Presseck

Die Pressecker Boschagroup hat massive Finanzprobleme

Das Pressecker Lederwarenunternehmen Boschagroup ist in Finanznöten. Die Firma hat Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.
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Die Boschagroup hat Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Foto: Jochen Nützel
Die Boschagroup hat Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Foto: Jochen Nützel
Das Lederwarenunternehmen Boschagroup GmbH & Co. KG, vormals Bodenschatz Lederwaren GmbH & Co. KG aus Presseck, hat beim Amtsgericht in Bayreuth einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt.


Das sind die Gründe

Was die Gründe für die finanzielle Schieflage sind? Geschäftsführer Holger Bodenschatz verweist da vor allem auf den Rückgang des stationären Lederwarenfachhandels, des firmenhistorisch wichtigsten Kundensegments. Es sei ein Bereich, der seit 1990 von 60 Prozent am Umsatz auf heute 40 Prozent zurückgegangen sei. Hinzu komme der nahezu komplette Wegfall des mit etwa 15 Prozent Umsatzanteil bislang wichtigsten Exportmarktes Russland und angrenzender Länder. Gründe hierfür seien die Krimkrise, Wirtschaftssanktionen, aber auch der Rubelverfall. Zudem setze die verstärkte Bildung von Einkaufsverbundgruppen mit Eigenmarken und Direktimport dem Markt zu. Der Strukturwandel gehe hin zum Vertrieb über Onlineriesen mit starken Margenverlusten. Die Unterhalts- und Instandhaltungskosten der Gebäudekomplexe für die ehemalige deutsche Fertigung mit damals etwa 250 Mitarbeitern allein in Presseck stünden auf Dauer in keinem tragbaren Verhältnis zur aktuellen Nutzung, so Bodenschatz.


Einst 320 Festangestellte

Die Geschichte des Unternehmens geht bis ins Jahr 1927 zurück. Seine Hochphasen erlebte die Firma von 1960 bis 1979 und direkt nach der Wende von 1990 bis Ende der 90er-Jahre. Bodenschatz war mit seiner Eigenmarke als erste deutsche Lederwarenfirma über professionelle Vertriebspartner in Russland und den baltischen Staaten sichtbar im Markt platziert sowie in den neuen Bundesländern flächendeckend vertreten. In den Jahren 1980 bis 1995 wurde die schwierige Umwandlung von einem Fertigungsbetrieb mit in der Spitze 320 fest angestellten Mitarbeitern und 80 Heimarbeitern einschließlich der damaligen Zweigwerke in Helmbrechts und Stadtsteinach zu einem Handelsunternehmen mit Produktionsstätten in China, Indien und Italien "Schritt für Schritt und ohne soziale Härten vollzogen und erfolgreich abgeschlossen", wie der Geschäftsführer betont. Viele der früheren deutschen Produktionsfirmen hätten schon damals diese Zäsur nicht überlebt. Heute beschäftigt die Firma Bodenschatz 36 Mitarbeiter einschließlich Teilzeitbeschäftigter.


"An Effektivität verloren"

Um das Markenportfolio zu erweitern, wurden Holger Bodenschatz zufolge seit Beginn des neuen Jahrtausends Verträge mit verschiedenen Modelabels für die Entwicklung und den Vertrieb von Lizenzkollektionen geschlossen. Nach einer zunächst steilen Aufwärtsentwicklung habe jedoch in den letzten Jahren auch diese Weichenstellung an Effektivität verloren.

"Die Fertigungskapazitäten in asiatischen Ländern sind schlicht unbegrenzt und haben auf fast allen Preisebenen wegen eines Überangebotes an Waren und Marken mehr und mehr zu einem Verdrängungswettbewerb mit erlösschmälernden Folgen geführt. Der Kuchen ist aber derselbe geblieben, und die Stücke werden für alle, die daran teilhaben wollen, immer kleiner", sagt Bodenschaft und führt weiter an: "Wir arbeiten seit vielen Jahren hart, um den Turn-Around zu schaffen. Doch die Gleichzeitigkeit der zuvor angeführten Ereignisse wiegen in der Summe schwerer als alle von uns bereits umgesetzten Einspar- und Optimierungsmaßnahmen." Ähnlich wie der Boschagroup gehe es seit Jahren einer Vielzahl namhafter Unternehmen und Marken der Textil- und Fashionbranche.


Zukunft ist offen

Der Geschäftsbetrieb in Presseck wird bis auf weiteres aufrechterhalten. Auch das traditionelle Lederwarenoutlet, der Fabrikverkauf in Presseck, bleibt zu den bekannten Zeiten unverändert geöffnet. Inwieweit die Firma nachhaltig fortgeführt werden kann, hängt laut Holger Bodenschatz von innerbetrieblichen Maßnahmen ebenso wie auch von schwebenden Vertriebs- und Marktentwicklungen ab. Das werde von einem Sachwalter geprüft.
Das Bayreuther Amtsgericht hat die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Zum Sachverwalter wurde der Kronacher Rechtsanwalt bestellt, der die Geschäfte des Unternehmens überwacht und die wirtschaftliche Lage prüft. Wittmann selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. red

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