Das Angebot der Arbeitgeber nach der zweiten Tarifrunde vor wenigen Tagen in Höhe von einem Prozent mehr Lohn und Gehalt bezeichnete die Sprecherin als herbe Enttäuschung. Dies sei nichts anderes als eine Nullrunde, wenn man die Preissteigerungen mit einbeziehe.
Auf die anderen beiden Kernforderungen nach der unbefristeten Übernahme aller Auszubildenden und nach mehr Mitbestimmung beim Einsatz von Zeitarbeit (Leiharbeit), seien die Arbeitgeber gar nicht eingegangen. "Das lassen wir uns nicht gefallen", sagte Wankel. Man könne die allgemeinen zehnprozentigen Preissteigerungen nicht mit einem Prozent mehr Geld in der Tasche bezahlen.
Widersprüchlich sei das Verhalten der Arbeitgeberseite bei der Forderung nach einer unbefristeten Übernahme aller Auszubildenden. Auf der einen Seite würden die Unternehmer mit der Reduzierung von Arbeitsplätzen drohen, auf der anderen Seite beklagten sie schon jetzt, dass es viel zu wenig Bewerber gebe. "Eine unbefristete Übernahme würde doch die notwendigen Bewerber bringen", so Wankel. Nicht nachvollziehbar sei auch das Argument, dass sich Azubis bei einer fest stehenden unbefristeten Übernahme keine Mühe mehr geben würden. Ausbildungsordnungen und Prüfungen zögen sich schon jetzt durch die gesamte Prüfungszeit. "Zurücklehnen geht ohnehin nicht mehr."
Die Forderung nach mehr Mitbestimmung beim Einsatz von Zeitarbeitern entspreche schließlich lediglich der Forderung nach fairen Arbeitsbedingungen. "Faire Leiharbeit ist eigentlich keine Leiharbeit" sagte die Verhandlungsführerin. Es könne nicht angehen, dass Kollegen ausgebeutet und benutzt werden, um die angestammte Belegschaft in Angst und Schrecken zu versetzen. Sibylle Wankel bezeichnete die Leiharbeit deshalb auch als "moderne Form der Sklaverei". Es müsse doch in einer der reichsten Volkswirtschaften der Welt möglich sein, sichere Arbeitsplätze zu schaffen.
Zum aktuellen Aus für Schlecker übte Sibylle Wankel Kritik an der FDP, die meine, man könne sich profilieren, indem sie Landesbürgschaften verhindert. Jede Transfergesellschaft benötige Bürgschaften, sagte Wankel. Sie müssten entweder von einem Investor oder von der öffentlichen Hand kommen. Das Argument von Wettbewerbsverzerrungen ließ die Sprecherin nicht gelten. Da sollte die Politik zuerst einmal eine Gesetzesänderung herbeiführen. Es könne nicht angehen, dass Unternehmen, die zigtausende Beschäftigte haben, Milliarden umsetzen und Millionen verdienen, genauso geführt werden, "wie der Bäcker ums Eck", nämlich ohne jeden Kontrollmechanismus, da es in Personengesellschaften keinen Aufsichtsrat gebe.

Ein Interview mit Sibylle Wankel lesen Sie in der Bayerischen Rundschau.