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Interview

Ernährungswissenschaftlerin: Was das neue "Superfood" wirklich taugt

"Superfood" wie Chiasamen und Goji-Beeren stehen für Fitness, Schlankheit, Wohlbefinden. Ernährungswissenschaftlerin Daniela Graf erklärt, was dran ist.
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Foto: baibaz/Fotolia
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In den Regalen nahezu jedes Supermarktes begegnen wir neuerdings unbekannten Lebensmitteln, die alles können sollen: Sie verzögern angeblich das Altern, machen schlank und verhindern chronische Krankheiten wie Diabetes. "Superfood" nennt man natürliche, nicht industriell hergestellte Lebensmittel, die einen hohen Anteil an Mineralstoffen, Vitaminen, Proteinen, Enzymen, Aminosäuren und Antioxidanzien besitzen und deshalb besonders gesund sein sollen. Ernährungswissenschaftlerin Daniela Graf vom Max-Rubner-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, erklärt, welche Inhaltsstoffe wirklich darin stecken und wie super sie für eine gesunde Ernährung tatsächlich sind.

Marketing-Gag oder echter Nutzen: Was ist dran am sogenannten Superfood?
Daniela Graf : Die sogenannten Superfoods sind eigentlich nur Modeerscheinungen.
In den meisten Fällen handelt es sich um exotische Pflanzen, die reich an einem bestimmten Inhaltsstoff sind. Studien zum gesundheitlichen Nutzen dieser Superfoods gibt es in der Regel keine. Ich denke, die Tatsache, dass es bald jedes halbe Jahr ein neues Superfood gibt, belegt, dass keines dieser Produkte wirklich das in der Werbung angepriesene Allheilmittel ist.

Manche Nahrungsmittel sind unschlagbar in ihrem Nährstoffgehalt. Wie steht es mit Chiasamen?
Von den Chiasamen ist bekannt, dass sie recht interessante Inhaltsstoffe haben, aber gute Studien zur ernährungsphysiologischen Wirkung fehlen meines Wissens. Unser Körper braucht eine Vielzahl an unterschiedlichen Nährstoffen, zum Beispiel Vitamine und essenzielle Fettsäuren. Es gibt kein Lebensmittel, das allein den Körper ausreichend mit allen Nährstoffen versorgen kann. Jedes Lebensmittel enthält bestimmte Inhaltsstoffe und in Kombination mit anderen Lebensmitteln gleichen sich die "Schwächen" aus. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich abwechslungsreich zu ernähren.
Helfen die Mittel wirklich dabei, abzunehmen, den Blutdruck oder den Cholesterinspiegel zu senken?
Die meisten Superfoods werden angepriesen, weil sie einen besonders hohen Gehalt an einem bestimmten Inhaltsstoff haben. Studien, die eine Wirksamkeit belegen, fehlen jedoch. Es ist ein Irrglauben, zu denken, es würde reichen, ein bestimmtes Lebensmittel zu essen und dadurch kerngesund zu werden. Wer wirklich etwas für seine Gesundheit tun will, muss auf seinen gesamten Lebensstil achten.

Bei welchem Superfood muss man Nebenwirkungen fürchten?
Ich finde die Verwendung von Superfood in Form von Kapseln und Tabletten problematisch. Die Inhaltsstoffe sind in diesen Präparaten sehr konzentriert, es gibt dazu jedoch keine toxikologischen Untersuchungen. Inzwischen ist bekannt, dass auch die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe, die unter anderem für die gesundheitsfördernde Wirkung von Obst und Gemüse verantwortlich sein sollen, in großen Mengen negative Effekte haben können. So kann es zum Beispiel zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen.

Gibt es heimische Lebensmittel, die mithalten können?
Für eine ausgewogene Ernährung sind keine exotischen Superfrüchte notwendig. Unsere normalen Lebensmittel enthalten alles, was wir brauchen. Insgesamt ist die Versorgungslage in Deutschland sehr gut und es gibt kaum kritische Nährstoffe. Ausnahmen stellen hier lediglich Vitamin D und Folsäure bei Frauen, die einen Kinderwunsch haben, dar. Aber meines Wissens sind diese Nährstoffe in keinem Superfood in größeren Mengen enthalten.

Die Fragen stellte: Kirsten Niemann.



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