Kulmbach

Ein Säbel für Ruhm und Vaterland

Im Armeemuseum Friedrich der Große auf der Plassenburg ist die Waffe eines Husaren-Offiziers um 1740/1750 ausgestellt. Es handelt sich um die prächtigste Blankwaffe aus der altpreußischen Zeit.
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Äußerst aufwendig gestaltete Knöchelschild des Gefäßes bei diesem Husaren-Offizierssäbel, der auf der Kulmbacher Plassenburg ausgestellt ist. Foto: Bernd A. Windsheimer
Äußerst aufwendig gestaltete Knöchelschild des Gefäßes bei diesem Husaren-Offizierssäbel, der auf der Kulmbacher Plassenburg ausgestellt ist. Foto: Bernd A. Windsheimer
Seit je her wurden die Husaren ob ihrer prachtvollen osteuropäischen Ausrüstung und Furcht erregenden Frisur bewundert und beneidet und fanden nicht umsonst später Eingang in die Phantasiewelten der Operette des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die 1721 in Preußen aufgestellte kleine Husarentruppe rekrutierte sich zum größten Teil aus ungarischen Freiwilligen. Unter Friedrich dem Großen auf zehn Regimenter angewachsen, wurden sie als Schlachtkavallerie bei allen wichtigen miltärischen Ereignissen des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) entscheidend eingesetzt. Da Herkunft und Körpergröße keine Rolle spielten, die Truppe nur geringen Zwängen unterworfen war und Abenteuerlust im Vordergrund stand, erfreuten sich die Husaren eines großen Zulaufs bei Mannschaften und Offizieren. Außerdem durften sie ungestraft im Kriege plündern.


Die Chefs der einzelnen Regimenter hatten große Freiheiten bei der Ausgestaltung der Schmuckelemente der Uniform und der Wahl der Waffen. Bis in die 1770er Jahre konnten die Offiziere der einzelnen Husarenregimenter über die Form des Säbels je nach Geldbeutel selber entscheiden, wobei gewisse husarische Grundelemente des Gefäßes wie Hauptbügel und Mitteleisen einzuhalten waren.


Aufwendige Gestaltung

Völlig aus der Rolle fällt der hier vorgestellte Säbel um 1740/1750: Sofort ins Auge sticht der äußerst aufwendig gestaltete Knöchelschild des Gefäßes. Er zeigt zentral vor fein gepunztem Hintergrund den preußischen Adler mit Königskrone, der in den Krallen Schwert und Blitzbündel hält. Auf der Brust ist die Herrscherchiffre "FR" für Fridericus Rex (gemeint ist Friedrich der Große; reg. 1740-1786) eingraviert, die sich auch auf einer flankierenden kleinen Standarte wiederfindet. Darüber schwebt in einem wehenden Bandeau der Wahlspruch des Königs "PRO GLORIA ET PATRIA" (für Ruhm und Vaterland).

Das Ganze ist von Rocaillen und Trophäenbündeln umrahmt. Darunter sieht man einen gefesselten nackten Krieger, den man vielleicht als Kriegsgefangenen interpretieren könnte. Wer aber den Hang zur antiken Mythologie im 18. Jahrhundert kennt, wird in der Figur wohl den griechischen Halbgott Prometheus sehen müssen, der mit seiner unbändigen Willenskraft sogar den Göttern trotzte - ein moralisches Vorbild für jeden preußischen Husarenoffizier.


Daumenring für sicheren Schlag

Der Parierzapfen endet in einem sorgsam durchreliefierten Tierkopf. Zur sicheren Handhabung beim Schlag ist auf der Innenseite des Parierelements ein Daumenring angelötet. Die Griffkappe mit den für Preußen später so typischen pfeilförmigen Einkerbungen auf dem Rücken ist oben beidseitig mit kleinen Kampfszenen geschmückt. Das mit Rochenhaut belegte Griffstück unterstreicht die Offiziersstellung des Trägers, der sicherlich einen hohen militärischen Rang bekleidet hat. Das Messinggefäß zeigt noch Reste der ehemaligen Feuervergoldung.

Bei diesem prunkvollen Gefäß würde man eine ebenso hochwertig ausgestattete Klinge vermuten. Doch weit gefehlt. Der Säbel besitzt eine nur geringfügig gebogene 875 Millimeter lange Keilklinge mit Hohlschliff und Zug. Der einzige Schmuck besteht in einer in Messing eingelegten Marke, die einen Reichsapfel inmitten eines Perlenkranzes darstellt.

Der hier vorgestellte Säbel ist die prächtigste Blankwaffe aus der altpreußischen Zeit und über die Jahrhunderte hinweg nie verändert worden. Es sind zwei weitere Blankwaffen mit fast identischen Motiven auf dem Gefäß in Privatsammlungen bekannt, aber nicht in dieser Detailtreue und prunkvollen Ausstattung wie bei dem beschriebenen Stück.

Die Zuordnung dieses Säbels zur Waffengattung der Husaren ist in der wissenschaftlichen Forschung nicht ganz unumstritten. Da aber im Gegensatz zu den Kürassieren und Dragonern gerade die Husarenoffiziere größte Freiräume bei der Beschaffung ihrer Ausrüstung hatten, sollte man bei der bisherigen Zuordnung bleiben. Zudem bestätigt auch ein zeitgenössisches Portrait eines Offiziers vom Husarenregiment von Dewitz von 1748 die Tatsache, dass auch Husarenoffiziere Säbelgefäße mit muschelförmigem Handschutz geführt haben.

Der Offizierssäbel befindet sich in der Vitrine 33 des Armeemuseums Friedrich der Große, Plassenburg ob Kulmbach. Er ist, wie auch alle späteren Objekte dieser Serie, zur besseren Findung mit einer roten Schleife gekennzeichnet.
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