Kulmbach
Buchvorstellung

Erinnerungen an die Schulzeit im MGFG

Grafiker Wolfgang Boller hat im MGF zehn Jahre lang die Schulbank gedrückt. Aus seiner Anekdotensammlung wurde ein dickes Buch.
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Aus zehn Jahren Schulzeit am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium hat Wolfgang Boller - hier vor dem Haupteingang - unzählige Erlebnisse in einem Buch zusammengefasst. Foto: Peter Müller
Aus zehn Jahren Schulzeit am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium hat Wolfgang Boller - hier vor dem Haupteingang - unzählige Erlebnisse in einem Buch zusammengefasst. Foto: Peter Müller
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Haben Sie in den sechziger oder siebziger Jahren das Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium besucht? Wenn ja, welche Erinnerungen verbinden Sie damit? Vermutlich die gleichen wie Wolfgang Boller, der von 1959 bis 1969 am Schießgraben die Schulbank gedrückt hat. Nur: Der 67-jährige Grafiker und Heraldiker hat hunderte von Anekdoten und Erlebnisse niedergeschrieben: "Die wollte ich eigentlich nur auf einem Klassentreffen zum Besten geben, aber ich habe gemerkt, dass da mehr draus werden kann. Nach drei Jahren Recherche und Schreiben ist das Buch endlich fertig. Ich will das jetzt unter die Leute bringen, die Geschichten müssen raus."


Nicht mehr wiederholbar

Die Geschichten aus der guten alten Zeit - für Boller "ein Lebensabschnitt, der sich so wohl nicht mehr wiederholen lässt" - stehen unter dem Titel "Gebbes, Schnöff und Eiermüller". Das waren die Lehrer Karl Gebhardt, Rudolf Stubert und Karl Müller, die für Boller das MGFG damals geprägt haben. "Solche Charakterköpfe gibt es heute nicht mehr", ist er überzeugt.

Einer, dessen Unterricht kein ehemaliger Schüler vergisst, war Rudolf Stubert (Deutsch, Geschichte, Erdkunde). Berühmt-berüchtigt war der "Schnöff" oder auch "Schneff", Bollers damaliger Klassenleiter, für seine Striche wegen Vergesslichkeit oder schlechten Betragens. Bei fünf gab es einen Verweis, bei weiteren fünf einen Arrest. Seinen Spitznamen verdankte er einer Strafarbeit, die er einer Klasse aufgebrummt hatte: Zeichnen der gesamten Küste von Gibraltar bis Kap Deschnjew (nordöstlichster Punkt Russlands).

Die Gymnasiasten spielten dem Schnöff teils übel mit. Einmal bestellten sie ihm drei Schweinehälften, ein anderes Mal vier Kubikmeter Quarzsand. Und in einer Nacht- und Nebelaktion verdunkelten sie sämtliche Fenster seines Hauses mit schwarzer Farbe.

Über den Musiklehrer Karl Gebhardt alias "Gebbes", der mehrere Instrumente virtuos beherrschte und musikgeschichtlich ein wandelndes Lexikon war, schreibt Boller: "Dazu passten auch ... die gewellten Haare, die sich wie lockere Notenschlüssel zu einer Innenrolle nach hinten in den Nacken verloren." Nicht zu vergessen seine gelegentlichen "Arbeitsaufträge": Er schickte Schüler gerne mal mit dem leeren Geigenkasten zum Wirtshaus März am Röhrenplatz, um "zwaa Edelherb und a Bressagglaabla" zu holen.

Wenn Karl Müller, auch "Eiermüller" oder "Eierer" genannt, mit seinem leicht zerknitterten Anzug das Lehrerpult ansteuerte, fühlte sich der Autor in die Zeit der Feuerzangenbowle zurückversetzt. Die Schüler kamen irgendwann einmal darauf, dass Müller auf das Wort "Neckermann" reagierte und dann anstelle des Unterrichts die Vorzüge des Versandhandels pries. Seitdem brachten sie immer einen Katalog mit, wenn sie eine unangekündigte Prüfung, eine "Ex", vermuteten - mit Erfolg.


Das Bermuda-Dreieck

Nicht verschwiegen wird die Tatsache, dass das Kulmbacher Bier eine große Rolle bei der Gestaltung des Schullebens spielte. Boller skizziert dazu das "Bermuda-Dreieck, in dem immer wieder Gymnasiasten verschwanden, wenn auch nicht endgültig. Gemeint waren die Altstadt-Lokale Zunftstube, Kleines Rathaus und Eberhaken, die Stoff für köstliche Geschichten lieferten.


Auch ernste Themen

In seinem knapp 250 Seiten umfassenden Werk beschränkt sich Boller freilich nicht auf die Beschreibung von Lehrern und die Aufzählung von Schülerstreichen, sondern beleuchtet auch viele ernste Themen, die teilweise von Gastautoren verfasst wurden. So widmet sich Andy Hetz dem G 8 in Bayern ("Bildungsdesaster auf hohem Niveau") und beschreibt Edgar Früchtel (der frühere Oberstudienrat und spätere Leiter des CVG lebt jetzt in München) den Wandel in der schulischen Methodik und Lehrtätigkeit. Und Germanist Wolfgang Schoberth, heute auch freier Mitarbeiter der Bayerischen Rundschau, schildert ausdrucksstark, wie es ihm ergangen war, als er nach dem Studium als Lehrer ins MGF-Gymnasium zurückkehrte. Auszug: "Otto Bender, der meine desaströsen Mathe-Fähigkeiten zwei Jahre bis zum Abitur erdulden musste, begrüßte mich mit einer Herzlichkeit, die ich ihm, dem spröden, nüchternen Leistungsethiker, nie zugetraut hätte."

Das Buch - ein Muss für alle Ehemaligen und höchst interessant für jeden, den das Markgraf-Georg-Friedrich Gymnasium interessiert, macht Wolfgang Boller nicht reich ("Ich werde pro Exemplar rund vier Euro verdienen").


Wiedersehen mit der Jugendliebe

Es hat ihm aber ein höchst erfreuliches Wiedersehen beschert: Im Zuge der Recherchen traf er seine große Jugendliebe wieder, die heute bei Frankfurt lebt. Dem "Engel aus Maierhof" ist deshalb nicht nur ein großes Kapitel, sondern das ganze Buch gewidmet.


Die Person und das Buch

Wolfgang Boller wurde am 15. Februar 1949 in Kulmbach geboren. Von 1955 bis 1959 besuchte er die Volksschule im Oberen Schulhaus, von 1959 bis 1969 das damals als Oberrealschule bezeichnete Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium Kulmbach.
Im Militärdienst schlug er die Offizierslaufbahn ein und war als Austauschoffizier bei den US-Streitkräften in Grafenwöhr tätig; anschließend absolvierte er als Major der Reserve jährlich Wehrübungen im In- und Ausland.

Beruflicher Werdegang Nach der Ausbildung zum Gebrauchsgraphiker war er in Firmen der Nahrungsmittel-, Möbel- und Kinderbekleidungsindustrie tätig (Werbeleiter, Chefredakteur, Layouter, Art Director).
Mit seinem Vater Georg († 1998) gründete er 1986 das Studio für Genealogie und Heraldik, das er von 1989 bis 2000 nach Thüringen verlegte. Seit 2010 ist er als freischaffender Grafiker und Heraldiker, Restaurator und Kunstmaler wieder in Kulmbach (Petzmannsberg 8).
Nebenbei betrieb Boller von 1992 bis 1996 die "Künstlerklause" in Leutenberg, damals kleinstes Lokal Deutschlands mit 13 Sitzplätzen auf 11,69 Quadratmetern, aber 250 Sitzplätzen im Biergarten.

Freizeit 1986 Eintritt in die Gälische Loge der Freimaurer Argyll, Schottland; 2004 Ernennung zum Senator des Mainleuser Carneval Clubs; 2006 Ritterschlag zum Mitglied im "Weltbund der Weinritter" (Internationaler Autonomer Bruderschaftsorden); 2008 Berufung zum Komtur der Region Kulmbach - Oberfranken; 2009 Ernennung zum Ehrenritter der Rossperger Ritter vom Schenken.

Planungen Weitere zwei Bücher über die achtjährige Militärzeit und die berufliche Laufbahn sind angedacht.


Das Buch
Wolfgang Boller: Gebbes, Schnöff und Eiermüller, 248 Seiten, Format 165 x 220 mm, Erstauflage 450, Preis 18,80 Euro; erhältlich bei der Buchhandlung Friedrich, Tabakwaren Ködel, in den Gaststätten Zunftstube, Weberhof und Roberts, bei der Tourismuszentrale sowie am MGFG und am CVG.

Lesung Der Autor lädt am Mittwoch, 13. April, ab 13 Uhr in die Buchhandlung Friedrich am Holzmarkt ein.

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