Kulmbach
Entdeckertouren 21

Die Wiege der Firma Ireks

Der Malzfabrikant Johann Peter Ruckdeschel kaufte 1870 das Anwesen Oberhacken 4. Seine Spuren finden sich daran noch heute.
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Den prächtigen Giebel des Hauses Oberhacken 4 zieren die Initialen "JPR" und der Spruch "Hopfen und Malz - Gott erhalt's".  Foto: Erich Olbrich
Den prächtigen Giebel des Hauses Oberhacken 4 zieren die Initialen "JPR" und der Spruch "Hopfen und Malz - Gott erhalt's". Foto: Erich Olbrich
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Kulmbach Ein wichtiges Stück Kulmbacher Wirtschaftsgeschichte ist mit dem Anwesen Oberhacken 4 verbunden. Dieses wird im Kern bereits 1534 erwähnt. Der Rentmeister Veit Zick wird hier als Erbauer genannt. Im Jahre 1800 erfolgt ein Umbau des Wohnhauses, und 1812 zieht hier der Destillateur Johann Conrad Schilp ein.
Von dessen Nachfahren kauft der Malzfabrikant Johann Peter Ruckdeschel 1870 das Gebäude, das somit neben der abgerissenen Eberlein-Mälzerei in der Spitalgasse als Wiege der Firma Ireks gelten kann.


Monogramm im Giebel

In der prächtig gestalteten Gaube ist auch oben das Monogramm des Firmengründers Johann Peter Ruckdeschel "JPR" kunstvoll aufgesetzt. Er beginnt nach seiner Rückkehr aus Amerika einen eigenen Mälzerei- und Brauereibetrieb aufzubauen. Seinen Beruf zeigt er stolz darunter in einem Relief mit den Traditionellen Werkzeugen der Brauer, Mälzer und Büttner an.

Der Name des international tätigen Unternehmens Ireks setzt sich auch aus den Initialen des Firmengründers zusammen: "Johann Ruckdeschel et Söhne, Kulmbach".

Nicht nur der Firmengründer hat an diesem Gebäude seine Initialen hinterlassen, auch sein Sohn Johann Andreas Ruckdeschel zeigte den Gästen seines Hauses, aber auch den vorbei gehenden Bürgern Kulmbachs, wer hier wohnte. Dabei fällt unser Blick auf die Eingangstür. Hier ist ein wunderschönes Beispiel der Schreiner- und Schlosserkunst zu sehen. Es fällt nur dem aufmerksamen Betrachter auf, dass der Handwerker zwei Buchstaben in das Gitter der Tür eingefügt hat. Im linken Türflügel ein "H" und im rechten ein "R". Johann Andreas Ruckdeschel (R) möchte allen Besuchern stolz zeigen, das er Luise Howeg (H) geheiratet hat. Die Familie Howeg wohnte nicht weit entfernt, in dem Gebäude der heutigen Volkshochschule und betrieb dort eine Weberei.


Backmittel auf Malzbasis

Johann Andreas Ruckdeschel betrieb in diesem Haus eine Gastwirtschaft, ist Bäcker, Mälzer und braut sein eigenes Bier. Er legt mit der Entwicklung des ersten mehlförmigen, diastatischen Backmittels auf Malzbasis einen Meilenstein in der Firmengeschichte. "Ruckdeschel's Milliose" ist aus den Backstuben nicht mehr wegzudenken.

Sein Sohn Albert Ruckdeschel wird hier im Oberhacken geboren. Er wird später Kommerzienrat, Ehrenbürger Kulmbachs und Namensgeber einer Straße. Die Familie Ruckdeschel wohnt noch bis kurz nach der Jahrhundertwende in der Innenstadt und zog dann in das neue Haus in der Lichtenfelser Straße um.
Die Mälzerei im Oberhacken produzierte bis 1964 und wurde 1972 abgerissen. Heute ist an dieser Stelle ein Parkplatz.


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