Kulmbach
Recht

Die Schattenseiten eines Naturdenkmals

Als er 1975 sein Wohnhaus im Kulmbacher Ortsteil Blaich errichtete, war die Eiche auf dem Nachbargrundstück zweifellos ein schöner Anblick. Vier Jahrzehnte später macht der Baumriese einem inzwischen 75-jährigen Kulmbacher Probleme. Probleme, die jetzt sogar vor das Verwaltungsgericht Bayreuth führten.
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Baum des Anstoßes: Eine über 100 Jahre Eiche beeinträchtigt das Anwesen (rechts) eines 75-jährigen Kulmbachers. Der Baum ist ein Naturdenkmal und darf nicht gefällt werden. Foto: Matthias Beetz
Baum des Anstoßes: Eine über 100 Jahre Eiche beeinträchtigt das Anwesen (rechts) eines 75-jährigen Kulmbachers. Der Baum ist ein Naturdenkmal und darf nicht gefällt werden. Foto: Matthias Beetz
Denn: Die Eiche auf Nachbars Grundstück ist mittlerweile ein Naturdenkmal, darf nicht gefällt und auch nicht großflächig zurückgeschnitten werden.

Nur noch ein Meter Abstand der Äste zum Wohnhaus, vier Meter Überdeckung seines Grundstücks, Beschattung des Wohnhauses ab den Mittagsstunden, Laub und Eicheln im Überfluss und Schäden durch das Wurzelwerk des Baumes am Kanal - der 75-jährige Kulmbacher hätte seine Probleme gerne ein für alle Mal durch eine Fällung der Eiche gelöst. Doch die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Kulmbach lehnt das Ansinnen ab, die dafür erforderliche Befreiung von den Festsetzungen des Naturschutzrechts gibt es nicht.

Rechtsanwalt Peter Reinel, der den Kulmbacher bei seiner Klage gegen diesen Bescheid vor dem Bayreuther Verwaltungsgericht vertritt, führt zudem an, dass die mittlerweile über 100 Jahre alte Eiche einen Riss aufweist, der
eine Gefährdung darstelle.

Dass der Kulmbacher auch mit einer deutlichen Einkürzung des Baumes - 30 Prozent der Krone - zufrieden wäre, ändert nichts an der Haltung des Naturschutzes. Denn: Laut Abteilungsleiter Philipp Hetzel und Kreisfachberater Friedhelm Haun vom Landratsamt ist die Eiche in einem guten Gesamtzustand und standsicher. Sie wurde mit drei Seilverspannungen zusätzlich gesichert, wird regelmäßig überprüft und auch im Rahmen des Möglichen gestutzt.

Beeinträchtigung zumutbar

Die Beschattung des Wohnhauses und der Freiflächen stellten ebenso wenig wie der Anfall von Laub und Eicheln eine unzumutbare Beeinträchtigung dar. Und: Die Eiche stehe wegen ihrer besonderen Eigenart und Schönheit zu Recht unter Schutz.

Ein Rückschnitt der Baumkrone um 30 Prozent, so der Naturschutz am Landratsamt, komme nicht in Betracht, weil er das Naturdenkmal in seiner Existenz gefährde. Der letzte Kronenrückschnitt sei 2013 erfolgt, außerdem seien zuletzt 2012 auf Drängen des Kulmbachers größere Äste entfernt worden.

Nach einem Ortstermin des Gerichts am vergangenen Montag in der Blaich wurden gestern in Bayreuth nochmals die wichtigsten Argumente zusammengetragen.

Und die Hoffnung des vorsitzenden Richters Otto Schröppel, dass es doch noch zu einer Einigung der Parteien kommen könnte, sollte sich tatsächlich erfüllen: Der 75-jährige Kulmbacher und die Vertreter des Landratsamts erklärten sich damit einverstanden, dass das Kronenvolumen der Eiche um zehn Prozent zurückgeschnitten wird und weitere Äste zum Anwesen des Klägers entfernt werden. Anhand von Fotografien wurden die Eingriffe noch am Richtertisch festgelegt.

Die Einkürzungen werden auf Vorschlag von Friedhelm Haun Mitte 2015 stattfinden. Bis zu diesem Zeitpunkt ruht das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth.
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