Kulmbach
Brauerei

Es gärt in der Kulmbacher Kommunbräu

Unter den Genossen grummelt es. Man fühlt sich bei der Bestellung des neuen Vorstands nicht ausreichend informiert. Was steckt hinter der Personalrochade?
Artikel drucken Artikel einbetten
Am Stammtisch in der Kommunbräu wird derzeit vor allem über ein Thema diskutiert: über die Bestellung des neuen Vorstands. Foto: privat
Am Stammtisch in der Kommunbräu wird derzeit vor allem über ein Thema diskutiert: über die Bestellung des neuen Vorstands. Foto: privat
+6 Bilder
Wenn die Würze, aus der Bier werden soll, gärt - dann ist die Welt in der Brauerei in Ordnung. Wenn es aber unter den Mitgliedern einer kleinen Genossenschaftsbrauerei wie der Kulmbacher Kommunbräu gärt, dann gibt es offenbar ein Problem. So wird derzeit am Stammtisch vor allem über ein Thema diskutiert: über den neuen Vorstand.

Den Genossen flatterte - infranken.de berichtete - vergangene Woche ein Brief ins Haus, dass der Vorstand verjüngt und vergrößert wurde. Jetzt stellen Mitglieder wie Helmut Geiger oder Walter Schaller Fragen: Warum tritt der bisherige Vorstandsvorsitzende Hans-Jürgen Päsler plötzlich zurück? Besteht ein Zerwürfnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat? Was steckt hinter der Personalrochade? Warum hat man die Hauptversammlung vor drei Monaten nicht informiert?


"Stocksauer und wütend"

"Ich habe dieses Schreiben bekommen und war stocksauer und richtig wütend. Ich habe immer gedacht, in der Kommunbräu ist man eine Gemeinschaft", sagt Geiger. "Wenn man auf die Schnelle erfährt, dass weitreichende Entscheidungen ohne Vorinformationen getroffen wurden, dass ein Aufsichtsratsmitglied seinen Sohn, den noch dazu kein Mensch kennt, zum Vorstandsvorsitzenden beruft, dann hat das für mich a G'schmäckla."

Weiter kritisiert er, dass Braumeister Alexander Matthes in den Vorstand aufrückt: "Damit wird er sein eigener Chef und kontrolliert sich quasi selbst." Geiger mahnt Offenheit und Transparenz an und sagt: "Ich habe den Eindruck, dass viele der 450 Genossen so denken wie ich."


Stil "unglücklich"

Ex-Vorstandsmitglied Schaller - das Kommunbräu-Flaschenbier war seine Idee - pflichtet Geiger bei. Bei ihm habe sich nach Lektüre des Briefes und aufgrund der personellen Konstellationen - Vater Jürgen Meins im Aufsichtsrat, Sohn Kai-Michael im Vorstand sowie Vater Heinz Hahn und Tochter Barbara gleichzeitig im Vorstand - "ein ungutes Gefühl" eingestellt. Die Hauptversammlung wäre die richtige Plattform gewesen, um die neuen Leute vorzustellen. Er vermutet, dass man wohl Debatten vermeiden wollte, und spricht von einem "unglücklichen Stil".

Bei allen Vorbehalten gegen die Informationspolitik - die Person Päsler, fast 25 Jahre Brauereichef mit Herzblut und Engagement, steht nicht in der Kritik. "Ohne ihn wäre die Kommunbräu heute nicht das, was sie ist", betont Schaller.

Der Pächter der Gastwirtschaft, Frank Stübinger, will nichts zu Brauerei-Interna sagen. Aber er stellt klar, dass von seiner Seite kein Einfluss genommen wurde. "Wir wurden genauso wie alle anderen informiert. Es stimmt nicht, was manche Stimmen behaupten, dass wir an dem Entscheidungsprozess beteiligt gewesen wären."


So ist die Rechtslage

Zu klären ist zunächst die Rechtslage. Am besten kann dazu der Justiziar der Kommunbräu, Rechtsanwalt Jürgen Schmidt, Auskunft geben. "Die Mitglieder wählen den Aufsichtsrat, aber der Vorstand wird ausschließlich vom Aufsichtsrat bestellt", sagt er.

Es sei grundsätzlich nicht verboten, dass Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder verwandt sind. Die Doppelfunktion von Vorstand und Braumeister erfordere allerdings eine veränderte Vertragsgestaltung. Schmidt weiter: "Das sind ganz normale Vorgänge im Geschäftsleben. Das Genossenschaftsgesetz und die Satzung stehen dieser Handlungsweise nicht entgegen."


Hier steht keiner Schlange

Nach den Worten des Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich H. Türk ist der Vorgang "ganz einfach zu erklären". Zur Hauptversammlung sei Päslers Abschied noch nicht bekannt gewesen. "Er hat für uns kurzfristig gesagt, dass er zum 30. September aufhört. Daher war es unsere Aufgabe, einen neuen Vorstand zu finden." Dies sei nicht einfach gewesen, "denn es ist nicht so, dass hier die Interessenten Schlange stehen".

Die neuen Leute seien für ihre Aufgabe "sehr gut geeignet". Türk: "Der Vorstandsvorsitzende ist Jurist, seine Kollegin eine erfolgreiche Geschäftsfrau, und der Braumeister kennt alle Abläufe in der Brauerei." Von Erbhöfen oder einem Zerwürfnis mit dem alten Vorstand könne keinen Rede sein. "Wenn ein Genosse meint, wir mauscheln, dann habe ich kein Verständnis. Unser Interesse ist das Wohl der Kommunbräu", betont er.

Türk räumt ein, "dass der zeitliche Ablauf nicht glücklich war. Aber das lag nicht in unserer Hand. Es wäre ideal gewesen, wenn wir den neuen Vorstand bei der Hauptversammlung vorstellen hätten können." Der Aufsichtsrat sei insgesamt um eine Verjüngung der Führungsgremien bemüht. Beim Vorstand zeichne sich ab, dass Heinz Hahn und Roman Geyer demnächst aufhören werden. "Dann haben wir wieder einen Dreier-Vorstand."


Päslers Erklärung

Ex-Vorstand Päsler verweist darauf, dass er schon Ende 2015 seinen Rückzug angekündigt habe. Ihm fehle einfach die Zeit. "Ich habe aber nie jemandem die Pistole auf die Brust gesetzt, sondern mich bereiterklärt, so lange weiterzumachen, bis eine vernünftige Nachfolge gefunden ist", sagt er. Es sei jedoch gewährleistet, dass sich seine Sekretärin Sandra Flügel wie bisher um die Buchhaltung und die Finanzen kümmert. "Es gibt also keinen Bruch. Und ich bleibe der Kommunbräu verbunden und helfe mit, wenn ich kann."
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren