Ludwigschorgast
Apotheken-Schließung

Eine bittere Pille für Ludwigschorgast

Judit Vasady-Kovacs hat ihre Ludwigschorgaster Landapotheke geschlossen - zum Bedauern vieler Bürger, die jetzt über eine Versorgungslücke klagen. Einen Nachfolger hat die 72-Jährige nicht gefunden. Auch Bürgermeisterin Doris Leithner-Bisani spricht von einem großen Verlust.
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Zum letzten Mal sperrt Judit Vasady-Kovacs die Tür ihrer Apotheke ab. Foto: Tobias Braunersreuther
Zum letzten Mal sperrt Judit Vasady-Kovacs die Tür ihrer Apotheke ab. Foto: Tobias Braunersreuther
Eine bittere Pille musste die Ludwigschorgaster Bevölkerung schlucken. Denn die Land-Apotheke im Ort gibt es nicht mehr. Nach zwölf Jahren hat Inhaberin Judit Vasady-Kovacs ihr Geschäft vor wenigen Tagen aufgegeben. Diesen Schritt begründet sie mit ihrem Lebensalter und der erfolglosen Suche nach einem Nachfolger. "Ich habe im Kollegenkreis nachgefragt, in der Fachpresse inseriert, sogar Flyer auf dem Apotheker-Kongress verteilt", erläutert die 72-Jährige ihre Bemühungen. Alles sei vergeblich gewesen.


"Eine schöne Zeit"

Die gebürtige Ungarin war Apothekerin mit Leib und Seele. 50 Jahre lang. "Eine schöne Zeit", sagt sie. Deshalb auch ihr wehmütiger Blick zurück. Der Einstieg in ihr Berufsleben hatte bereits in ihrem Heimatland begonnen. 1967 kam Judit Vasady-Kovacs nach Deutschland und übernahm 1986 die Nikolai-Apotheke in Kulmbach.
"Zum 60 . Geburtstag im Jahr 2003 habe ich mir dann einen Traum erfüllt und eine kleine Apotheke auf dem Land in Ludwigschorgast eröffnet", erzählt sie.


Kundennähe war das Repzept

Hier habe sie das erlebt, was sie immer gewollt habe: eine familiäre Atmosphäre. 80 Prozent ihrer Stammkunden kamen aus Ludwigschorgast und Kupferberg. Da kannte man sich persönlich, duzte sich oft. Kundennähe war ihr Erfolgsrezept.


Ein Stück Lebensqualität

Zum Bedauern von Bürgermeisterin Doris Leithner-Bisani (CSU) verliert die Gemeinde ein Stück Lebensqualität. "Die gute Versorgung mit Arzt und Apotheke waren ein Teil der Attraktivität des Dorfes." Die Leute würden auch das Angebot an Drogerieartikeln vermissen sowie die monatliche Teestunde, die beliebter Kommunikationstreff gewesen sei.


Es trifft ältere Menschen

"Schade", sagt Heinrich Kraus (88), der den Service der Apotheke vor Ort zu schätzen wusste. "Gerade ältere Menschen, die meist nicht mehr mobil sind, müssen jetzt ihre Medikamente auswärts besorgen." Ähnlich sieht Helga Hohner (77) den Verlust der wichtigen Einrichtung. "Ich hatte in Ludwigschorgast den kürzesten Weg zur Apotheke. Das ist nun vorbei."


"Das alles wird mir fehlen"

Danke sagt Judit Vasady-Kovacs ihren Mitarbeiterinnen, den Patienten und Kunden für dasVertrauen. Über die entgegengebrachte Zuneigung und die netten Gespräche in den letzten Wochen habe sie sich gefreut. "Das alles wird mir fehlen!"

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