Kulmbach
Geschichte

Entdeckertouren auch für alteingesessene Kulmbacher spannend

Auch Kulmbacher, die ihre Heimatstadt gut kennen, kommen bei den Entdeckertouren mit Erich und Marcus Olbrich manchmal aus dem Staunen nicht heraus.
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Die Resonanz bei der ersten Entdeckertour war riesig: Mehr als fünfzig Interessierte wandelten auf den Spuren der Stadtgeschichte. Foto: Sonny Adam
Die Resonanz bei der ersten Entdeckertour war riesig: Mehr als fünfzig Interessierte wandelten auf den Spuren der Stadtgeschichte. Foto: Sonny Adam
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Die Runde, die sich Erich Olbrich und sein Enkel Marcus bei ihrer ersten Entdeckertour vorgenommen haben, kennt jeder Kulmbacher in- und auswendig. Es gehr vom Rathaus durch die Obere Stadt bis zur Gaststätte "Schwanenbräukeller".


Längenmaße neben der Rathaustür


"Ich erkläre das, woran man eigentlich vorbei läuft", kündigt der zwölfjährige Marcus an. Schon am Rathaus bringt er die ersten Teilnehmer zum Staunen. Denn dort zeigt er zwei unscheinbare Stäbe aus Metall. Sie sind gleich neben der prachtvollen Rathaustür angebracht. "Das Kurze ist das Maß für einen Fuß - in Kulmbach waren dies 29 Zentimeter, das andere ist das Maß für die Elle - in Kulmbach 83 Zentimeter", erklärte der Zwölfjährige, der sich sehr für Geschichte interessiert.

Dass diese Maße öffentlich ausgehängt werden mussten, hatte einst einen tieferen Sinn. Denn in anderen Städten galten andere Maßeinheiten - in Nürnberg beispielsweise war die Elle nur 65 Zentimeter lang.

Doch es sind nicht nur die kleine historischen Spitzfindigkeiten, die Marcus Olbrich gerne erklärt, sondern auch Inschriften. Gleich hinterm ehemaligen Vereinshaus, neben der Apotheke prangen die Initialen VDMIE. Diese Buchstaben sind die Abkürzung für die lateinische Botschaft "Verbum Domini manet in eternum" ( Gottes Wort bleibt in Ewigkeit), wie der Siebtklässler des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums übersetzt.


"Got sichts und richts"


Bei der Entdeckertour weisen Opa und Enkel Olbrich auf Sütterlin-Inschriften hin, auf Umbauten und Renovierungen. Über einem griechischen Lokal in der Oberen Stadt prangt über dem Eingang ein Puttenengel. "Got sichts und richts" ist da zu lesen. Wieder eine Inschrift, die vielen wohl noch nie aufgefallen war.

Kurios sind auch dieTafeln bei der Spitalkirche. Bekannt ist, dass diese eine lateinische Inschrift und jeweils die deutsche Übersetzung zeugen - doch da gibt es Unterschiede. Da kam sogar Rainer Grampp, ein Geschichts-Ass, der oft sogar die passenden Jahreszahlen zu den Ausführungen der Olbrichs parat hat, ins Staunen.

Erich Olbrich zeigt die doppelte Stadtmauer mit ihren verborgenen Eingängen. "Früher haben die Lehrer diese geschichtlichen Dinge mit den Kindern im Heimat- und Sachkundeunterricht durchgenommen, dieses Wissen wollen wir heute bei der Entdeckertour vermitteln", erklärt er.


Erstaunliche Erkenntnisse


"Ich laufe so oft durch die Obere Stadt, aber viele dieser Tafeln und Inschriften habe ich wirklich noch nie gesehen. Das ist wirklich erstaunlich", zeigt sich Helga Lormes, Lehrerin am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium, beeindruckt. Und auch ihre Kinder sind begeistert. Denn sie können bei der Führung eine echte Kanonenkugel in die Hand nehmen. "Ja, ich glaube schon, dass man damit richtig was kaputt machen kann", kommentiert Jonathan.

"Ich interessiere mich vor allem für die Schwanenbräu. Deshalb bin ich bei der Entdeckertour dabei", erzählt Udo Rotkegel und freute sich schon auf den Schlusspunkt der Tour.

Konzipiert ist die Entdeckertour übrigens für geschichtlich Interessierte und solche, die es werden wollen. Die Teilnahme ist kostenlos, allerdings wird um Spenden für die Aktion "Franken helfen Franken" gebeten - für bedürftige Kinder in Kulmbach. Der Betrag wird natürlich auch in diesem Jahr wieder vom Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken aufgestockt. Seit der Gründung sind bereits mehr als 277 000 Euro zusammengekommen.


Das sind die Termine


In diesem Jahr sind sechs Entdeckertouren geplant, im nächsten Jahr weitere vier. Telefonische Anmeldung unter der Nummer 09221/9588-0. Die Termine (Treffpunkt sowei nicht anders angegeben ist jeweils um 14 Uhr am Rathaus): 19. Juni: Spitalgasse bis Langheimer Amtshof; 17. Juli: Waaggasse, Schießgraben und Petrikirche; 14. August: Oberhacken bis Weiherdamm; 18. September: Reinheitsgebot vom Spiegel bis zur Blaich (Treffpunkt 14 Uhr Schwanenbräu-Parkplatz ); 9. Oktober: Langgasse bis zum Kriegerdenkmal.


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