zahlenmaterial zum tatsächlichen Energiebedarf des Gebäudes gesehen hätten. Diese Zahlen werden derzeit noch vom IBAS-Ingenieurbüro ermittelt und werden rechtzeitig für die Bewerbung um die Fördermittel vorliegen. Der Stadtrat wird sich in seiner nächsten Sitzung noch einmal mit den Details befasssen. Bis dahin soll auch feststehen, welche Einzelmaßnahmen am wirtschaftlichsten sind und ob sich die Kosten noch weiter reduzieren lassen.

Doch auch ohne die Zahlen genau zu kennen, waren sich die Stadträte aller Fraktionen darin einig, dass sie die Bewerbungsfrist nicht ungenutzt verstreichen lassen wollen. "Keinen Antrag zu stellen, wäre der größte Unfug", meinte Klaus Witzgall (CSU). "Jetzt kriegen wir die Heizung für Schule und Turnhalle gefördert, für eine extra Heizung für die Halle gibt's später nichts. Mit dieser Entscheidung können wir keinen Fehler machen", meinte auch Wolfgang Heiß (CSU) zustimmend. Als zukunftsorientierten Schritt in die richtige Richtung sahen auch Winfried Hempfling, Knud Espig und Karin Witzgall (SPD) die beantragten Maßnahmen.

Und obwohl das Geld nicht für alles Notwendige reicht: "Für spätere weitere Sanierungsarbeiten können wir immer noch FAG-Fördermittel in Anspruch nehmen", so Roland Wolfrum. Auf seinen Vorschlag wird für das Förderprogramm noch ein zweiter Bauabschnitt beantragt, "für den Fall, dass die Mittel im Landkreis nicht verbraucht werden". In diesem Fall bewirbt sich Stadtsteinach zusätzlich um Mittel für Fassadendämmung und Fensteraustausch an der Süd- und Westseite des Altbaus. Die Kosten dafür sind mit 125 000 Euro veranschlagt.

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