Walberngrün
Wintervergnügen

Ein Hauch von Alaska am Walberngrünger Gletscher

Sie wollen nur laufen, laufen, laufen ...: Schlittenhunde und ihre Gespannführer campieren im Frankenwald.
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Sie haben einen Drang zum Laufen, aber die Schlittenhunde-Rassen unterscheiden sich doch. Der Husky (links) ist schnell, aber nicht so kräftig. Der etwas größere und schwerere Malamute (rechts) ist nicht ganz so flink, kann aber mehr ziehen. Gutmütig sind beide, sagen Sonja Mehrbach und Jens Vießmann.  Foto: Klaus Klaschka
Sie haben einen Drang zum Laufen, aber die Schlittenhunde-Rassen unterscheiden sich doch. Der Husky (links) ist schnell, aber nicht so kräftig. Der etwas größere und schwerere Malamute (rechts) ist nicht ganz so flink, kann aber mehr ziehen. Gutmütig sind beide, sagen Sonja Mehrbach und Jens Vießmann. Foto: Klaus Klaschka
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"Keine Angst, die Hunde sind menschenfreundlich." Sonja Mehrbach hält ihren Siberian Husky an der Leine, allerdings ganz locker. Er würde keinen der Langläufer am Walberngrüner Gletscher angreifen, höchstens etwas nachlaufen. Drei Schlittenhund-Gespanne machen bereits den zweiten Tag Rast am Vereinsheim der SG Gösmes-Walberngrün. Ein Hauch von Alaska.


Zickzack geht nicht

Jens Vießmann hatte am langen Wochenende ein paar Hundesportfreunde eingeladen. Eigentlich war für sie die Loipe 1 einspurig reserviert. Aber die überwiegend flache Strecke war dennoch von Skilangläufern frequentiert. "Wir fahren dann lieber später, wenn die Loipe frei ist. Denn mit einem Hundegespann kann man nicht einfach so im Zickzack um die Leute herumwedeln", sagt Sonja Mehrbach.

Für die Musher, die Hundegespannführer, war also lange Kaffeepause angesagt. Die Hunde kampierten derweil draußen im Wohnmobil oder VW-Bus - ohne Standheizung. Schlittenhunde mögen keine Wärme - allerhöchstens 15 Grad. Für manche Rassen sind null Grad besonders kuschelig, klärt Sonja Mehrbach auf.


Vom Virus gepackt

Wie kommt man zu Schlittenhunden? Jens Vießmann lächelt und zieht die Schultern hoch. Irgendwann habe ihn halt der Virus gepackt.

Für Sonja Mehrbach war es eine mathematische Entscheidung: "Ich wollte einen möglichst großen, mein Mann eher einen kleinen Hund. So haben wir uns in der Mitte geeinigt." Und nachdem sie früher ausgiebig Laufsport betrieben hat, war ein Schlittenhund genau richtig. Einen nervösen oder aggressiven Hund konnte sie nicht gebrauchen. Schlittenhunde sind weder aggressiv noch mit einem Bewachungsinstinkt ausgestattet, sagt sie. Sie haben nur eine Leidenschaft: laufen, laufen, laufen - und das möglichst ausdauernd. 20 und 30 Kilometer am Stück.

Bei Wettbewerben geht es nicht darum, wer als Erster am Ziel ankommt oder eine Zehntelsekunde Vorsprung hat. Die Musher empfinden sich eher als gelassene Menschen, die keinen Rekorden nachjagen. Es geht ihnen um das Gemeinschaftserlebnis, eine lange Strecke zu bewältigen. Und um gegenseitige Unterstützung, falls sie auf der Strecke benötigt würde.


Vier reine Rassen

Doch Schlittenhund ist nicht gleich Schlittenhund. Die vier reinen Rassen Siberian Husky, Alaskan Malamute, Grönländer und der schneeweiße Samojede unterscheiden sich: Der Husky ist besonders schnell, aber nicht so kräftig wie der Malamute, den Jens Vießmann hält. Der Malamute ist etwas größer, nicht ganz so schnell, zieht aber wie ein Bulldozer. Mit ihrer Geschicklichkeit, ihrer natürlichen Intelligenz, Ausdauer und Widerstandsfähigkeit sind die Hunde wertvolle Helfer für die Menschen in extremen Regionen der Erde wie Alaska, Grönland oder Sibirien.

Hunde als Rudeltiere folgen einem Leithund. Einen guten Leithund beschreibt Sonja Mehrbach ganz lapidar: "Das ist der Hund, der am besten hört." Gelenkt wird das Gespann nämlich nur per Zuruf, dem der vorderste Hund folgt. Und den Tieren dahinter bleibt im Gespann ohnehin nichts anderes übrig, als der Richtung des Leithunds zu folgen.


Eine Etappe Tiefschnee

Bevor sich die Musher im gut geheizten SG-Vereinsheim mit heißem Kaffee aufwärmen, werden erst noch die Hunde draußen versorgt. Sie haben bis zum Gletscher schon eine erste Etappe querfeldein durch Tiefschnee hinter sich. Und - einer gibt den Ton an, die anderen stimmen ein - das ganze Rudel lässt durch ein lautes Heulen hören, dass auch Schlittenhunde vom Wolf abstammen.
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