Stadtsteinach
Wildtiere

Die Stadtsteinacher Auffangstation macht weiter

Sabine Witt kann vorerst aufatmen: Durch den Spendenaufruf hat die Stadtsteinacherin bislang knapp 6000 Euro für ihre Wildtierauffangstation zusammenbekommen. Sie kann ihre Arbeit deshalb fortsetzen - aber ohne finanzielle Unterstützung wird sie auch in Zukunft nicht auskommen.
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Der freche kleine Turmfalke ist ein neuer Pflegling in der Stadtsteinacher Wildtierauffangstation, der nun aufgepäppelt werden muss. Fotos: Sonja Adam
Der freche kleine Turmfalke ist ein neuer Pflegling in der Stadtsteinacher Wildtierauffangstation, der nun aufgepäppelt werden muss. Fotos: Sonja Adam
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Der Bau einiger Volieren ist teurer gewesen als veranschlagt. Das hätte die Wildtierauffangstation Oberfranken in Stadtsteinach fast die Existenz gekostet. Durch die Berichterstattung und Veröffentlichungen auf Facebook konnte die Station aber gerettet werden. "Wir haben bis jetzt 38 Spenden bekommen. Durch die Spendenaktion sind knapp 6000 Euro zusammengekommen, auch Sachspenden haben wir erhalten", zieht Sabine Witt eine Bilanz. 200 Euro hat auch der Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken "Franken helfen Franken" dazugegeben. Einige passionierte Häklerinnen haben sogar kleine Nestchen aus Wolle für die Jungvögel angefertigt und der Wildtierstation zur Verfügung gestellt.

Immer wieder neue Tiere

"Zur Zeit befinden sich viele Jungvögel in der Auswilderung: Amseln, Drosseln, Finken und etliche Spatzen. Das reduziert natürlich dann auf lange Sicht die Futterkosten. Aber es kommen ja auch immer wieder neue Tiere zu uns, die unsere Hilfe brauchen", sagt Witt. Denn die Saison ist noch lange nicht vorbei, vor allem zwischen April und Oktober werden viele Tiere gebracht.

Wann wie viele Tiere kommen kann Sabine Witt nie abschätzen. Denn das hängt immer von den Findern ab. Sie suchen sich die Nummer von der Wildtierauffangstation aus dem Internet, rufen dann direkt bei Sabine Witt an. Manchmal finden die Tiere auch über die Polizei oder über Tierärzte den Weg - oder sogar über andere Auffangstationen.

"So lange ich lebe, werde ich weitermachen - aber ich werde immer auf Spenden angewiesen sein und immer wieder um Hilfe bitten müssen", sagt Sabine Witt. Sie hat ihr gesamtes Privatvermögen für die Station eingesetzt und beherbergt auch Tiere im Haus. Obwohl sie berufstätig ist, um Geld für den Unterhalt der Station zu verdienen, versorgt sie die Tiere rund um die Uhr.

Keine festen Zuschüsse

Feste staatliche Zuschüsse bekommt Sabine Witt für die Versorgung von Wildtieren nicht. "Wir sind zwar eine tierheim-ähnliche Einrichtung, aber wir versorgen ja keine Fundtiere, sondern eben Wildtiere. Und die sind herrenlos", erklärt Witt. Deshalb kann die Auffangstation nicht einfach einen Beitrag von Kommunen oder öffentlichen Stellen verlangen. "Das ist natürlich nicht gerecht, denn die Tiere, die zu mir gebracht werden, sind alle durch die Menschen in Not gekommen", sagt Witt. Und weil viele Tiere, wenn sie in die Station gebracht werden, auch tierärztlich versorgt werden müssen, sind auch die Tierarztkosten, die die Station zu tragen hat, extrem hoch.

"In diesem Jahr gibt es eine auffällige Häufung von Missbildungen, von Tieren mit Wachstumsstörungen und von plötzlichen Todesopfern", erklärt die Stadtsteinacherin. Sie vermutet, dass Umweltgifte oder Herbizide an diesem Phänomen schuld sind. Als passionierte Tierschützerin hat Sabine Witt sogar eine Hummel in Obhut, der die Behaarung fehlt und deren Flügel missgebildet sind. "Man kann sie, wenn sie nicht mehr lebt, untersuchen lassen, aber man müsste seine Vermutung schon eingrenzen", so Witt.

Vögel, Igel, Fuchs und Marder

Aktuell beherbergt Sabine Witt noch immer rund 200 Tiere. Das Gros sind Jungvögel und Vögel, aber auch einige Igel, einige Rabenkrähen und Singvögel gehören zu ihren Pfleglingen. Außerdem versorgt sie aktuell einen jungen Fuchs und Marderbabys sowie junge Feldhasen und ein Eichhörnchen. "Ganz neu haben wir den Turmfalken hereinbekommen", sagt Witt. Er ist erst ein paar Wochen alt und wird jetzt mühevoll aufgepäppelt, bis er wieder ausgewildert werden kann.

Immense Kosten

Aktuell hat Sabine Witt fünf Helfer, die sich unentgeltlich und mit viel Aufwand um die Pfleglinge kümmern. "Die laufenden Kosten sind immens. Wir verfüttern pro Tag vier bis fünf Kartons Frostinsekten, das sind allein schon Kosten in Höhe von rund 50 Euro", legt Witt offen. "Diese Frostinsekten - zum Beispiel Getreideschimmelkäferlarven kommen aus Belgien. Sie werden dann abgebrüht und schockgefrostet. Das garantiert ein Höchstmaß an Sterilität", erklärt Witt. Und diese Sterilität ist ihr wichtig, um den ohnehin kranken Tiere wieder auf die Beine zu helfen. Auch tiefgefrorene Küken werden verfüttert - an die Raubvögel oder an den jungen Fuchs.

"Durch die Spendenaktion, die uns wirklich sehr geholfen hat, geht jetzt alles wieder seinen Gang", sagt Sabine Witt. Und mit neuer Kraft und Engagement geht sie weiter ans Werk. "Die Tiere danken es uns", ist sie sich sicher. Und wenn sie eine Blaumeise, die frech um ihr Haus fliegt, sieht und als ehemaligen Pflegling wiedererkennt, dann ist das für die Tierschützerin viel mehr wert als all die Mühen, die sie aufbringen musste.


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