Kulmbach
Urteil

Drogen zur Schmerzbewältigung

Mit einer glimpflichen Bewährungsstrafe kam ein 56-Jähriger aus dem Landkreis Kulmbach davon. Er kaufte und nahm im vergangenen Jahr insgesamt 25 Gramm Crystal Speed.
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Einen Prozess ganz ohne Zeugen gibt es eher selten am Amtsgericht. Gestern Mittag war es allerdings der Fall, als gegen einen 56-Jährigen aus dem Landkreis Kulmbach nach gut einer Stunde durch Richterin Sieglinde Tettmann das Urteil gefällt wurde.
Die Staatsanwaltschaft Bayreuth beschuldigte den Angeklagten eines Verbrechens nach dem Betäubungsmittelgesetz. Diesen Schuldvorwurf räumte der Angeklagte auch unumwunden ein, aber letztlich half ihm eine günstige Sozialprognose zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten.
Wie aus der Anklageschrift hervorging, hat der Angeklagte im August letzten Jahren zweimal zehn beziehungsweise fünfzehn Gramm Crystal Speed erworben und zahlte dafür 800 beziehungsweise 1200 Euro. Mit dem Erwerb von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge machte sich der Angeklagte damit in zwei Fällen strafbar.
Er gab an, die Menge ausschließlich für den Eigengebrauch erworben zu haben und verwies auf eine schwere Krebserkrankung und auf eine anstehende OP in der Schulter, die ebenfalls Schmerzen auslöste.
Um diese zu lindern, ließ er sich von einem früheren Arbeitskollegen das Betäubungsmittel mehr oder weniger "aufdrehen": "Ich hatte sehr starke Schmerzen und stand im Trancezustand. Da kam der Kollege zur mir und sagte mir, dass das Mittel gegen die Schmerzen hilft. Ich hatte keine Möglichkeit, es zu kontrollieren, um überhaupt zu wissen, welche Menge es ist, die mir vorgeworfen wird. Ich war wie berauscht und spürte keine Schmerzen mehr. Ich habe jeden zweiten oder dritten Tag was genommen."
Die Einnahme von Crystal Speed geschah dann bis kurz vor der Schulter-OP, die im September des Vorjahrs anstand. Danach folgte eine sechswöchige Reha-Maßnahme und seit der Operation nehme er auch keine Betäubungsmittel mehr zu sich. Er sei jetzt "clean" und könne dies auch durch eine Bestätigung des zuletzt behandelnden Klinikums nachweisen. Nachdem noch eine kleinere Menge von 0,5 Gramm Marihuana bei ihm gefunden wurde, war der Angeklagte mit deren Einziehung einverstanden, ebenso was das Handy anbelangt, mit dem die Bestellungen geordert wurden.
Aus dem Bundeszentralregister verlas Richterin Tettmann zwei Einträge und zwar eine vorsätzliche Körperverletzung im Jahr 2006, die dem Angeklagten eine sechsmonatige Bewährungsstrafe einbrachte, und einen Fall der Steuerhinterziehung aus dem Jahr 2012. Hier wurde er zu 30 Tagessätzen verurteilt.

Geschieden und arbeitslos

Seit 2007 ist der Angeklagte geschieden und neben zwei bereits erwachsenen Kindern sind aus der Ehe noch zwei heute 13 und 9 Jahre alte Kinder hervorgegangen. Derzeit ist der Angeklagte arbeitslos beziehungsweise im Krankenstand. Der rechtliche Status bedarf noch der Klärung.
Seit dem 2. Januar 2014 habe er eine neue Lebensgefährtin, die allerdings in Österreich lebt. Er habe auch vor, wieder zu arbeiten, dabei in der Bau- oder Objektbetreuung.
Rechtsanwalt Andreas Klostermeier warf ein, dass sein Mandant durch die schweren Krankheiten aus der Bahn geworfen wurde und sich um viele Angelegenheit einfach nicht mehr kümmerte. Derzeit laufe ein Antrag auf Betreuung und der Anwalt erklärte sich auch bereits bereit, die Betreuung für die Vermögens- und Gesundheitsvorsorge zu übernehmen.
In ihrem Plädoyer forderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Zusätzlich beantragte sie eine Geldauflage von 2500 Euro und ein Drogenscreening. Der Verteidiger hielt ein Jahr und vier Monate für schuldangemessen.
In ihrem Urteil stellte die Richterin fest, dass der Angeklagte eine schwere Zeit mit vielen Stolpersteinen hinter sich habe. Die Bewährungsstrafe läuft über drei Jahre zudem muss der Angeklagte 2000 Euro an die Geschwister-Gummi-Stiftung zahlen.
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