Kulmbach

Diskussion in Kulmbach um die Windkraft-Millionen

Welche Gemeinden sollen von den Ersatzzahlungen der Windkraftindustrie in den bayerischen Naturschutzfonds profitieren? Dazu auch ein Kommentar.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Windpark Alladorf und Tannfeld ist bereits ans Netz gegangen. Für die Eingriffe in die Landschaft soll die Gemeinde Thurnau jetzt Ersatzzahlungen bekommen. Foto: Katharina Müller-Sanke
Der Windpark Alladorf und Tannfeld ist bereits ans Netz gegangen. Für die Eingriffe in die Landschaft soll die Gemeinde Thurnau jetzt Ersatzzahlungen bekommen. Foto: Katharina Müller-Sanke
Es schien eine Endlosdebatte zu werden, als der Kreisausschuss gestern über die Millionenzahlungen der Windkraftindustrie diskutierte. Es ging um die Verwendung von Ersatzgeldern für Eingriffe in Natur und Landschaft durch den Bau von Windenergieanlagen.


Wo das Geld herkommt

Der Landkreis Kulmbach hat hier Anspruch auf 1,1 Millionen Euro. Eigentlich auf noch mehr. Die Untere Naturschutzbehörde listete die bereits eingegangenen Zahlungen auf: 818.000 Euro für den Bereich Thurnau, 300.000 Euro für Zultenberg und 170.000 Euro für Schimmendorf/Kirchleuser Platte (eine zweite gleichgroße Rate folgt bei Inbetriebnahme der sieben Anlagen).

Besonders die Sprecher aus Thurnau - Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) und Veit Pöhlmann (FDP) - machten klar, dass es ihrer Bevölkerung nicht zu vermitteln wäre, wenn das Geld überall im Landkreis eingesetzt werden könnte. Es müsse wieder in den Thurnauer Gemeindebereich mit insgesamt 18 Windrädern zurückfließen.


Vorrang für betroffene Kommunen

"Die betroffenen Kommunen haben Vorrang", betonte auch Wirsbergs Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD). "Die Bürger vor Ort sollen sehen, wo die Gelder hingehen. Denn sie nehmen auch die Beeinträchtigungen der Landschaft in Kauf."

Laut Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) ist es jetzt zunächst wichtig, den Anspruch auf die Gelder anzumelden. Deshalb sei ein weit gefasster Beschlusstext notwendig: Naturschutzprojekte zur Sicherung und Optimierung beziehungsweise Vernetzung von Feucht- und Trockenlebensräumen im Landkreis Kulmbach. Man einigte sich ferner auf Söllners Formulierung, dass die konkreten Vorhaben insbesondere mit den Gemeinden abzustimmen seien, wo die Eingriffe in die Landschaft erfolgt sind.


Projektmanager: Ja oder nein?

Umstritten war zunächst, ob ein Projektmanager - befristet auf zwei oder drei Jahre - eingestellt werden soll. Da die Untere Naturschutzbehörde dessen Aufgaben nicht nebenbei erledigen könne und die Kosten komplett vom Naturschutzfonds getragen werden, stimmte der Ausschuss doch geschlossen zu.


KOMMENTAR: Nicht mehr als ein kleiner Trost

Immer gut, wenn Geld in den Landkreis Kulmbach fließt. Noch besser, wenn damit sinnvolle Projekte verwirklicht werden. So gesehen, kann man nichts gegen die zirka 1,1 Millionen Euro aus dem bayerischen Naturschutzfonds haben, auf die der Landkreis Zugriffsrecht hat.

Allerdings handelt es sich hier um Ersatzzahlungen - Ersatz für nachhaltige Eingriffe in die Landschaft. Nicht nur Enoch zu Guttenberg tut es in der Seele weh, was vielerorts mit der fränkischen Heimat ("Verspargelung") passiert ist. Wenn sich etwa im Thurnauer Oberland, am Tor zur Fränkischen Schweiz bei Zultenberg oder auf der Kirchleuser Platte 200 Meter hohe Windkraftgiganten erheben.

Es hört sich gut an, dass mit den Ersatzgeldern etwas für den Naturschutz getan werden soll - etwa die Sicherung von Bärwurzbeständen im Landkreis oder die Sanierung von Winterquartieren für Fledermäuse. Aber das dürfte, um nur ein Beispiel zu nennen, für die Bewohner der Kirchleuser Siedlung höchstens ein kleiner Trost sein: Sie haben täglich eine malträtierte Landschaft vor Augen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren