Seubersdorf
Scheunenfestival

Die "Stagediver" hatten Hochkonjunktur

Am Samstagabend hatte Weismain, das Tor zum Jura, für ein paar Stunden seinen eigenen "Flugplatz". Der idyllische, rappelvolle Feuerwehrstadel in Seubersdorf wurde zum Start- und Landeplatz für die Stagediver aus Nah und Fern.
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Sängerin Nathalie Dombrowski von der Kapelle "Cycoside" schrie sich die Seele aus dem Leib, und die Stagediver wurden von den Fans auf Händen getragen. Foto: Stephan Stöckel
Sängerin Nathalie Dombrowski von der Kapelle "Cycoside" schrie sich die Seele aus dem Leib, und die Stagediver wurden von den Fans auf Händen getragen. Foto: Stephan Stöckel
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Die Fans stiegen auf die Bühne und sprangen mit weit ausladenden Armen, so als glichen diese den Flügeln von Ikarus, in die Menschenmenge, um sich auf dem Rücken liegend über die Woge der Begeisterung hinweg tragen zu lassen. Dass die Reise ins gelobte Hardcore-Land ohne Turbulenzen über die Bühne ging, dafür sorgte eine vierköpfige Crew vom Jura namens "Cycoside", die die Besucher aus dem Kulmbacher und Lichtenfelser Raum bei der Zugabe sogar ins Cockpit ließ: Voller Inbrunst sang ein vielstimmiger Fan-Chor auf der Bühne den "Agnostic Front"-Klassiker "Gotta Go" mit, der zum Schluss- und Höhepunkt eines erstklassigen Hardcore-Konzertes aus Intelligenz und Leidenschaft geworden war.

Organisiert hatte die Flugschau die Kulmbacher Musikszene mit dem Peestener Urgestein Brandy Schäck an der Spitze, von vielen Freiwilligen aus dem Dorf unterstützt.
Eingefunden hatte sich Alt und Jung - vom 17-jährigen Teeniepunker bis zur 57-jährigen Altrockerin.

André Müller von der Gruppe "Cycoside" hielt an diesem Abend nicht nur seine Gitarre in der Hand, sondern voller Stolz auch die erste CD der Band, die die Musiker aus den Landkreisen Kulmbach, Lichtenfels und Bayreuth sowie der Oberpfalz, auf den Namen "Let The Riot Begin" getauft hatten. "Der Titel, der so viel wie "Lasst den Krawall beginnen", bedeutet, soll den Startschuss für unsere Karriere symbolisieren", erzählte der Musiker.

Für viele Fans war es aber auch ein Wiedersehen mit der Kultband "Arrested Mind", die vor 16 Jahren in Seubersdorf ihr bislang letztes Konzert gegeben hatte. Voller Neugierde fieberten die Fans der Wiederauferstehung ihrer Idole, die in Altenkunstadt, Kulmbach und Berlin leben, entgegen. "Wie würden sich die alten Recken schlagen?", lautete die Kardinalfrage. Lars Bischoff (Gitarre), Bernd Walter (Bass), Simon Ries (Schlagzeug), Michael Thienel und Sascha Nießner (Gesang) taten es mit Bravour. Sie entfachten, wie es Schäck nicht besser hätte formulieren können "einen Hardcore-Orkan".

Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit wieder Musik zu machen? "Grandios. Auch wenn er hart ist, der Hardcore ist wie Honig für meine Seele. Mein Psychiater, der seit 16 Jahren meine seelische Erkrankung behandelt, begrüßt es, dass ich wieder musiziere", machte Nießner aus seinem Herzen keine Mördergrube. Für den einstigen Kulmbacher, der in Berlin eine zweite Heimat gefunden hat, hat das Festival auf dem Jura aber noch eine andere Bedeutung: "Es ist die Rückkehr in eine große Rock'n'Roll-Familie, in der jeder jeden kennt."

Obgleich die zwei Hardcore-Bands die meiste Begeisterung auslösten, die anderen Gruppen sollte man nicht unter den Tisch kehren. Die Kulmbach-Bamberger Formation "Evidence 399" war mit ihrem melodiösen, schnörkellosen Punk-Rock das laue Lüftchen vor den Tornados. Das i-Tüpfelchen auf ihren erstklassigen Auftritt war der Song "Goodbye", in dem sie äußerst stimmig Klassiker der deutschen Rockmusik wie "Verdamp lang her" von "Bap" und "Westerland" (Ärzte) einbauten.

Doch damit nicht genug: Die Oberpfälzer Band "Theory Of Mind" aus Pressath tauchte die Fans nach den aufwühlenden Hardcoretönen in ein fast schon entspannendes Klangbad. Manfred Riedl (Gesang und Bass), Peter Wiesenbacher (Gitarre), Georg Weyh (Gitarre) und Andreas Hampel (Schlagzeug) erschufen einen wuchtigen Stoner-Rock, der an atmosphärischer Dichte nichts zu wünschen übrig gelassen hatte.

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