Die spannende Frage dürfte sein, ob die Aktenlage für den Angeklagten tatsächlich zu einer Verurteilung führt oder ob einer der Zeugen der Dumme ist, wenn er nicht die Wahrheit sagt. Entsprechende Anträge wurden seitens der Staatsanwaltschaft bereits angekündigt.

Über 20 Fälle


Doch von vorne: Der junge Mann mit Migrationshintergrund soll im Zeitraum von Ende 2009 bis März 2010 mehrere Rauschgiftgeschäfte im Raum Wirsberg/Marktschorgast getätigt haben. Dabei sollen in rund 20 Fällen 50 bis hundert Gramm hochwertigen Haschischs den Besitzer gewechselt und in weiteren Fällen Deals mit 200 bis 350 Gramm Haschisch über die Bühne gegangen sein. Am 4. Juni 2010 platzte aber ein weiteres Geschäft, weil die Ware so sehr gestreckt war, dass sie nicht weiterverkauft werden konnte.
In der Anklageschrift wirft Staatsanwältin Sandra Staade dem Angeklagten außerdem vor, sogar in die Justizvollzugsanstalt Bayreuth Haschisch verkauft zu haben. Der Kontakt zum Abnehmer sei über ein eingeschmuggeltes Handy aufgenommen worden.

Unschuld beteuert


Nach der Verlesung der Anklageschrift machte der 25-Jährige, der von Rechtsanwalt Wolfgang D. Schwemmer aus Bayreuth vertreten wird, von seinem Recht Gebrauch, zur Sache auszusagen. Eigentlich war es aber keine Aussage, sondern nur die Beteuerung, mit der Sache nichts zu tun zu haben.
Als Zeuge wurde dann ein 24-jähriger Russlanddeutscher aus dem Landkreis Kulmbach vernommen. Der Versandarbeiter war bereits wegen des gleichen Delikts zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Nachdem gegen ihn keine weiteren Verfahren im Gange sind, konnte er nicht - wie früher - von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. Er gab allerdings an, dass der Angeklagte mit den Geschäften nichts zu tun habe. Für ihn sei es eine Sache der Ehre, seinen Lieferanten nicht zu benennen.
Daraufhin wurde die Angklagevertreterin etwas ungehalten und forderte den Zeugen auf, die Wahrheit zu sagen. Dieser blieb jedoch dabei, von dem Angeklagten nie Stoff bezogen zu haben. Er sei lediglich einmal bei dessen Wohnhaus gewesen, behauptete er. Dabei habe er sich von dem 25-Jährigen aber nur Geld geliehen und die Bremsen an seinem Auto reparieren lassen.
Bei dieser Fahrt war auch der Endverbraucher des 24-jährigen Zwischendealers dabei. Dieser Drogensüchtige ist 31 Jahre alt und sitzt zurzeit in der Justizvollzugsanstalt Bayreuth ein. Er wurde von dort zur Verhandlung in Kulmbach vorgeführt. Er nahm die Sache recht locker und behauptete, den Angeklagten nicht zu kennen. Vielleicht habe er ihn schon mal gesehen. Er könne sich aber nicht mehr erinnern, die Sache sei schon zu lange her.
Als es darum ging, von wem der Stoff gezogen wurde, antwortete er nur lapidar: "Am Baum wird's nicht wachsen."
Dieser Zeuge war es allerdings, der bei einer polizeilichen Vernehmung den Angeklagten ins Spiel gebracht hatte. Sein Dealer habe bei dem Angeklagten den Stoff besorgt. Er konnte auch das Haus identifizieren, in dem der Angeklagte mit zwei Brüdern wohnt.

Aussage im Knast abgesprochen?


Staatsanwaltschaft und Gericht vermuten nun, dass die Aussagen vorher im Knast abgesprochen wurden, zumal der aus dem Gefängnis vorgeführte Zeuge bereits Kontakt mit dem Bruder des Angeklagten hatte, der ebenfalls einsitzt.
Weil noch die Vernehmung weiterer Zeugen erforderlich ist, hat das Schöffengericht für 7. August einen Fortsetzungstermin anberaumt.