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Trebgast
Geschichte

Die Väter der Ortsverschönerung

Am 30. Mai 1892 wurde der Fremdenverkehrsverein Trebgast gegründet. Er war der Vorläufer des heutigen "Naturbühne Trebgast e.V.".
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Bergfest in Trebgast 1925
Bergfest in Trebgast 1925
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Er hat Trebgast aus dem Dornröschenschlaf eines unbekannten oberfränkischen Dorfes erweckt und dadurch auch den Fremden ein Stück weit bekannt gemacht hat - der Verschönerungs- und Fremdenverkehrsverein Trebgast, den es so eigentlich gar nicht mehr gibt. Am 30. Mai 1892 wurde er von Pfarrer J. Wolfgang Bencker zusammen mit weiteren honorigen Bürgern gegründet. Fast auf den Tag genau 125 Jahre später traf man sich nun auf den Wehlitzer Berg zu besonderen Feierstunde.
"Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten." Dieses Zitat von Ferdinand August Bebel nahm der Vorsitzende der Naturbühne Trebgast, Siegfried Küspert, zum Anlass, zu diesem Treffen einzuladen und an diesen bedeutenden Verein zu erinnern. Ziel dieses eingetragenen Vereins war es, Trebgast durch bürgerschaftliches Engagement nach vorne zu bringen, das Ortsbild zu verbessern, die Lebensqualität seiner Bevölkerung und das Heimatgefühl zu stärken. Küspert: "Man kann das durchaus mit dem heutigen ISEK (integriertes städtebauliches Entwicklungs-Konzept) vergleichen, wenngleich es damals natürlich weniger umfangreich und auch wesentlich kostengünstiger war."


Schuften vor der Schule

Erste Aktivität des neuen Vereins war das Anlegen eines Hangweges von der Kirche zum Wehlitzer Berg, um einen dort geplanten Festplatz besser an den Ort anzubinden. Eine Straße gab es noch nicht. Als der Steinbruch eines Hofer Steinmetz 1894 in Insolvenz ging, wurde die so genannte "Wehlitzer Leite" für 250 Reichsmark erworben. Das Gelände wurde von den Vereinsmitgliedern in Hand- und Spanndiensten eingeebnet und zum Festplatz gestaltet. Heute unvorstellbar: Die Schüler von Pfarrer Bencker mussten jeden Morgen zwei Stunden mit Hand anlegen.
Jetzt konnte auch das traditionelle Bergfest von der Karlsquelle weiter nach oben verlegt werden. Diese Bergfeste, die ab 1898 jährlich stattfanden, waren in der Region legendär. Nach und nach entstanden auf dem Festplatz eine Naturkanzel, eine Unterstellhütte und ein Bierkeller. 1912 fand mit über 3000 Besuchern die erste Großveranstaltung statt: Die Sonnwendfeier der Nationalliberalen Landespartei.
Ein 1916 gereifter Gedanke, am Wehlitzer Berg einen Heldenhain für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten entstehen zu lassen, wurde 1921 in die Tat umgesetzt. Kurz darauf wurde das heute noch im Original erhaltene Musikrondell erschaffen, und auf der heutigen Spielfläche der Bühne ein kleiner Bergsee angelegt. Im Dritten Reich kam das Vereinsleben zum Erliegen. Erst 1948 übernahm auf Drängen des damaligen Oberlehrers Konrad Held, dem Vater des späteren Bürgermeisters und Landrats Kurt Held, Konrad Küfner wieder die Initiative. So wurde am 27. Juni 1948 die Wiedergründung unter den Namen "Verkehrs- und Verschönerungsverein" geschafft.
Bereits 1950 fand das erste Bergfest nach dem Krieg statt. 1952 entstanden unter dem Vorsitzenden Fritz Heublein, dem Sohn des damaligen Landrats Theodor Heublein, auf dem Areal eine Gaststätte und die "Felsenklause". Gleichzeitig bekam der Kunstmaler Georg Holl, der in unmittelbarer Nachbarschaft gerade mit dem Aufbau des später weithin bekannten "Malergartens" beschäftigt war, den Auftrag, aus dem ehemaligen Steinbruch eine Naturbühne zu gestalten. Mit einer Schar schauspielfreudiger Frauen und Männer wurde 1953 im Verkehrs- und Verschönerungsverein eine Spielgemeinschaft gegründet. Das im gleichen Jahr aufgeführte Ritterschauspiel "Genoveva" bezeichnete die Bayerische Rundschau in ihrem Premierenbericht als "Höhepunkt des bisherigen kulturellen Schaffens im Leben der Gemeinde Trebgast." Der damals sechsjährige Siegfried Küspert gab als Pfalzgrafensohn "Schmerzensreich" sein Debüt als Schauspieler.
Das war die eigentliche Geburtsstunde der Naturbühne. Die ursprünglichen Aufgaben des Vereins, die Förderung des Fremdenverkehrs und die Ortsverschönerung, traten durch die Erfolge der Theateraufführungen immer mehr in den Hintergrund und verlagerten sich immer mehr auf die Schultern des Gartenbauvereins. Folgerichtig wurde 1975 der Name durch "Naturbühne Trebgast e. V." ersetzt. "Damit kann der Verkehrs- und Verschönerungsverein mit Fug und Recht als Vorgänger unseres heutigen Vereins bezeichnet werden", erklärte Siegfried Küspert.
Landrat Klaus Peter Söllner nannte Trebgast "eine Perle in unserem Landkreis und mit dem Aushängeschild Naturbühne überregional bedeutsam."

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