Kulmbach
Prozess

Er wollte fünf Minuten sparen und verursachte einen schweren Unfall

Im Juli verletzte sich ein Motorradfahrer beim Überholen eines Lkw, als dieser plötzlich ausscherte. Nun stand der Unfallverursacher vor Gericht.
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Der Unfallverursacher räumte gleich zu Beginn der Verhandlung am Amtsgericht ein, dass er den Unfall verursacht hat. Foto: Lisa Kieslinger
Der Unfallverursacher räumte gleich zu Beginn der Verhandlung am Amtsgericht ein, dass er den Unfall verursacht hat. Foto: Lisa Kieslinger
Der 19-jährige Angeklagte wollte an diesem Tag fünf Minuten auf dem Weg zum Metzger sparen. Deshalb hat er mit seinem Auto die Abkürzung über den Feldweg von Azendorf nach Kasendorf genommen, der nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben ist. Für ein Ehepaar aus Schönbrunn (Landkreis Wunsiedel) hatte diese Entscheidung schwerwiegende Folgen. Laut Anklageschrift ist der Angeklagte am 12. Juli 2016 von Azendorf auf dem Flurbereinigungsweg Richtung Kasendorf gefahren. Bei der Kreuzung angekommen, bog er, ohne groß zu schauen, auf die Staatsstraße ab - und das obwohl sich ein Lkw näherte. "Der Lkw scherte aus, um einen Zusammenstoß zu vermeiden", liest der Staatsanwalt weiter vor.

Zum gleichen Zeitpunkt überholte ein 59-jähriger Motorradfahrer mit seiner Sozia den Lkw. "Als ich in der Mitte der Ladefläche ankam, scherte der Lkw plötzlich aus", erklärt der Geschädigte, der zu diesem Prozess als Zeuge geladen war. Der Motorradfahrer landete bei dem Manöver im Straßengraben. "Gegen den Lkw hätte ich keine Chance gehabt", erklärt der 59-Jährige, der seit 40 Jahren Motorrad fährt. Warum der Lkw ausscheren musste, dazu konnte weder der Geschädigte, noch seine Frau, die mit auf dem Motorrad saß, etwas sagen. "Das haben wir ja nicht gesehen", sagt sie. Doch dazu mussten sie auch nichts sagen. Gleich zu Beginn der Verhandlung räumt der Angeklagte ein, dass er den Unfall verursacht hat. "Es war eine Riesendummheit, dass ich diesen Weg genommen und nicht richtig geschaut habe ", erklärt er vor Gericht.

Es tue ihm sehr leid, was passiert ist. Vor der Verhandlung entschuldigt sich der Angeklagte bei den beiden Geschädigten. "Ich konnte das nicht annehmen", erzählt die Zeugin. Die Bilder im Kopf seien noch zu frisch. Zudem habe sie Angst um ihren Mann. "Wir wissen noch nicht, wie das ausgeht", sagt sie. Während ihre Sprunggelenksverletzung vom Unfall bereits verheilt ist, hat ihr Mann noch mit den Folgen des Unfalls zu kämpfen.

Dies bestätigt auch eine Bescheinigung des behandelnden Orthopäden, die erst vor einer Woche ausgestellt wurde. Die Beweglichkeit der Schulter sei weiter eingeschränkt. Wie lange der Heilungsprozess noch dauert, könne nicht gesagt werden. Auch der Trümmerbruch des Schlüsselbeins macht dem 59-Jährigen noch zu schaffen - trotz Operation. "Wenn ich mich auf die rechte Seite lege, habe ich starke Schmerzen", erklärt er dem Richter. Ein Vierteljahr sei er krankgeschrieben gewesen.


Gravierende Folgen des Unfalls

Jugendgerichtshelfer Stefan Fürst kann bei der Verhandlung nicht dabei sein. Aus seiner schriftlichen Beurteilung geht hervor, dass er bei dem Angeklagten wegen einer sozialen Verzögerung das Jugendstrafrecht für angemessen hält. Anders sieht das der Staatsanwalt. Er fordert im Erwachsenenstrafrecht eine Geldauflage von 30 Tagessätze zu je 30 Euro.

Richter Christoph Berner hält sich in seinem Urteil an das Jugendstrafrecht. Im Strafmaß ändert das jedoch nicht viel: Der Angeklagte muss innerhalb von sechs Monaten 900 Euro zugunsten der Geschwister-Gummi-Stiftung zahlen. Rechtsmittel können eingelegt werden. "Es war ein Moment kurzer Flüchtigkeit mit gravierenden Folgen. Hüten Sie sich in Zukunft vor solch leichtsinnigen Aktionen", mahnte der Richter.

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