Kulmbach

Erstspender sind extrem wichtig

Fast alle Deutschen finden's gut, aber nur wenige gehen zu den Termine des BRK, um sich "anzapfen" zu lassen. Kulmbach liegt im Mittelfeld.
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Bei schönem Wetter geht die Zahl der Blutspender zurück, die Leute geheln offensichtich bei hohen Temperaturen lieber ins Schwimmbad oder in den Biergarten, ist die Erfahrung von Dieter Popp vom BRK-Blutspendedienst. Foto: Franziska Kraufmann, dpa
Bei schönem Wetter geht die Zahl der Blutspender zurück, die Leute geheln offensichtich bei hohen Temperaturen lieber ins Schwimmbad oder in den Biergarten, ist die Erfahrung von Dieter Popp vom BRK-Blutspendedienst. Foto: Franziska Kraufmann, dpa
Wie oft Horst Gack schon beim Blutspenden war, weiß er gar nicht so genau. "Über 200 Mal war es auf jeden Fall", sagt er. Aber die Zahlen interessieren ihn nicht, die Statistik ist ihm egal. Für ihn war nur wichtig, "dass ich helfen kann." Solche Leute wie Horst Gack würde sich Dieter Popp vom BRK-Blutspendedienst mehr wünschen. Denn Blut ist ein kostbares Gut und kann Leben retten. Doch die Bereitschaft in der Bevölkerung, zu einem Blutspendetermin zu gehen, hält sich in überschaubaren Grenzen.


Die Deutschen finden's gut

Obwohl 97 Prozent der Deutschen Blutspenden für gut befinden, finden nur wenige tatsächlich den Weg zu den Spendeterminen. In Bayern sind es 6,78 Prozent der spendefähigen Bevölkerung, in Bundesschnitt gar nur 3,5. "Das könnte besser sein", sagt Popp. Auch in Kulmbach.
Obwohl die Zahl hier bei 7,60 Prozent und damit knapp über dem bayerischen Durchschnitt liegt, ist für Popp noch Potenzial nach oben.
Zumal es in den Nachbarlandkreisen Kronach und Lichtenfels ein deutliches höheres Aufkommen an Blutspendern gibt. In Lichtenfels sind es 13,71 Prozent, damit liegt der Kreisverband auf Platz 2 im Freistaat. Auch Kronach kann sich mit 11,01 Prozent und Platz 7 sehen lassen. Der Kreisverband Kulmbach muss sich dagegen mit Rang 29 zufrieden geben.


Erstspender gesucht

Ein Problem ist: Während alters- und krankheitsbedingt zahlreiche Menschen als Spender ausscheiden, kommen zu wenig Erstspender nach. Wobei Erstspender jeden Alters willkommen sind, betont Dieter Popp. "Die müssen nicht 18, sondern können gerne auch 35 Jahre alt sein."
18 Jahre war Horst Gack, als ihn seine Mutter erstmals zum Blutspenden mitgenommen hat, erinnert sich der Rentner noch immer an seinen ersten Aderlass. Viele, viele weitere Termine sollten folgen. "Ich bin der Erste in der Region, der die 200 erreicht hat", erzählt er nicht ohne Stolz. Vergangenes Jahr wurde er dafür ausgezeichnet. Die Urkunden, die er für sein Engagement erhalten hat, hebt er in einer Schublade auf, für ihn sind sie nicht von großer Bedeutung. Helfen will er, mehr nicht.
Dass Horst Gack auch als Rentner noch immer topp fit ist (der bekennende Läufer ist jeden zehn bis 20 Kilometer unterwegs), führt übrigens er nicht nur auf den Sport zurück: "Vielleicht liegt es auch am regelmäßigen Blutspenden."
Doch für den Blutspendedienst wird es zunehmend schwerer, Termine abzuhalten. Denn erst ab 70 Teilnehmern lohnt sich der Aufwand. Und diese Zahl zu oft erreichen ist oft schwer, weiß Dieter Popp aus Erfahrung. Sonderaktionen bringen meist wieder etwas Schwung in die Spendenbereitschaft. Zum Beispiel, wenn sich Bürgermeister medienwirksam anzapfen lassen. So wie jüngst in Neuenmarkt. Da waren die Zahlen im Laufe der Zeit von 80 auf 60 Spender gesunken. Mit der Aktion stieg sie wieder auf über 100. Das freut Popp natürlich. Erfolgreich war auch eine Veranstaltung am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium.
In ländlichen Gebieten ist nach den Worten des 55-Jährigen ohnehin die Bereitschaft zum Blutspenden größer als in den Städten. Das bestätigt ein Blick in die Statistik. Denn die Metropolen Regensburg, Ingolstadt, Fürth, Augsburg, Nürnberg und München bilden - in der genannten Reihenfolge - die Schlusslichter bei der Spendenbereitschaft. In München gehen gar nur 0,38 Prozent der spendefähigen Bevölkerung zu den Blutspendeterminen.
Besonders gesucht wird übrigens die Blutgruppe Null negativ. "Das Blut vertragen alle. Aber nur 14 bis 15 Prozent der Bevölkerung haben diese Blutgruppe", so Dieter Popp, der als Gebietsreferent des BRK-Blutspendedienstes für die Spenderbetreuung und Terminorganisation in Lichtenfels, Kulmbach, Erlangen, Bamberg, Forchheim, Würzburg und Lauf zuständig ist.



Fragen und Fakten zum Thema Blutspende



Warum Blut spenden? Blut ist für viele Menschen überlebenswichtig. Derzeit spenden in Bayern nur knapp sieben Prozent der Bevölkerung, aber jeder Dritte ist einmal in seinem Leben auf ein Blutprodukt angewiesen.

Haupteinsatzgebiet Das meiste Blut - etwa 19 Prozent - kommt bei der Krebstherapie zum Einsatz.

Wer kann spenden? Blutspenden kann man vom 18. bis zum vollendeten 72. Lebensjahr. Frauen können viermal, Männer sogar sechsmal innerhalb von zwölf Monaten Blut spenden. Zwischen zwei Blutspenden muss ein Mindestabstand von mindestens 56 Tagen (acht Wochen) liegen.

Dauer Die Blutspende an sich dauert selten länger als zehn Minuten. Für den gesamten Ablauf sollte man etwa 60 Minuten einplanen.

Ausweis Zu jeder Blutspende ist ein Ausweis mit Lichtbild (zum Beispiel Personalausweis) oder der Blutspendeausweis mitzubringen.

Zahlen
(Stand 2015) Im Durchschnitt ließ sich jeder Spender 2,1 Mal im vergangenen Jahr anzapfen. 45 Prozent der Blutspender waren Frauen. Zu einem Blutspendetermin kamen durchschnittlich 103 Spender, die wiederum ein Durchschnittsalter von 39,7 Jahre (Frauen) und 42,9 Jahre (Männer) hatten.

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