Kulmbach

Die pure Freude am Musizieren

Das Kulmbacher Kammerorchester und der Chor der St.-Johannes-Kirche in Trebgast brillierten bei ihren Auftritten in zwei überfüllten Kirchen. Die Aktiven versprühten die pure Freude am Musizieren.
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Das Kulmbacher Kammerorchester unter seinem Dirigenten Thomas Grünke beim Konzert in der Kirche "Unsere Liebe Frau". Foto: Stephan Herbert Fuchs
Das Kulmbacher Kammerorchester unter seinem Dirigenten Thomas Grünke beim Konzert in der Kirche "Unsere Liebe Frau". Foto: Stephan Herbert Fuchs
Es ist eine schöne Tradition: die stimmungsvolle musikalische Einstimmung auf die Weihnachtsfeiertage kurz vor dem Heiligen Abend durch das Kulmbacher Kammerorchester, diesmal in der Stadtpfarrkirche "Unsere Liebe Frau" und in der Kreuzkirche.


Die Stühle reichten nicht


Dirigent Thomas Grünke hatte erst im vergangenen Jahr mit dem Kulmbacher Kammerorchester sein Debüt gegeben. Er kommt aus Kasendorf und ist als Organist und Chorleiter in Trebgast tätig. Wie immer bei derartigen populären Weihnachtskonzerten waren auch diesmal beide Kirchen überfüllt, zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft werden, um alle Zuhörer unterzubringen.

"Bitte rücken sie noch etwas zusammen", appellierte Grünke schon am Nachmittag in der Kirche "Unsere Liebe Frau". Trotzdem mussten viele Zuhörer stehen.
Einmal mehr war das barocke weihnachtliche Programm bestens dazu geeignet, die Herzen der Zuhörer zu berühren und die Menschen auf das Fest einzustimmen.


Packende Kirchenmusik


Den Chor von der St. Johannes-Kirche in Trebgast hatte Thomas Grünke auch heuer wieder mitgebracht und diesmal das Gloria D-Dur RV 598 von Antonio Vivaldi als Hauptwerk einstudiert. Das ist eine echte Entdeckung, denn Vivaldi hat tatsächlich nicht nur hunderte von Konzerten und viele Opern, sondern tatsächlich auch packende Kirchenmusik geschrieben. Die Aufführung durch Kirchenchor und Kammerorchester lässt den opernhaften barocken Überschwang deutlich werden, der in allen Kompositionen des venezianischen Meisters zu Tage tritt.

Die unaufdringlich versierten Sängerinnen, die Sopranistin Marion Schmid und die Mezzosopranistin Birgit Muzzolini, gestalten dabei ihre kleinen aber anspruchsvollen Arien brillant und zupackend, der Chor singt fein abgestuft, das Oorchester spielt gekonnt und virtuos.


Herausragende Geigerin


Eine herausragende Leistung ist der Geigerin Lena Schaefer im spielerischen Violinkonzert E-Dur, BWV 1042 von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) zu bescheinigen. Sie zeichnet sich durch ein expressives Musizieren aus, das die virtuose Seite deutlich hervorkehrt: Wesentlich entspannter, dabei aber in keinem Moment spannungslos, agiert die Solistin im 2. Satz Adagio, in dem das Kammerorchester über seine bloße Begleitfunktion hinauswächst. Doch auch in den Ecksätzen agiert der Klangkörper alles andere als schmal und bietet eine rundum gelungene Interpretation.

Mal nicht das bekannte Weihnachtskonzert von Francesco Manfredini (1684 bis 1762), das sonst immer gespielt wird, sondern sein "Concerto in D-Dur für zwei Trompeten und Streicher" hatte Thomas Grünke ausgewählt. Die beiden Solisten sind mit Harald Streit und Norbert Lodes keine Unbekannten. Natürlich muszieren beide überaus zupackend und zeigen, welche Virtuosität in den spätbarocken Kompositionen des italienischen Meisters stecken.

Bei Harald Streit und Norbert Lodes klingt das alles nicht nach Technik, sondern nach purer Spielfreude. Die perlenden Figurenketten musizieren die beiden Trompeter makellos und die dynamischen Steigerungen gelingen bis ins Fortissimo mühelos. Das Kammerorchester begleitet dabei ganz subtil, setzt aber durchaus auch eigene Akzente.


"Halleluja" zum Abschluss


Natürlich gehören die Lieder zur Advents- und Weihnachtszeit zu den Konzerten, Thomas Grünke hatte diesmal "Nun jauchzet all, ihr Frommen" von Bartholomäus Gesius, "Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich" von Johann Herman, "Freuet euch, ihr Menschenkinder" von Felix Mendelssohn Bartholdy und das wunderbar stimmungsvolle "Weihnacht in den Bergen" von Michael Schmoll ausgesucht.

Schon Tradition ist es, dass am Ende Georg Friedrich Händels "Halleluja" aus dem Oratorium "Der Messias" erklingt, genauso wie der gemeinsamer Schlussgesang: "O, du fröhliche".
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