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Kulmbach
Stadtumbau

Ein steiniger Weg zum neuen Zentralparkplatz in Kulmbach

13,5 Millionen Euro verschlingen die Sanierung der Tiefgarage und die Umgestaltung des Zentralparkplatzes - ein Projekt, das nicht einfach umzusetzen ist.
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So soll der neue Zentralparkplatz aussehen. An der Grabenstraße (im Hintergrund) wird eine Allee geschaffen.Visualisierung: Stadt Kulmbach
So soll der neue Zentralparkplatz aussehen. An der Grabenstraße (im Hintergrund) wird eine Allee geschaffen.Visualisierung: Stadt Kulmbach
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"Wir werden es nicht schaffen, allen gerecht zu werden." OB Henry Schramm (CSU) machte am Dienstag bei der Infoveranstaltung in der Dr.-Stammberger-Halle gleich zu Beginn deutlich, dass die geplante Sanierung der Tiefgarage und die Umgestaltung des Zentralparkplatzes auch auf Widerstand stoßen werden. "Es ist eine der größten Baumaßnahmen. Es wird immer Einschränkungen geben, die den Einen weniger, den Anderen mehr treffen."

In der Diskussion waren dann erwartungsgemäß auch kritische Stimmen von Anwohnern wie Geschäftsleuten zu hören, die große Beeinträchtigungen während des zweijährigen Bauvorhabens befürchten. Schramm bat vor 200 Besuchern um einen Vertrauensvorschuss und äußerte einen Wunsch: "Ich hoffe, dass nach der Fertigstellung alle Kulmbacher sagen: Na ja, das ist ja ganz schön geworden."


Sanierung nicht ausreichend

Ausgangspunkt für die 13,5 Millionen Euro teure Maßnahme war die Tatsache, dass die Tiefgarage marode ist. Um in den Genuss einer Förderung zu kommen, habe deren Sanierung allein nicht gereicht, so Schramm. Man habe eine wesentliche Aufwertung des Ist-Zustandes benötigt. Den Mehrwert erhalte man durch die Umgestaltung des Zentralparkplatzes und seines Umfeldes, sodass die Stadt auf eine bis zu 80-prozentige Förderung hoffen kann. Der Platz wird laut OB barrierefrei gestaltet, die Tiefgaragen unter dem Zentralparkplatz und der Stadthalle werden durch einen Durchstich verbunden.


Das sagen die Planer

Geplant hat das Vorhaben die Architektengemeinschaft H2M (Kulmbach) und club L 94 (Köln), die den ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hat. Johannes Müller von H2M und der Kölner Landschaftsarchitekt Burkhard Wegener stellten die Pläne vor. Müller machte deutlich, dass durch die Neugestaltung des Areals ein räumlicher Zusammenhang zwischen dem großen Parkplatz und der Stadthalle geschaffen werde. Um Tiefgaragen und Zentralparkplatz verkehrsmäßig zu erschließen, werde ein großer Kreisverkehr an der Ecke Sutte/Webergasse entstehen. Ein kleinerer Kreisel wird an der Kreuzung Grabenstraße/Sutte gebaut. Von der jetzigen alten Tiefgarage, die statische Defizite aufweise, wird laut Müller nicht viel übrig bleiben. Die neue Tiefgarage werde auf modernsten Stand gebracht.


Eine Allee ist geplant

Wie Burkhard Wegener erläuterte, soll der neue Zentralparkplatz ein freundlicher Eingang in die historische Innenstadt sein. Als Oberflächenbelag würden Granitplatten verlegt, mit denen man einen Bezug zum Kopfsteinpflaster in der Altstadt schaffe. Der Platz selbst werde seine Funktionalität als Festplatz behalten, werde aber an Aufenthaltsqualität gewinnen. Einen Beitrag dazu soll eine Allee aus Bäumen leisten, die an der Grabenstraße angelegt wird. Auch Ruhebänke und Pflanztröge würden aufgestellt.


Kommt ein "Bierbrunnen"?

Die Verkehrsfläche werde reduziert, dafür würden größere Gehwege geschaffen. Busse können dann nicht nur an der Stadthalle, sondern auch in der Klostergasse in Höhe des Reisebüros "Sonnenklar" halten. Eine Vision sei es, am dortigen Zugang zum Zentralparkplatz einen "Bierbrunnen" in Form eines alten Sudkessels zu schaffen. Die Finanzierung ist fraglich. Wie OB Schramm mitteilte, wird der Brunnen nicht gefördert.


Startschuss schon im März

Der Leiter der städtischen Tiefbauabteilung, Ingo Wolfgramm, stellte den Zeitplan vor. Mit den Vorarbeiten werde schon im März begonnen. Der Rückbau der Tiefgarage müsse bis zum 15. Juli abgeschlossen sein, um das Bierfest durchführen zu können. Die Tiefgarage sei daher für vorbereitende Maßnahmen ab Mai gesperrt. Da es zu Erschütterungen kommen werde, werde an 35 Anwesen, Gebäuden und Grundstücken eine Beweissicherung durchgeführt. Ab dem 15. August wird laut Wolfgramm die Baustelle eingerichtet und dann mit der Sanierung der Tiefgarage begonnen. Die Geschäfte sollen erreichbar bleiben. Um den Brandschutz sicherzustellen, müssten bei zwei Anwesen Treppentürme als zweiter Fluchtweg aufgestellt werden.


Vor Weihnachten "Decke drauf"

Ziel sei es, "dass vor Weihnachten die neue Decke auf der Tiefgarage drauf ist". Dann könnte man den Innenausbau vornehmen. Das Bierfest 2017 soll auf dem Platz stattfinden. Das Umfeld werde erst im Anschluss gestaltet. Das letzte Projekt wird laut Wolfgramm im April 2018 mit dem Neubau des großen Kreisels in Angriff genommen.


Das sagen die Anwohner

In der Diskussion äußerten sich vor allem Anwohner und Geschäftsleute. Claudia Eichhorn vom "Ideenreich" beklagte wie andere Ladeninhaber, dass während der Bauphase eine Bushaltestelle in der Webergasse eingerichtet wird. Diese nehme die für Kunden dringend benötigten Kurzzeit-Parkplätze weg. Dass die Geschäfte durch Bushaltestelle und Baustelle vom Lärm "eingekesselt" werden, befürchtet Stefan Schaffranek, der nicht nur als Zweiter Bürgermeister, sondern auch als Chef des Reisebüros sprach.


Hauseigentümer ist erbost

Erbost zeigte sich Dieter Kaiser darüber, dass in der Klostergasse eine Bushaltestelle geschaffen wird. "Das ist ein Affront gegenüber den Hausbesitzern. Ich werde mir rechtliche Schritte vorbehalten", sagte Kaiser. Stadtrat Sigmund Huhn, Besitzer der dortigen Apotheke, beklagte, dass auch hier durch die Haltestelle Kurzzeit-Parkplätze wegfallen. Er regte an, als Ausgleich in der Klostergasse das Parken am linken Straßenrand zu ermöglichen.
Zur Frage, wie der Verkehr während der Bauphase geregelt wird, machte Ingo Wolfgramm deutlich, dass die Sutte zumindest bis zum Bierfests 2017 immer befahrbar sein wird.


Gegen "Betonplätze"

Applaus bekam Stefan Schaffranek, der die dargestellten Abgänge zur Tiefgarage als "Betonplätze" bezeichnete und sich eine freundlichere Gestaltung wünschte. Dass die Abgänge noch einmal überdacht werden und bei der Gestaltung neben einem veränderten Beton Holz- oder Glaselemente in Frage kommen, machte H2M-Architekt Stephan Häublein deutlich.


Vorschläge werden geprüft

Man werde die Vorschläge prüfen und da, wo es möglich ist, nach Verbesserungen suchen, versicherte OB Schramm und führte an: "Wir wollen niemanden ärgern. Wir wollen die Belastungen durch die Baustelle möglichst gering halten."
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